Österreichs neuer Außenminister "Wunderwuzzi" macht Karriere

Sebastian Kurz ist 27 Jahre alt - und ab Montag Österreichs neuer Außenminister. Anfangs galt der Christdemokrat als Polit-Hallodri, weil er mit schrillen Kampagnen punkten wollte. Jetzt ist der Jura-Student gereift und die letzte Hoffnung seiner Partei.

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Vor drei Jahren hatte Sebastian Kurz eine Idee. Der sehr ambitionierte Jungpolitiker der altehrwürdigen Österreichischen Volkspartei mietete sich einen tonnenschweren Hummer-Geländewagen, pappte aufs Heck einen "Geil-o-Mobil"-Aufkleber und kurvte durch den Wiener Landtagswahlkampf. Mal parkte Kurz das PS-Monster auf dem Gehsteig. Mal posierte der damals 23-jährige auf der Motorhaube, umringt von schwarz bekleideten Mädchen in Hot Pants. Und stets verbreitete der Chef der ÖVP-Nachwuchsorganisation seinen Slogan: "Schwarz macht geil."

Plötzlich war Kurz eine Nummer in Österreich. Jetzt soll es für ihn weiter bergauf gehen: Donnerstagnacht hat die ÖVP verkündet, dass Kurz Minister wird. Außenminister der Republik Österreich. Mit 27.

Am Montag soll Bundespräsident Heinz Fischer den Jurastudenten ohne Abschluss küren: zum jüngsten Außenminister der EU. Künftig wird der Nachwuchsmann in Brüssel mit gestandenen Politik-Granden wie dem Franzosen Laurent Fabius oder dem Briten William Hague verhandeln. Im diplomatischen Korps stößt der "Maturant" (Abiturient), wie ein hoher Würdenträger Kurz genannt haben soll, auf Skepsis. Aber viele Menschen in Österreich trauen Kurz heute zu, die Nation würdig zu vertreten. Allen voran der amtierende Außenminister.

Michael Spindelegger hat Kurz systematisch aufgebaut. Schon im Frühjahr 2011 machte der ÖVP-Chef den jungen Mann mit den nach hinten gegelten Haaren zum Integrations-Staatssekretär. Ein Aufschrei ging damals durch die Republik. Kurz, der schon mit 16 der Partei beitrat, galt als schnöseliger Polit-Hallodri: wegen des Geil-o-Mobils und seiner Kampagne für durchgängigen U-Bahn-Nachtbetrieb in Wien. Auf den Plakaten schmachtete ein junges Mädchen einen Schönling im Muscle-Shirt an, darüber stand: "Wenn wir unseren Verkehr so planen, kommen wir nie in Fahrt." Kurz selbst verriet bald darauf, er habe seinen ersten Verkehr "mit 15" gehabt.

Der "Standard" beurteilte seine Ernennung als Verarschung

Ausgerechnet dieser Typ sollte nun für die Regierung die hochsensible Ausländerpolitik gegen die Anfeindungen der Rechtspopulisten von der FPÖ verteidigen? Ein "PR-Gag", schrieb die "Kronen-Zeitung". Der seriöse "Standard" nannte Kurz' Ernennung gar eine "Verarschung".

Sie haben ihn alle unterschätzt. Der Sohn aus gutbürgerlichem Haus ist mit dem Amt gewachsen. Gleich zum Start rief er das Motto "Integration durch Leistung" aus und ernannte "Integrationsbotschafter": prominente Migranten und Migrantinnen, die den Gewinn für Österreich durch Zuwanderer in den Vordergrund rückten. Bei bloßen Kampagnen hat er es nicht belassen. Kurz hat dafür gesorgt, dass ausländische Berufsabschlüsse schneller anerkannt werden. Er hat zusätzliche Millionen für Deutschkurse beschafft - aber auch gefordert, dass Kinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse in der Grundschule in separaten Klassen unterrichtet werden. Und obwohl er eifrig auf Twitter und Facebook postet, hat er bislang alle Fettnäpfchen umgangen. Und wenn er wohlformulierte Sätze wie "ich sehe mich als Ansprechpartner für die Migranten" verbreitet, nehmen ihm viele das mittlerweile ab.

Schließlich hat Kurz die Reform des Staatsbürgerschaftsrechts mit vorangetrieben: Ausländer, die hervorragend Deutsch sprechen, regelmäßig Steuern und Abgaben zahlen und sich ehrenamtlich engagieren, sollen künftig schon nach sechs statt bisher zehn Jahren den österreichischen Pass kriegen. Im Gegenzug ist Österreich bei Doppelstaatsbürgerschaften so restriktiv wie eh und je.

In seiner eigenen Partei ist er der "Wunderwuzzi"

Dass ihm die FPÖ-Jugendorganisation vorwirft, auf Seite der "Multi-Kulti-Fetischisten" zu stehen, kann Kurz verschmerzen. In seiner eigenen, kränkelnden Partei ist er nun der "Wunderwuzzi", wie ihn die Zeitung "Kurier" titulierte. Bei den Parlamentswahlen im September bekam er mehr Vorzugsstimmen, ähnlich den deutschen Direktstimmen, als jeder andere österreichische Politiker.

Kurz kommt an bei den Menschen - auch wenn ihn seine Kritiker aalglatt nennen. Und Österreichs Bürgerliche können nicht mehr ohne ihn. 20 von den 27 Jahren seit Kurz' Geburt haben sie als Junior-Partner der Großen Koalition gefristet, zuletzt reichte es noch für 24 Prozent. Am rechten Rand jagten ihr die FPÖ und der Altindustrielle Frank Stronach Stimmen ab, in der Mitte die liberalen NEOS. Aber bei den Jungwählern war die ÖVP knapp Nummer eins.

Österreichs Botschafter und Ministerialräte werden sich nun mit einem neuen, sehr jungen und auch einigermaßen mächtigen Chef anfreunden müssen. Denn auch im neuen Amt wird Kurz für Integration zuständig bleiben. Lange wird er es dort womöglich aber nicht aushalten. "Ich werde sicher nicht mein Leben lang in der Politik sein", hat er erst kürzlich im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE angekündigt.

"Später werde ich ganz andere Dinge machen." Klingt nach Zwischenstation. Wie damals das Geil-o-Mobil.



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insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
axelkli 13.12.2013
1.
A bisserl große Ohrli hat er, der Bua....
Benutzernameoptional 13.12.2013
2. Arme EU
Jetzt wird es absurd. Ein Jüngling, der nach oben will, nichts gelernt hat und protegiert wird. Das erinnert an Rot-Grün in Deutschland, schlimm.
suedseefrachter 13.12.2013
3.
Zitat von sysopimagoSebastian Kurz ist 27 Jahre alt - und ab Montag Österreichs neuer Außenminister. Bis vor Kurzem galt der Christdemokrat als Polit-Hallodri, weil er mit anstößigen Kampagnen punkten wollte. Jetzt ist der Jura-Student die letzte Hoffnung seiner Partei. http://www.spiegel.de/politik/ausland/oesterreich-sebastian-kurz-wird-mit-27-aussenminister-a-938868.html
Tja mit 24 hatte er (als Student) schon 150.000 EUR/Monat verdient (Staatssekretär für Integration). Wie blöd muss man denn sein eine Ausbildung zu machen wenn man in die Politik gehen kann. Wichtig ist Haargel, Frisur und etwas daherlabern. Kurz, der Junge der Erfinder des Geilomobil, weil Schwarz doch "Geil" macht.
jesse01 13.12.2013
4. Lächerlich !
Man kannn doch einen Grünschnabel von 27 Jahren nicht zum Außenminister machen !! Dazu bedarf es doch einer gewissen Lebenserfahrung ! Gerade im zwischenstaatlichen Bereich braucht es viel Fingerspitzengefühl und Rücksichtnahme. Das kann doch niemals ein unreifer 27´jähriger bieten, der mit Quatschkampangnen bekannt wurde und über null politische Erfahrung verfügt !! Armes Österreich. Bin einmal gespannt, ob die Außenminister mit diesem Bübchen überhaupt reden werden !!! Da lobe ich mir doch Herrn Steinmeier !!!
angnaria 13.12.2013
5. seien wir mal ehrlich:
Bei uns in Österreich ist der Präsident des Skiverbandes einflussreicher als der Außenminister.
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