Österreich Polizei findet Dutzende tote Flüchtlinge in Lastwagen an Autobahn

In Österreich hat die Polizei in einem Schlepperfahrzeug auf der Autobahn südlich von Wien die Leichen von Flüchtlingen entdeckt. Laut einem Sprecher könnten bis zu 50 Menschen umgekommen sein.

DPA

Die österreichische Polizei hat nach eigenen Angaben in einem Schlepperfahrzeug die Leichen von mindestens 20 Flüchtlingen gefunden. Ein Sprecher meldete bis zu 50 Tote. Das Fahrzeug sei auf der Autobahn A4 südlich von Wien unterwegs gewesen, teilte die Polizei mit.

Auch die "Kronenzeitung" berichtet von bis zu 50 toten Flüchtlingen, die in dem Lastwagen entdeckt worden seien - möglichweise seien die Menschen in dem Anhänger erstickt. Die Leichen seien in einem Lastwagen auf einem Pannenstreifen in der Nähe von Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) gefunden worden.

Härteres Vorgehen gegen Schlepper

"Es ist ein Lastwagen voller Leichen", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Die Tatortarbeit und die Bergung der Toten laufe, nach den Schleppern werde mit Hochdruck gefahndet. "Diese Tragödie macht uns alle betroffen", sagte Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). "Schlepper sind Kriminelle. Und wer jetzt noch immer meint, dass es sanftmütige Fluchthelfer sind, dem ist nicht zu helfen."

Kurz bevor die Nachricht bekannt wurde, hatte Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann auf der Westbalkan-Konferenz zu einem verstärkten Einsatz gegen Schlepper aufgerufen. "Wir haben gemeinsam die Pflicht, etwa jene, die an diesem Leid auch noch verdienen, in die Schranken zu weisen", sagte der SPÖ-Politiker. Ein gemeinsames Vorgehen der EU sei nötig. "Jeder ganz allein, erst recht gegen den Anderen, werden wir diese Herausforderung nicht lösen können", betonte Faymann. Ähnlich hatte sich zuvor Außenminister Frank-Walter Steinmeier geäußert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Rande der Konferenz, die Ereignisse seien "erschütternd". Bundesinnenminister Thomas de Maizière forderte ebenso wie Faymann einen härteren Einsatz gegen Schlepperbanden. "Dass dort viele, viele Menschen ersticken, weil verbrecherische Schlepper an diesen Menschen und an den unwürdigen Transportbedingungen Geld verdienen, macht mich wütend und fassungslos", sagte der CDU-Politiker in Nürnberg. Es komme jetzt zunächst darauf an, die Täter zu fassen. Wenn Deutschland dabei helfen könne, werde dies getan.

Laut "Kronenzeitung" hatte die österreichische Polizei erst am Vormittag einen anderen Vorfall bekannt gegeben. Bei Bruck an der Leitha seien drei Schlepper gefasst worden. Einer von ihnen hatte demnach in einem Kastenwagen 34 Flüchtlinge, darunter Kinder, über die Grenze nach Österreichgebracht. Die Flüchtlinge sagten dem Bericht zufolge der Polizei, dass sie in dem Fahrzeug "kaum Luft zum Atmen" bekommen hätten, der Fahrer aber, trotz mehrfacher Bitten anzuhalten, von der serbischen Grenze bis nach Österreich durchgefahren sei.

Zehntausende Flüchtlinge kommen über die Balkanroute nach Mittel- und Nordeuropa und durchqueren dabei auch Serbien, Ungarn und Österreich. Viele von ihnen sind Syrer, Iraker und Afghanen.

anr/vek/dpa/Reuters/AP

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