Österreich und die FPÖ Neuer Ärger um antisemitische Burschenlieder

In Österreich gerät ein Regierungsmitarbeiter der FPÖ wegen eines Medienberichts in Bedrängnis. Der Mann leitet eine Burschenschaft, bei der ein antisemitisches Liederbuch kursieren soll.

Burschenschafter (Symbolbild)
DPA

Burschenschafter (Symbolbild)


In Österreich ist offenbar ein weiteres antisemitisches Liederbuch einer Burschenschaft aufgetaucht. Das meldet das Wiener Magazin "Falter". Wie das Blatt weiter schreibt, wird es der Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia zugerechnet - und diese leitet ein FPÖ-Funktionär, der für die österreichische Regierung arbeitet.

In mehreren Liedtexten des Buches aus der schlagenden Burschenschaft gebe es judenfeindliche Zeilen, berichtet der "Falter". Das Magazin zitiert aus dem Werk unter anderem: "Zwei Juden badeten einst im Fluß, weil jeder Mensch einmal baden muß. Der eine, der ist ersoffen, vom anderen wollen wir's hoffen."

Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE teilte der "Falter" mit, das Büchlein liege der Redaktion vor, es sei "spiralgebunden" und umfasse "mehr als 150 Seiten". Zweifel an seiner Echtheit gebe es nicht.

Vorsitzender der Bruna Sudetia ist Herwig Götschober, wie der "Falter" und die "Salzburger Nachrichten" übereinstimmend berichten. Götschober ist dem "Falter" zufolge auch "Social-Media-Beauftragter" im Team von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ). Außerdem ist Götschober als Bezirksrat in Wien-Leopoldstadt kommunalpolitisch aktiv.

Laut "Falter" war Götschober für das Magazin persönlich nicht zu sprechen.

"So etwas würde ich nie singen, furchtbar"

Den "Salzburger Nachrichten", die den offenbar erkrankten Götschober zu Hause erreichten, sagte der FPÖ-Funktionär, er habe "keine Ahnung", wo das Liederbuch des "Falter" herkomme. "Ich habe ein anderes, das habe ich dem 'Falter' geschickt", zitiert ihn die Zeitung. Auch könne er "absolut, ganz sicher" ausschließen, dass das Lied gesungen worden sei. Die angeführten Textpassagen seien furchtbar. "So etwas würde ich nie singen wollen bzw. abdrucken oder sonst irgendetwas - furchtbar."

Über den Sprecher des Verkehrsministers ließ Götschober dem "Falter" ausrichten, er kenne das Liederbuch nicht und verwende ein anderes. Zudem erklärte der Sprecher, Götschober lehne die Inhalte des Liederbuchs, das dem "Falter" vorliege, kategorisch ab. Auch aus dem Ministerium hieß es dem "Falter"-Bericht zufolge, Götschobers Exemplar des Sudetia-Liederbuches weise weder im Inhalt noch in der Grafik Ähnlichkeiten zu dem vom Magazin angeführten Buch auf.

Trotz der Dementis Götschobers und einer Androhung, juristisch gegen die "Falter"-Veröffentlichung vorzugehen, gibt es gegen den Lokalpolitiker eine erste Rücktrittsforderung der Bezirksvorsteherin in Wien-Leopoldstadt, Uschi Lichtenegger (Grüne). Götschober müsse als Bezirksrat zurücktreten, er sei für "die jüdische Community völlig unzumutbar", so Lichtenegger im ORF. Der "Falter" erklärte SPIEGEL ONLINE am Mittwoch, das Magazin halte an seiner Darstellung fest.

Im Januar hatte der FPÖ-Spitzenpolitiker Udo Landbauer für Schlagzeilen gesorgt, da in seiner Burschenschaft Germania ein antisemitischer Liedtext kursierte. Landbauer hat alle Vorwürfe zurückgewiesen, aber sein Landtagsmandat nicht angenommen. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte nach dem Skandal angekündigt, ein Verfahren zur Auflösung der Germania einzuleiten.

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cht/dpa



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