SPÖ in der Krise Österreichs Kanzler Faymann tritt zurück

Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann tritt von all seinen Ämtern zurück und zieht damit die Konsequenzen aus dem mangelnden Rückhalt der Wähler und der SPÖ. Die Regierung brauche einen Neustart

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Österreich bekommt nach mehr als sieben Jahren einen neuen Bundeskanzler. Regierungschef Werner Faymann hat seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er hatte den Posten seit Dezember 2008 inne.

Faymann räumt außerdem seinen Posten als SPÖ-Chef. Er führte die sozialdemokratische Partei seit August 2008. Die Partei befindet sich seit Jahren in einer schweren Krise. Bei der Bundespräsidentenwahl am 24. April landete der SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer mit 11 Prozent abgeschlagen auf dem vierten Platz. Damit verpasste er die Stichwahl deutlich.

"Dieses Land braucht einen Kanzler, wo die Partei voll hinter ihm steht. Die Regierung braucht einen Neustart mit Kraft. Wer diesen Rückhalt nicht hat, kann diese Aufgabe nicht leisten", so Faymann Montagmittag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.

"Es geht um viel, es geht um Österreich", er sei "sehr dankbar, diesem Land habe dienen zu dürfen." Er sei stolz auf Österreich. Das Land habe etwas geleistet und Zehntausenden Menschen Asyl gegeben. "Es wäre verantwortungslos gewesen, nicht auch eigene Maßnahmen zu setzen", so Faymann über den Flüchtlingskurs der Regierung. Das rot-schwarze Kabinett in Wien hatte zuletzt seinen Asylkurs im Einklang mit den Staaten auf dem Balkan deutlich verschärft.

Zum Ende seiner Pressekonferenz verabschiedete sich Faymann mit einem "Alles Gute". Die Erklärung Faymanns kam nach einem Treffen mit den SPÖ-Landesparteichefs im Bundeskanzleramt.

Der 56-Jährige war der am viertlängsten amtierende Kanzler der Zweiten Republik.

Bis zum nächsten Parteitag soll der Wiener Bürgermeister und Landeshauptmann Michael Häupl die SPÖ führen. Wer Faymann als Kanzler nachfolgt, ist noch völlig offen.

syd/dpa/Reuters



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