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Islamfeinde in Österreich: Wien rüstet sich für Marsch des Pegida-Ablegers

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Proteste gegen den Akademikerball in Wien Ende Januar: Was ist von Pegida in Österreich zu erwarten? Zur Großansicht
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Proteste gegen den Akademikerball in Wien Ende Januar: Was ist von Pegida in Österreich zu erwarten?

In Deutschland zerlegt sich die islamfeindliche Pegida-Bewegung, in Wien hingegen will am Montag erstmals ein österreichischer Ableger marschieren. An der Spitze mischt ein Mann mit, der hetzerische Thesen verbreitet.

München/Wien - Für die Polizei in Wien wird es der zweite Großeinsatz binnen weniger Tage: 1000 Beamte sollen am Montagabend für Sicherheit sorgen, wenn der österreichische Ableger der islamfeindlichen Pegida-Bewegung seinen "ersten Spaziergang" veranstalten will.

Die Organisatoren versprechen eine friedliche und sichere Veranstaltung, doch die Behörden sind alarmiert. Erst vergangenen Freitag war es in der Stadt zu Krawallen gekommen: Eine zunächst friedliche Gegendemonstration gegen den von der rechtspopulistischen FPÖ organisierten Akademikerball mündete in Auseinandersetzungen zwischen linken Aktivisten und Polizisten. Mehrere Beamte erlitten Verletzungen, insgesamt waren 2500 Sicherheitskräfte im Einsatz. Auch gegen den Pegida-Marsch am Montag ist eine Gegendemonstration angemeldet.

Während die Anti-Islam-Bewegung sich in Deutschland derzeit selbst zerlegt, versucht sie sich in Österreich zu etablieren. In einem Positionspapier spricht sich Pegida Wien unter anderem für einen Stopp der "Massenmigration nach Europa" und für ein "Asyl nur auf Zeit" aus. Zudem fordert Pegida Wien, das Asylrecht langfristig auf den jeweiligen Kontinent zu beschränken.

Wie stark wird Pegida in Österreich mobilisieren?

Das ist schwer abzuschätzen. Für Montag rechnen die Sicherheitsbehörden lediglich mit bis zu 300 Demonstranten und mit bis zu 1000 Gegnern. Die Facebook-Seite von Pegida in Deutschland hat mehr als 159.000 Fans, in Österreich sind es derzeit etwas mehr als 11.000.

Dass der österreichische Ableger im rechtspopulistischen Milieu verankert ist, zeichnet sich ab: Als Sprecher fungiert Georg Immanuel Nagel, der sich im Internet als "Freisinniger Publizist & Bürgerrechtsaktivist" bezeichnet. In der Vergangenheit wurden seine Beiträge unter anderem in der "Blauen Narzisse" veröffentlicht, einem in Chemnitz erscheinenden Magazin, das der Neuen Rechten zugeordnet wird. Ebenso veröffentlichte Nagel in der rechtskonservativen österreichischen Wochenzeitung "Zur Zeit".

Aus Nagels Beiträgen geht seine fremdenfeindliche Haltung deutlich hervor, viele seiner Thesen haben hetzerischen Charakter: So schrieb Nagel etwa in einem Beitrag für "Zur Zeit", dass Migranten keine Dankbarkeit gegenüber jenen zeigen würden, die sie aufgenommen hätten - stattdessen würden sie sich als "Herrenmenschen des Landes" begreifen: "Bei vielen steigert sich der Rassismus gegen Europäer in ein unstillbares Gewaltbedürfnis, welches sich in allerlei Kriminalitäts- und Gewaltakten gegen Einheimische äußert."

Nagel behauptet: "Ausländerghettos werden zu Todeszonen für Europäer." Den Islam verunglimpfte Nagel etwa im vergangenen Sommer in einem Beitrag für die "Blaue Narzisse": "Masseneinwanderung und Geburten-Dschihad" seien dessen "neue Strategie".

Nähe zur Hooligan-Szene?

Dem österreichischen Nachrichtenmagazin "Profil" zufolge wurde der österreichische Pegida-Ableger möglicherweise von Wiener Fußball-Hooligans ins Leben gerufen. Dies lege der Name des Mannes nahe, der die Veranstaltung am Montag angemeldet habe, heißt es in einem Bericht. Es handele sich um Arnold S., einen Fan des Vereins Austria Wien, der "mit der radikalen Fanszene bestens vernetzt" sei.

Eine erste schriftliche Anfrage von SPIEGEL ONLINE an Pegida Wien für ein Telefonat fiel knapp aus: Fragen möge man bitte per Mail schicken, eine Antwort erfolge schriftlich. "Private Fragen über unseren Pressesprecher werden nicht beantwortet, allenfalls vielleicht als Ausnahme, wenn Sie etwas ganz besonders interessiert."

Man wolle die Kontakte zu Pegida in Deutschland ausbauen, heißt es später in einer zweiten Antwort. Der Wiener Ableger bestehe aus etwa einem Dutzend Personen. Und zu den Thesen Nagels: Er stehe zu seinen Artikeln. In der Berichterstattung über Pegida Wien würden Zitate von ihm aber teilweise "zusammengewürfelt vermixt". Dies sei "dann vom Informationsgehalt her wertlos".

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Auch wenn es erstaunt - Österreich ist eine Demokratie
hassowa 01.02.2015
und in Demokratien darf man getzlich verbrieft gewaltfrei demonstrieren. Vollkommen egal wofür, wenn die Ziele verfassungskonform sind. Und das waren sie in Dresden und sie werden es in Wien sein. Das müssen die Gutmenschen in den beiden Staaten eben aushalten!
2. Cobra
Peter St. Marc 01.02.2015
Zitat von hassowaund in Demokratien darf man getzlich verbrieft gewaltfrei demonstrieren. Vollkommen egal wofür, wenn die Ziele verfassungskonform sind. Und das waren sie in Dresden und sie werden es in Wien sein. Das müssen die Gutmenschen in den beiden Staaten eben aushalten!
Hoffentlich gibt es Zoff. Die österreichische und vor allem die Wiener Polizei ist nicht so zimperlich wie teilweise die deutsche. Und für den Fall der Fälle gibt's ja "Cobra" :-)
3.
nordwestdeutscher 01.02.2015
Viel Erfolg an Pegida Wien!
4. @hassowka
alsterdorfkater 01.02.2015
Und sie haben offensichtlich ein Problem mit Güte. Warum sonst sollten Sie diese als Schimpfwort "Gutmensch" benutzen. Da es anscheinend ein Verfassungsrecht in Österreich ist, Asyl zu beantragen, kann diese Pegidademo gar nicht verfassungskonform sein.
5. Solange es während der oder nach den Demonstrationen
dashaeseken 01.02.2015
regelmäßig zu Gewalttaten wie Körperverletzung, Angriffen auf Polizeibeamte und Sachbeschädigung/Brandstiftung von Seiten der linken Demonstranten kommt, gilt meine Sympathie den "rechten" Demonstranten. Sie nutzen ihr verbrieftes Recht auf friedliche Demonstrationen, die offiziell genehmigt wurden. Nun muß nur noch die Polizei ihnen dieses Recht notfalls mit Gewalt verschaffen. Ich habe in dieser Hinsicht mehr Vertrauen in die österreichische Polizei und ihre Führung als in die deutsche Polizei, die politisch gewollt eingesetzt wird statt entsprechend der grundgesetzlichen Lage.
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