Prominenter Gast Warum kommt Putin zu einer Hochzeit nach Österreich?

Große Aufregung in der Steiermark: Russlands Präsident Wladimir Putin ist Gast bei der Hochzeit von Österreichs Außenministerin. Über die Gründe für den Besuch gibt es reichlich Spekulationen.

Karin Kneissl und Wladimir Putin bei einer Kranzniederlegung in Wien (Archivaufnahme)
REUTERS

Karin Kneissl und Wladimir Putin bei einer Kranzniederlegung in Wien (Archivaufnahme)


Wer am Samstag im Gasthaus Tscheppe an der südsteirischen Weinstraße essen will, hat Pech gehabt. So berichtet es die österreichische Zeitung "Presse". "Geschlossene Gesellschaft", habe es dort auf Anfrage geheißen. Denn alle seien sich sicher: In dem Lokal mit Blick auf Weinberge findet die Hochzeit von Außenministerin Karin Kneissl mit dem Unternehmer Wolfgang Meilinger statt.

Rund 100 Gäste sind eingeladen - aber ein ganz besonderer hat seine Teilnahme bereits zugesagt: Kremlchef Wladimir Putin. Aber warum kommt Russlands Präsident zu einer Hochzeit nach Österreich, obwohl er am späten Nachmittag schon im Schloss Meseberg in Brandenburg einen Arbeitstermin bei Kanzlerin Angela Merkel hat?

Für Putin sei die Teilnahme an der Hochzeit eine Gelegenheit zu demonstrieren, dass er nicht isoliert sei, sondern in einem EU-Land auch gesellschaftlich hochwillkommen, glaubt der österreichische Politologe Gerhard Mangott, Russland-Experte der Universität Innsbruck.

"Trojanisches Pferd Russlands in der EU"

Dass sich Putin und Kneissl persönlich nahestehen, könne als Motiv ausgeschlossen werden. Denn Kneissl sei bei ihrem "dilettantischen Vorstoß", Österreich als Vermittlerland im Syrien-Konflikt ins Spiel zu bringen, von Moskau im April brüsk zurechtgewiesen worden, sagte Mangott der Deutschen Presse-Agentur. Die 53-Jährige ist zwar parteilos, wurde aber von der rechtspopulistischen FPÖ als Außenministerin nominiert.

Putins Anwesenheit bei der Hochzeit hinterlasse einen erheblichen politischen Flurschaden, ist sich Mangott sicher. "Für Österreich ist das nachteilig. Der Besuch schürt das Misstrauen, dass das Land ein trojanisches Pferd Russlands in der EU ist."

Zuletzt war Putin im Juni in Wien, traf Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Kanzler Sebastian Kurz. Damals warb er für einen schrittweisen Neubeginn in den Beziehungen zwischen der EU und Russland.

Karin Kneissl
DPA

Karin Kneissl

Putin habe die Einladung zu der Feier bei seinem Wien-Besuch von Kneissl bekommen und diese "mit Freude angenommen", berichtete sein Sprecher Dmitrij Peskow. Welches Geschenk der Staatschef dem Hochzeitspaar mitbringen werde, ließ er offen: "Ich kann darüber noch nichts sagen."

In der Ukraine kam die Einladung an Putin schlecht an. Österreich habe als EU-Ratsvorsitzland seine Rolle als Vermittler im Ukraine-Konflikt deutlich beschädigt, twitterte zum Beispiel Hanna Hopko, Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im ukrainischen Parlament.

Von dem Besuch profitiere nicht nur Putin, sondern auch die russlandnahe FPÖ, glaubt Politologe Mangott: "Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erfährt eine deutliche Aufwertung."

"Die Kontakte zur FPÖ verliefen bisher auf bescheidener Ebene", erläuterte der Russland-Experte der Zeitung "Standard". 2016 habe Strache ein Kooperationsabkommen mit der Kremlpartei Einiges Russland vereinbart. "Trotzdem hatte die FPÖ keinen Zugang zum Präsidialamt oder Putin", so Mangott.

Seit Tagen bereitet sich die Polizei in der Steiermark auf den Einsatz vor. Mehrere Hundert Polizisten, darunter auch Kräfte der Spezialeinheit Cobra, sollen den hohen Gast schützen. Nach unbestätigten Medienberichten soll Putin auf dem Flughafen in Graz landen und von dort mit dem Hubschrauber zur Feier geflogen werden. Es wurde auch über eine Kutschfahrt spekuliert.

als/dpa



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