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Österreichs neues "Team Stronach": Die Partei bin ich

Von und Julia Herrnböck, Wien

Let's be Frank: Der österreichische Milliardär Stronach hat in Wien sein "Team Stronach" vorgestellt, mit dem er bei der Nationalratswahl antreten will. Sich selbst hat er dabei ziemlich viel Macht eingeräumt.

Frank Stronach: Mit 80 in die Politik Fotos
DPA

Zum Auftakt also ein Video, in dem auch der frühere US-Präsident Bill Clinton für Frank Stronach schwärmt: "Frank, du hast mit Magna so viele Jobs geschaffen auf der Welt, ich bin stolz darauf, dich zu kennen." Wenn also schon der einst mächtigste Mann der Welt vom Gründer des Automobilzulieferers Magna begeistert ist, dann darf man doch wohl auch in Österreich Euphorie erwarten.

Die Orangerie von Schloss Schönbrunn ist am Donnerstag gut besucht - und jetzt soll eine neue Zeitrechnung beginnen. Mindestens in Österreich, eigentlich aber auch im Rest der Welt, das findet jedenfalls Frank Stronach. "Der 27. September 2012, da bin ich mir sicher, das ist ein sehr wichtiger Tag, der in die Geschichte Österreichs eingehen wird und der auch in die Geschichte der Welt eingehen wird", sagt der 80-Jährige am Donnerstag mit stark kanadischem Akzent in Wien. Für Stronach ist der 27. September vor allem ein Stronach-Tag. In der Orangerie stellte der Milliardär seine Partei vor, mit der er bei der Nationalratswahl im kommenden Jahr antreten will. Ihr Name: Team Stronach.

Das Team und sein Obmann

Ein Programm soll bis April 2013 vorliegen, in der Orangerie skizziert Stronach in seinem 50-minütigen Vortrag einige Punkte: Stronach spricht sich für einen einheitlichen Steuersatz, ein Berufsheer und für eine Verwaltungsreform aus. Außerdem macht sich der Austro-Kanadier erneut für flexible Wechselkurse in der Euro-Zone stark. Jedes Euro-Land brauche seinen eigenen Euro. Stronach kritisierte in diesem Zusammenhang auch Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Entweder ist sie so dumm, oder sie spielt bei den Banken mit."

Auf das endgültige Programm müssen Sympathisanten also noch warten, die Satzung dagegen ist bereits abrufbar - und allein sie macht deutlich, welche Vorstellungen Stronach vom Team Stronach hat. Es gibt ein Team, aber die wesentlichen Entscheidungen trifft nur einer: der Obmann. Klar, dass dies Stronach selbst sein wird, schließlich ist er der Finanzier und Organisator des gesamten Projekts. "Die Partei wird nach außen vom Obmann alleine vertreten", heißt es etwa in Paragraf 8. Ein paar Zeilen weiter unten: "Der Finanzreferent wird vom Obmann bestellt und abberufen." Scheidet der Obmann aus, kann er "zu Lebzeiten eine Person aus dem Kreis der Gründungsmitglieder bestimmen", die bis zur Wahl eines neuen Obmanns an dessen Stelle tritt.

"Mann des Volkes"

Stronach hat sich also eine kleine Partei nach seinem Geschmack geformt, die sich ganz um ihn dreht. Das passt zu seinem ersten Anlauf in der Politik Ende der achtziger Jahre in Kanada. Damals kandidierte er für die Liberalen mit dem Slogan "Let's be Frank", also "Seien wir ehrlich", es war aber vor allem ein Spiel mit seinem Namen. Stronachs Partei sei eine "klare One-Man-Show", sagte Hans Bürger, Innenpolitikchef beim Rundfunksender ORF, am Donnerstag. Dennoch müssten die etablierten Parteien das Team Stronach sehr ernst nehmen. Der 80-Jährige könnte vor allem der rechtspopulistischen FPÖ und der sozialdemokratischen SPÖ Stimmen streitig machen.

Neue prominente Gesichter für seine Partei präsentiert Stronach am Donnerstag nicht. Von den bisher bekannten Überläufern kommen gleich drei aus dem BZÖ, der Partei des verstorbenen Rechtspopulisten Jörg Haider. Dort weint man den Abtrünnigen offenbar keine Träne nach: "Wer sich kaufen lässt, muss sich selbst dafür rechtfertigen", kommentierte Heimo Lepuschitz, Sprecher des BZÖ, die Übertritte. 500.000 Euro habe Stronach dem aktuellen BZÖ-Chef Josef Bucher geboten, damit dieser zu ihm wechsle. Der habe sich jedoch konsequent und unbestechlich gezeigt. "Das ist nichts weiter als eine Truppe zusammengekaufter Söldner ohne eigene Ideen", giftete Lepuschitz. Zumindest einer der drei ehemaligen BZÖ-Leute im Team Stronach, Erich Tadler, wurde aus der rechtspopulistischen Partei ausgeschlossen, weil er Geld für seinen Verbleib im Nationalratsklub gefordert haben soll.

Stronach hat ein großes Ziel ausgegeben: Er wolle mit seinem Team bei der Nationalratswahl die "die meisten Stimmen holen" - Umfragen zufolge kann er aber lediglich mit rund zehn Prozent der Stimmen rechnen. Möglicherweise hat Stronach ein größeres Wählerpotential: Einer in der Zeitung "Standard" veröffentlichten Umfrage zufolge wünschen sich 40 Prozent die Stronach-Partei in der Regierung. Der typische Unterstützer Stronachs kommt demnach vom Land, ist männlich und mittleren Alters und stammt aus den unteren und mittleren Bildungsschichten.

Und für diese Wählerklientel hat der Milliardär auch am Donnerstag ein paar Worte parat: "Ich bin ein Mann des Volkes, komme aus einer Arbeiterfamilie und habe das nie vergessen."

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Stronach ist vor allem für die gut,
gladiator66 27.09.2012
die Unterhaltung in der Politik brauchen, nicht unbedingt ein Programm.
2.
Hamstedt 27.09.2012
Reicht dem sein Geld nicht? Mein Gott - "Team Stronach", die Geschichte hat bereits mehrfach gezeigt, dass eine Partei, die nur von einer Person ausgeht und nur auf diese eine Person ausgerichtet ist, mit Sicherheit bereits zum Untergang verurteilt ist, vor Allem mit diesem albernen Namen. Was für ein alberner und peinlicher Versuch, als reicher Tattergreis auf Selbstverwirklichungstour noch das kleinste Bischen an Geltungsdrang zu befriedigen...
3. Politik und Unterhaltung
frunabulax 27.09.2012
Zitat von gladiator66die Unterhaltung in der Politik brauchen, nicht unbedingt ein Programm.
"politics is the entertainment branch of industry" (Frank Zappa)
4. nicht noch einer von dieser sorte ...
collapsar 27.09.2012
... milliardäre und ihre vorstellung von politik kennen wir in europa für meinen geschmack schon genug (berlusconi, blocher, tusk).
5.
manni-two 27.09.2012
(mit ÖVP sogar 4 ) sollte man als positiv ansehen.
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