Wien/Berlin - Rechtspopulisten haben in Österreich großen Einfluss. Die Republik hatte Jörg Haider, der 2008 bei einem Autounfall starb. Sie hat Heinz-Christian Strache, den FPÖ-Chef, der irgendwann gerne Kanzler werden möchte. Und jetzt hat das kleine Land auch noch Barbara Rosenkranz.
Die 51-Jährige steht sogar in Straches Rechtsaußenpartei rechts außen - und möchte am 25. April österreichische Bundespräsidentin werden.
Das wird ihr allen Umfragen zufolge zwar nicht gelingen - das Staatsoberhaupt wird in Österreich direkt vom Volk auf sechs Jahre gewählt, der sozialdemokratische Amtsinhaber Heinz Fischer ist populär - doch halten Meinungsforscher rund 20 Prozent Stimmenanteil für möglich.
Die Freiheitlichen um Rosenkranz hoffen auf Unterstützung aus dem bürgerlichen Lager. Denn weder die christdemokratische ÖVP noch die Grünen haben einen eigenen Kandidaten aufgestellt. Außer Fischer und Rosenkranz steht nur noch Rudolf Gehring, der Chef der recht unbedeutenden Christlichen Partei zur Wahl. Der geißelt Homosexualität als Verirrung oder vergleicht die Zahl der Opfer des Holocaust mit jener abgetriebener Föten.
Wie auch immer also die Wahl ausgehen mag: Erneut werden die politischen Koordinaten der Alpenrepublik ein Stück weiter nach rechts verschoben, das rot-weiß-rote Image leidet.
Das hat Tradition:
Und nun hat Rosenkranz die Aufmerksamkeit. Sie bedient sich dabei sprachlicher Codes, die wohl auch in rechtsradikalen Kreisen verstanden werden.
Gefragt nach möglichen Zweifeln an der Existenz von Gaskammern im "Dritten Reich", sagte Rosenkranz dem ORF, sie habe das Wissen eines Österreichers, "der zwischen 1964 und 1976 in österreichische Schulen gegangen ist". An diesem Geschichtsbild habe sie keine Änderung vorzunehmen. Was soll das heißen? Die Frage wird nur scheinbar nicht beantwortet. Denn damals war die Holocaust-Thematik und Österreichs Mitverantwortung kein weitverbreiteter Schulstoff.
"Das wusste A.H. auch"
Seit Jahren kritisiert Rosenkranz das sogenannte Verbotsgesetz, das unter anderem die Leugnung des Holocaust oder die NS-Wiederbetätigung in Österreich unter Strafe stellt. Man kann das auch als Zeichen an die rechte Szene lesen. Kaum Kandidatin für das höchste Amt im Staat, betonte Rosenkranz erneut, dass jener Teil des Verbotsgesetzes, der sich mit der Meinungsäußerung befasse, "ein sehr unklares Tatbild" habe. Er gebe Anlass zu politischem Missbrauch.
Da zuckte selbst die "Krone", Österreichs rechtsboulevardeskes Massenblatt, das einst Jörg Haider hochschrieb. Eben noch hatte Herausgeber Hans Dichand unter seinem Pseudonym "Cato" über Rosenkranz gejubelt: "Wählen wir sie, sie wird eine gute Bundespräsidentin für Österreich sein!", forderte er sie nun zur Distanzierung vom Nationalsozialismus auf.
Und Rosenkranz folgte prompt, verurteilte die NS-Verbrechen in einer eidesstattlichen Erklärung. Sorgsam las sie vom Blatt ab: "So habe ich auch das Verbotsgesetz als Symbol für die Abgrenzung vom Nationalsozialismus niemals in Frage gestellt und werde es auch nicht in Frage stellen." In den einschlägigen rechtsextremen Foren im Internet wurde das sofort heiß diskutiert: Ist die Kandidatin eine Umfallerin?
"Traurig, wie schnell Frau Rosenkranz, die wir für eine tapfere Frau, Mutter und Politikerin gehalten haben, umgefallen ist. Eine Hoffnung weniger", schreibt einer unter der Kennung des NPD-Kreisverbands Unna/Hamm. "Der Fall ist geklärt, die FPÖ ist eine Systempartei", stellt "Adelwald" enttäuscht fest. "Jan P." dagegen weiß die Kameraden zu beruhigen. Man müsse eben "die Masse der Wähler" ansprechen: "Das wusste A.H. auch, und schwor auf die Demokratie. Hat es ihm geschadet?". A.H. steht für Adolf Hitler.
Die rechte Szene hat die Familie der Kandidatin im Blick. Rosenkranz' Mann Horst Jakob war Aktivist der später wegen NS-Wiederbetätigung verbotenen Nationaldemokratischen Partei (NDP). Er war 1990 einer der Spitzenkandidaten der Liste "Nein zur Ausländerflut", die letztlich nicht zur Wahl zugelassen wurde. In seiner Zeitschrift "Fakten" heißt es laut "Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands" (DöW) etwa in der Ausgabe 1/1990 auf Seite 14:
"So wie ein Tumor ins gesunde Leben einwandert, wuchert, es zerstört und eindringt ins bestehende Gewebe, dort wo er schädigt und nicht hingehört, so wird ein Strom hereingedrängt, dass Fremdes sich in unser Volkstum mengt und es vernichtet, ohne Bomben und Kanonen."
Und der Schäferhund heißt Greif
Und was sagt Barbara Rosenkranz zu den Aktivitäten ihres Mannes? Nichts. "Ich kann nicht sehen, dass mein Mann etwas Ehrenrühriges macht", sagte sie dem "Standard". Sie selbst hat ihre Kraft in der Vergangenheit auch eher dem Kampf gegen den Feminismus gewidmet, warnte vor zwei Jahren in ihrem Buch "MenschInnen" vor Gender Mainstreaming und dem "geschlechtslosen Menschen". Das Werk erschien im Grazer Ares-Verlag, der einschlägige Titel im Angebot hat, etwa: "Der junge Hitler - Korrekturen an einer Biographie" oder "Saat in den Sturm - Ein Soldat der Waffen-SS berichtet" oder auch: "'Jüdischer Bolschewismus' - Mythos und Realität".
Die Kandidatin hat auch die deutsche Polit-Elite genau im Blick. Angela Merkel und Guido Westerwelle protegierten eine Politik, "die strategisch auf eine quasi-totalitäre Umstürzung unserer gesellschaftlichen Verhältnisse und auf die Vernichtung von Mann und Frau abzielt", so Rosenkranz im Interview mit der rechtslastigen Wochenpostille "Junge Freiheit".
In ihrer eigenen Familie jedenfalls werden die alten Rollenbilder gepflegt. Rosenkranz bezeichnet sich als Hausfrau, obwohl sie mit Gehalt und Diäten - erst als Abgeordnete des niederösterreichischen Landtags, dann des nationalen Parlaments und schließlich als Regierungsmitglied in Niederösterreich - die Hauptverdienerin ist. Zehn Kinder hat sie zur Welt gebracht, auch deren Namen können als Statement gewertet werden: Hedda, Horst, Arne, Mechthild, Hildrun, Volker, Sonnhild, Alwine, Ute, Wolf. Und der Schäferhund der Familie heißt Greif.
Es könne ja nicht jeder Kevin heißen, konterte sie einmal gegenüber den "Salzburger Nachrichten".
Klar ist schon jetzt: Die "Mutter für Österreich" (Parteichef Strache) wird am 25. April besser abschneiden als einer ihrer Vorgängerkandidaten: Bei der Präsidentschaftswahl 1980 kam NDP-Mann Burger nur auf 3,2 Prozent.
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