Offener Brief Bin-Laden-Sohn droht USA mit Klage

"Wir machen Obama rechtlich verantwortlich": Omar Bin Laden, einer der vielen Söhne des Qaida-Chefs, verlangt Aufklärung über das Schicksal seines Vaters. Den Tod Bin Ladens hält er für unbewiesen - und die angebliche Seebestattung für eine Beleidigung.

Von Yassin Musharbash

AFP

Berlin - Es ist nicht leicht, mit Omar Bin Laden, dem viertältesten Sohn Osama Bin Ladens, Kontakt aufzunehmen. Er reise viel, lässt er zum Beispiel ausrichten. Oder er halte sich in einem Land auf, in dem er nicht über alles reden könne. Das ist misslich, denn Omar Bin Laden nimmt für sich in Anspruch, der einzige legitime Ansprechpartner in Familienangelegenheiten zu sein.

Manchmal aber meldet er sich doch öffentlich zu Wort. In den vergangenen Jahren gab er mehrfach Interviews. Er nahm seinen Vater als "freundlich" in Schutz und kritisierte ihn zugleich für seine Methoden - der 11. September 2001 habe ihn "traurig gemacht", bekannte er etwa. Er promotete ein 3000-Meilen-Pferderennen für den Frieden quer durch Nordafrika. Er geisterte durch die Gazetten, weil er eine Britin heiratete. Er berichtete auch aus seinem Leben als Sohn eines Terrorfürsten, der im Sudan und in Afghanistan aufwuchs. 2007 veröffentlichte er gemeinsam mit seiner Mutter Nadschwa sogar ein Buch darüber: "Growing up Bin Laden" - "Aufwachsen als ein Bin Laden". Darin schilderte er, wie seine Haustiere chemischen Experimenten der Qaida-Terroristen zum Opfer fielen.

Im vergangenen Jahr machte Omar Bin Laden namens der Familie ein bisher unbekanntes Detail öffentlich: Eine Ehefrau seines Vaters und etliche seiner Geschwister hatten die letzten Jahre in einer Art Hausarrest in Iran verbracht; einige konnten mittlerweile offenbar nach Syrien ausreisen.

Nun, eine Woche nachdem US-Spezialtruppen seinen Vater in dessen Versteck in Abbottabad in Pakistan erschossen haben, hat Omar Bin Laden erneut den Weg in die Öffentlichkeit gesucht. In einer Art offenem Brief äußert er sich zum Tod seines Vaters - oder genauer genommen: zu den Meldungen über den Tod seines Vaters, den Omar Bin Laden nicht ohne Weiteres für bestätigt hält.

Eine digitale Kopie des maschinengeschriebenen, aber handschriftlich unterzeichneten, einseitigen Dokuments wurde auf einer Web-Seite veröffentlicht, die der ägyptische Taliban-Berater Abu al-Walid al-Masri nutzt. Das spricht für die Authentizität des Schreibens, auch wenn keine Details genannt werden, außer dass "der Brief zu dieser Web-Seite gelangte".

"Absicht zu töten"

In dem auf Arabisch verfassten Schreiben heißt es unter anderem:

"Wir haben mit größter Verstörung zur Kenntnis genommen, was der amerikanische Präsident Obama über den Angriff auf den mutmaßlichen Aufenthaltsort unseres Vaters Osama Bin Laden erklärt hat, der mit der Absicht erfolgte, ihn zu töten, und nicht etwa, ihn festzunehmen."

Omar Bin Laden ist kein Dschihadist - anders als es mutmaßlich einige seiner Brüder taten, hat er sich al-Qaida nicht angeschlossen, sondern lebt das Leben eines etwas exzentrischen Jetsetters, Geschäftsmanns und selbsternannten Friedensbotschafters. Er spricht also nicht für alle Söhne Bin Ladens. Vermutlich aber durchaus für jenen Teil der Familie, der mit den Aktivitäten des Qaida-Chefs nichts mehr zu tun hatte, und ihn vor allem als Familienoberhaupt betrachtet.

Omar Bin Laden fordert denn auch weder Rache noch Vergeltung - wohl aber Aufklärung. Schließlich habe das Weiße Haus keinen "sicheren Beweis für die abstoßende Behauptung" vorgelegt. Und er kündigt mögliche juristische Schritte an:

"Wir machen den amerikanischen Präsidenten persönlich und rechtlich verantwortlich dafür, aufzuklären, was mit unserem Vater Osama Bin Laden geschehen ist."

Den (angeblichen) Leichnam "auf diese unbedachte und für seine Familie und Angehörigen kränkende Weise ins Meer zu werfen, was die religiösen Gefühle Hunderter Millionen Muslime provoziert", sei zudem "menschlich und religiös inakzeptabel". Und weiter:

"Als Söhne Osama Bin Ladens behalten wir uns daher vor, dieses Verbrechen über die amerikanische und internationale Justiz zu verfolgen, um herauszufinden, was wirklich mit unserem verschwundenen Vater geschehen ist."

Starb auch ein Sohn Bin Ladens - und wenn ja, welcher?

Interessanterweise gibt es in Omar Bin Ladens Brief keine Anspielung darauf, dass nach Aussage des Weißen Hauses auch einer seiner Brüder bei dem Zugriff getötet wurde. Ob es sich dabei um Hamza oder Khalid handelt, ist noch ungewiss. Vermutlich war der getötete Bin-Laden-Sohn einer der drei erschossenen Männer, von denen direkt nach der Aktion in Abbottabad Bilder nach draußen geschmuggelt worden waren - demzufolge hätten die Navy Seals insgesamt drei Leichen zurückgelassen.

Das von Osama Bin Laden gegründete und geführte Terrornetzwerk al-Qaida hat derweil bereits am Freitag bestätigt, dass der Saudi-Araber getötet wurde. Ein Nachfolger wurde noch nicht installiert.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 181 Beiträge
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Seite 1
hoppeditz2 10.05.2011
1. Grüne und Linkspartei werden ...
Zitat von sysop"Wir machen Obama rechtlich verantwortlich": Omar Bin Laden, einer der vielen Söhne des Qaida-Chefs, verlangt Aufklärung über das Schicksal seines Vaters. Den Tod Bin Ladens hält er*für unbewiesen - und*die angebliche Seebestattung für eine Beleidigung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,761646,00.html
... ihne sicher nach Kräften beim Vorgehen gegen die bösen Amerikaner unterstützen
Nils Meier, 10.05.2011
2. vertitelt
Zitat von sysop"Wir machen Obama rechtlich verantwortlich": Omar Bin Laden, einer der vielen Söhne des Qaida-Chefs, verlangt Aufklärung über das Schicksal seines Vaters. Den Tod Bin Ladens hält er*für unbewiesen - und*die angebliche Seebestattung für eine Beleidigung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,761646,00.html
Papa is Massenmörder und Sohnemann ist Lebemann (wie bei vielen arabischen und sogar nordkoreanischen Dear-Leader Familien) ... muss an der Frustration an der eigenen Familie liegen, dass Leute wie Osama losziehen, jeden anderen abzuschlachten, tsk, tsk Naja, etwas anderes als eine Moralkeule kann man von Omar da wohl nicht erwarten, gähn
denkpanzer 10.05.2011
3. Omar Bin Laden ...
Zitat von sysop"Wir machen Obama rechtlich verantwortlich": Omar Bin Laden, einer der vielen Söhne des Qaida-Chefs, verlangt Aufklärung über das Schicksal seines Vaters. Den Tod Bin Ladens hält er*für unbewiesen - und*die angebliche Seebestattung für eine Beleidigung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,761646,00.html
Der junge Mann kann einem nur leidtun. Jeder hat das Recht, seinen Vater zu lieben, auch wenn dieser ein Massenmörder ist. Erinnert an den Enkel von Honecker der vor einiger Zeit in der ZEIT interviewt wurde.
hilfloser, 10.05.2011
4. Muß man denn
nun wirklich jede wirre Stimme die sich zu diesem Thema outet als vollwertig, diskussionswürdig und als Titelthema im SPON vermarkten? Bitte liebe Redakteure, sie diskreditieren ihr seriöses Spiegelmagazin (gedruckt) als auch das Onlineforum mit solchem Nonsens.
radiologe 10.05.2011
5. Well than
Ok, so Pappa ist mitverantwortlich fuer den schwersten Terroranschlag in der Geschichte der USA sowie viele andere in anderen Laendern - und er will klagen. Soll er doch in die USA einreisen und hier klagen, mal sehen wie das fuer ihn laufen wird. Frage ist - wieviel wusste er von den Plaenen...?
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