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Offensive gegen Hamas: Israel bombardiert Schmugglertunnel

Die Angriffe Israels auf die islamistische Hamas dauern an: Die Luftwaffe bombardierte in der Nacht zum Mittwoch Regierungsgebäude in Gaza sowie einen Schmugglertunnel an der Grenze zu Ägypten. Den französischen Vorschlag einer 48-stündigen Waffenruhe lehnte Jerusalem vorerst ab.

Jerusalem - Die israelische Luftwaffe hat am Mittwoch den fünften Tag in Folge Ziele im Gazastreifen angegriffen. Wie die israelische Zeitung "Haaretz" unter Berufung auf Armeeangaben berichtete, waren Regierungsgebäude in Gaza am frühen Morgen Ziel der Attacken. Die israelischen Streitkräfte erklärten, es sei auch ein Büro von Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija getroffen worden.

Angriff an der Grenze zu Ägypten: Vom Tunnel steigen Rauchwolken auf
AFP

Angriff an der Grenze zu Ägypten: Vom Tunnel steigen Rauchwolken auf

Außerdem seien Schmugglertunnel an der Grenze zu Ägypten bombardiert worden, über den Treibstoff in den Gazastreifen gebracht wurde. Nach israelischen Angaben wurden durch den Tunnel zwischen dem Gazastreifen und der ägyptischen Sinai-Halbinsel auch Waffen geschmuggelt. Heftige Explosionen am Tunnel ließen die Erde bis zu 20 Kilometer von der Grenze entfernt erzittern.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Mitternacht insgesamt 35 Angriffe geflogen. Damit seien die militärischen Einsätze erheblich reduziert worden, es seien "deutlich weniger" Bomben abgeworfen worden als bisher, sagte ein Sprecher des Militärs.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden bei den Angriffen auch Teile des ägyptischen Grenzzauns zerstört. Rund 500 Palästinenser nutzten das zur Flucht in das Nachbarland. Ein Polizeisprecher sagte am Mittwoch, 125 von ihnen seien bereits festgenommen und zurück in den Gaza-Streifen geschickt worden. Einige Palästinenser wurden nach Angaben von Augenzeugen von ägyptischen Familien vor der Polizei versteckt. Um die Grenze trotz der Zerstörungen geschlossen zu halten, wurden demnach rund 1000 ägyptische Polizisten der zentralen Sicherheitsbehörde dorthin geschickt.

Ägyptens Präsident Husni Mubarak hatte am Dienstag bekräftigt, der Grenzübergang Rafah sei trotz der massiven israelischen Angriffe nur für Hilfsgüter und Verletzte geöffnet. Ein Sprecher des Roten Halbmondes sagte am Mittwochmorgen, seit Beginn der Luftangriffe am vergangenen Samstag seien 56 verletzte Palästinenser nach Ägypten gebracht worden. Mehrere arabische Staaten schickten via Rafah mit Lastwagen Hilfsgüter in den Gaza-Streifen. Libyen und Saudi-Arabien schickten Flugzeuge als "fliegende Ambulanzen".

Seit Beginn der Offensive am Samstag sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza 384 Palästinenser getötet worden, darunter laut Uno-Angaben mindestens 62 Zivilisten. Etwa 800 Menschen wurden verletzt, sie werden in den überfüllten Krankenhäusern nur notdürftig versorgt. Nach palästinensischen Angaben wurde in Dschabalia nördlich von Gaza ein Palästinenser bei einem Luftangriff getötet, zwei weitere seien verletzt worden. Wie die palästinensische Nachrichtenagentur Ramattan berichtete, handelte es sich um Mitarbeiter des Rettungsdienstes. Eine israelische Rakete sei neben ihrem Krankenwagen eingeschlagen, hieß es. In Israel wurden seit Beginn der Kämpfe vier Menschen durch Raketen getötet.

Nahost-Konflikt
Die Gebiete
Im Grunde dreht sich der Konflikt um das Existenzrecht Israels und die Forderung nach einem eigenen Palästinenserstaat . Es gibt inzwischen palästinensische Autonomiegebiete - den Gaza-Streifen und das Westjordanland . Die Grüne Linie trennt die Gebiete von Israel. Um die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gibt es immer wieder Streit.
Die Gegner
Dem Staat Israel stehen einzelne Gruppierungen und Institutionen gegenüber: im Gaza-Streifen und Westjordanland die Palästinensische Autonomiebehörde | Hamas | Kassam-Brigaden | Volkswiderstandskomitee (PRC) | PLO | Fatah | Al-Aksa-Brigaden | Islamischer Dschihad | im Libanon die Hisbollah
Geschichte

Auch die islamistische Hamas feuerte nach Angaben von Nachrichtenagenturen weiterhin Raketen auf Israel ab. Erstmals traf eines der Geschosse die Stadt Beerscheba, wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Die Rakete schlug demnach in einen Kindergarten ein, Menschen hielten sich in dem Gebäude nicht auf. Im Umkreis von 40 Kilometern um den Gaza-Streifen sollten am Mittwoch wegen der ständigen Raketenangriffe militanter Palästinenser die israelischen Schulen und Kindergärten geschlossen bleiben.

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Das israelische Sicherheitskabinett, dem zwölf Minister, der Generalstabschef und mehrere andere Sicherheitsbeauftragte angehören, lehnte am Mittwoch einen französischen Vorschlag zu einer 48-stündigen Waffenruhe vorerst als "unrealistisch" ab. Gleichwohl hieß es aus Regierungskreisen, der Plan sei noch nicht offiziell abgelehnt worden. Frankreich könne noch Ergänzungen zu seiner Idee machen. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hatte die Feuerpause am Dienstag vorgeschlagen, damit Hilfsorganisationen Lebensmittel und Medikamente in den Gazastreifen liefern können. Der amtierende Ministerpräsident Ehud Olmert hatte das abgelehnt.

In der Nacht zu Mittwoch habe es "Beratungen auf höchstem Niveau" gegeben, teilte ein israelischer Regierungssprecher mit. Die Regierung achte die "Stimmen ihrer Freunde" und suche "den Dialog mit ihnen", sagte er mit Blick auf den französischen Vorschlag. Zugleich bestehe aber Einigkeit darüber, dass die Bevölkerung im Süden des Landes nicht dauerhaft unter "der Raketenbedrohung der Hamas" leben könne. "Es ist nicht realistisch zu erwarten, dass Israel einseitig das Feuer einstellt - ohne einen Weg, dass die Hamas das Schießen und den Terror einstellt."

Auch das sogenannte Nahost-Quartett, bestehend aus den Vereinten Nationen, den USA, der EU und Russland, forderte in einer in New York veröffentlichten Erklärung ein Ende der Gewalt. Die EU rief zu einer sofortigen Waffenruhe auf und verlange humanitäre Hilfe für die Region. Ein Regierungssprecher in Jerusalem sagte, das Sicherheitskabinett berate über mehrere internationale Verschläge, die zu einer dauerhaften Waffenruhe im Konflikt mit der Hamas führen sollten.

kaz/dpa/Reuters/AP/AFP

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