Offensive in Waziristan: Sturm auf die Hochburgen der Taliban

Von , Islamabad

Täglich verkündet Pakistan neue Erfolge in Waziristan. Bis zum Wochenende sollen alle Zentren der Taliban eingenommen, die erste Phase des Krieges beendet sein. Doch die Militanten sind nach eigenen Angaben nur ausgewichen - und drohen mit einer lange andauernden Schlacht.

Offensive in Waziristan: Jagd auf die Taliban Fotos
AFP/ ISPR

Auf den ersten Blick scheint der Plan des Militärs aufgegangen zu sein: den Süden der Region Waziristan zu blockieren und von Norden und Osten aus mit Artillerie anzugreifen. Nach übereinstimmenden Berichten von Journalisten, die in Waziristan leben, ergibt sich ein überraschendes Bild: Pakistanische Soldaten haben seit Beginn der Bodenoffensive in der Nacht zum 17. Oktober nahezu alle Städte und Dörfer in Südwaziristan erobert. Analysten hatten mit einem viel längeren Krieg gerechnet. Bis zum Wochenende soll nun die erste Phase der Operation "Rah-e-Nijat", auf Deutsch "Weg zur Erlösung", abgeschlossen sein.

Doch Vorsicht bei der Einschätzung der Erfolge ist geboten. Eine unabhängige Berichterstattung aus Waziristan ist nicht möglich. Das pakistanische Innenministerium und die Armee warnen ausländische Journalisten davor, die Region im Nordwesten Pakistans auf eigene Faust zu besuchen, Recherchen vor Ort sind nur mit amtlicher Genehmigung erlaubt. Aber auch ohne diese Vorgaben traut sich kaum ein fremder Reporter alleine in die bis vor kurzem von Taliban beherrschte Gegend. Die Militanten haben sie vermint, noch immer halten sich hier Kämpfer auf, die Armee rückt mit schwerem Geschütz vor, und die Luftwaffe fliegt Angriffe mit Kampfhubschraubern. Armeeangaben und Mitteilungen von Taliban-Sprechern lassen sich daher kaum überprüfen.

Die Region ist die Heimat des paschtunischen Stammes der Mehsuds, zu dem der im August bei einem US-Drohnenangriff getötete pakistanische Taliban-Anführer Baitullah Mehsud sowie sein Nachfolger Hakimullah Mehsud gehören. Unklar ist, was die Regierung den anderen paschtunischen Stämmen wie den Wazirs geboten hat, damit sie sich aus den Kämpfen heraushalten. Damit ermöglichten sie der Armee, von Nordwaziristan aus vorzurücken, ohne dass ihr jemand in den Rücken fällt. Ein Armeeoffizier sagte der Tageszeitung "Dawn", es habe vier Monate gedauert, diese Voraussetzungen für den Einmarsch zu schaffen.

Massenflucht der Einheimischen

Auch die Massenflucht der Einheimischen vor Beginn der Offensive hat den Einmarsch in Südwaziristan vereinfacht. Nach Angaben von Journalisten aus dem Ort Wana haben "so gut wie alle" Einwohner die Gegend verlassen und seien bei Verwandten und Bekannten außerhalb Waziristans, in Flüchtlingscamps oder bei Gastfamilien untergekommen. Die meisten seien in die Städte Tank und Dera Ismail Khan geflüchtet. Südwaziristan hat Schätzungen zufolge eine halbe Million Einwohner.

Nach Angaben des Militärs ließ der anfangs starke Widerstand der Taliban bald nach. Den Bodensoldaten gelang mit Deckung aus der Luft ein zügiger Vormarsch - auch weil die Soldaten nicht auf den Hauptstraßen vorrückten, sondern sich durch unwegsames Gelände schlugen. Damit kopierten sie die Vorgehensweise der Militanten. Zwar habe es am Mittwoch im Ort Ladha einen zähen Häuserkampf gegeben - am Donnerstagmorgen sei der Ort aber eingenommen worden. Mehr als 30 Radikale seien getötet worden.

Bisher sind nach Militärangaben 45 Soldaten gefallen und 71 verwundet worden - bei insgesamt 30.000 am Einsatz beteiligten Soldaten. Dagegen seien 422 Taliban getötet worden, 786 seien verletzt.

Auf den zweiten Blick ist es jedoch nur ein halber Erfolg: In Südwaziristan waren rund 10.000 Militante vermutet worden, darunter etwa 1500 Kämpfer aus Usbekistan, die als besonders brutal und furchtlos gelten, und weitere von Osama Bin Ladens Terrornetzwerk al-Qaida. Bald soll ganz Südwaziristan in der Hand des Militärs sein - aber es wurden nicht einmal 500 Taliban getötet. Wohin sind Tausende von Kämpfern verschwunden? Tauchen sie womöglich andernorts wieder auf?

Taliban bringen sich rechtzeitig in Sicherheit

Ein Sprecher der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) erklärte Anfang der Woche, man habe die Taktik geändert. "Dass wir uns aus den Gebieten zurückziehen, in denen kurze Zeit später die Armee einmarschiert, zählt dazu", zitieren ihn mehrere pakistanische Zeitungen. Dass das Militär für sich beanspruche, die Orte erobert zu haben, sei falsch. "Unser Plan ist es, die Armee in eine Falle zu locken und dann einen langen Krieg zu kämpfen." Zudem widersprach er Armeeangaben über die Zahl der getöteten Taliban - bislang seien "nur elf ums Leben gekommen".

Doch die Angaben der TTP scheinen nur wenig glaubhaft, zumal die Armee Fernsehjournalisten eine Reihe von Waffen zeigte, die die Taliban in den Orten zurückgelassen hätten. Es muss sich, sollen die Bilder suggerieren, um eine Flucht gehandelt haben, nicht um einen geplanten Rückzug als taktische Maßnahme. Diese Vermutung legt auch die Tatsache nahe, dass Hakimullah Mehsud seine Anhänger per Radio aufforderte, nicht zu fliehen, sondern zu kämpfen: "Erinnert euch daran, dies ist ein Gebot Gottes: Sobald der Kampf gegen den Feind begonnen hat, dürft ihr das Schlachtfeld nicht ohne Erlaubnis eures Feldherrn verlassen." Wer dies doch tue, werde "in der Hölle landen".

Hochrangige Militärs räumen ein, dass die meisten Terroristen sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht haben. Bislang wurde noch kein einziger Top-TTP-Anführer erwischt, die pakistanische Regierung hat ein hohes Kopfgeld auf sie ausgesetzt. "Die Grenze zu Afghanistan ist ein offenes Tor", sagte ein Offizier SPIEGEL ONLINE, es sei aber auch möglich, dass viele Taliban sich in andere Regionen Pakistans zurückgezogen hätten. Die Armee habe bei früheren Offensiven in Waziristan nicht die nötige Härte gezeigt, diesmal wüssten die Militanten, dass man "bis zum bitteren Ende" gegen sie vorgehen wollte. Deshalb seien sie geflohen. "Jetzt müssen wir damit rechnen, dass sie in Zukunft wieder auftauchen und ihr gottloses Treiben fortsetzen."

Eine knappe Mehrheit der Bevölkerung steht hinter der Regierung

Sehr bald will die Regierung daher zur zweiten Phase des Kampfes übergehen: Die Region soll gründlich durchkämmt werden, bevor man mit dem Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur anfange und die Menschen in ihre Heimat zurückkehren könnten. Angehörige des Mehsud-Stammes, die nicht auf Seiten der Taliban kämpfen, sollen überzeugt werden, den Staat im Kampf gegen die Extremisten zu unterstützen.

In einer dritten Phase soll Südwaziristan dann, nach Jahren der Taliban-Herrschaft, wieder eine durchsetzungsfähige staatliche Verwaltung bekommen. Dann sollen wieder das Recht und die Gesetze Pakistans gelten, die die Taliban mit ihrem Einfall in die Region nach dem Einmarsch der USA in Afghanistan für ungültig erklärt hatten.

Wie lange all das dauern soll, darüber macht die Regierung keine Angaben. "Erst einmal müssen wir in den kommenden Tagen die erste Phase abschließen", sagt der Armeeoffizier.

Eine knappe Mehrheit der pakistanischen Bevölkerung steht, was Waziristan angeht, hinter ihrer Regierung. Einer Umfrage von Gallup Pakistan zufolge unterstützen 51 Prozent der Befragten die militärische Lösung des Taliban-Problems.

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Forum - Taliban in Pakistan - was ist die richtige Strategie?
insgesamt 869 Beiträge
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1.
eigentlicher_Schwan 04.05.2009
Zitat von sysopImmer rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Wenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
2.
mauskeu 04.05.2009
Zitat von sysopImmer rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Ich könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
3.
Justus F. 04.05.2009
Zitat von eigentlicher_SchwanVielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
Genau, nach Berlin. Dann ist unser Kampf sogar gerechtfertigt!
4.
X-Man 04.05.2009
Zitat von mauskeuIch könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Nettes Gedankenspiel, aber leider Unsinn. Seit dem Rückzug der afghanischen Taliban über die Grenze stand fest dass die FATA die neue Basis der Gotteskrieger sind. Von 2002-2005 entstanden weit über 190 Ausbildungslager in den Stammesgebieten, lokale Milizen verschmolzen durch Allianzen mit Taliban-Elementen, ausländische Gruppen allen voran Al Qaida nisteten sich ein, es entstand eine nicht homogene aber ideologisch eng verstrickte Bewegung deren mächtigster Flügel heute die Tehrik e-Taliban ist. Für die pakistanische Führung war also längst klar welche Gebiete die neue Heimat der Taliban sind, man musste ihnen keinen Spielplatz zur Verfügung stellen. Der Einzug in Swat hat vielmehr damit zutun dass es Kreise des ISI und des Militärs gibt die sich nicht von amerikanischer Seite in die Terror-Bekämpfung hineinquatschen lassen wollen. Sie hegen zum Teil große Sympathie für die Taliban, bieten ihnen mit dem Swat ein Gebiet was sich weit weg von den üblichen Terrornestern Waziristans befindet und somit den Radius der Drohnenangriffe erweitert. Zudem erhofft man sich natürlich dort eine kashmir-nahe islamistische Bastion gegen den allgegenwärtigen Erzfeind Indien.
5.
lupenrein 04.05.2009
Man darf sich über die Ziele der Taliban in Pakistan (und im Dominoeffekt anschliessend Afghanistan) keine Illusionen machen. Die Regierung Pakistans - und indirekt auch Afghanistans - ist in ernster Gefahr. Und auch über einen 'Sieg' über die Taliban , dies besonders als Ausländer (USA usw) darf man sich keine Illusionen machen. Der asymmetrische Kriegsführung der Taliban ist mit normalen militärischen Mitteln (Terrorismus) nur sehr schwer wirksam zu begegnen. Am Beispiel der somalischen Piraten sieht man , wie schwierig es ist, mit militärischen Mitteln in diesem Versteckspiel mitzuhalten. Auch die Taliban führen einen (allerdings ideologischen) 'Versteck-spiel-Krieg' a la David gegen Goliath. Und noch eine Übereinstimmung: beide lassen mit sich nicht über eine Einstellung ihrer terroristischen Kampf nicht verhandeln. Alles in allem eine fatale Situation.
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Pakistan: Atommacht und Hochburg der Islamisten

Fakten über Pakistan
Staatsgründung
REUTERS
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
REUTERS
Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
AP
Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
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In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
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1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.