Kauf über Steueroasen: Wie Mega-Reiche mit alten Meistern handeln

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Carmen Thyssen-Bornemisza: Kunst, Konten und Cash Fotos
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Um wertvolle Gemälde zu kaufen, nutzen reiche Kunstsammler wie Carmen Thyssen-Bornemisza Steueroasen. Mit Hilfe von Offshore-Firmen hat die schillernde Spanierin ihre illustre Sammlung alter Meister erweitert - und womöglich ihr Vermögen verschleiert, um gierige Erben abzuwimmeln.

Hamburg/Madrid - "Er ist mein Märchenprinz", schwärmte Carmen Thyssen-Bornemisza gern von ihrem Gatten Hans Heinrich. Ein sehr reicher Märchenprinz - mit einer Leidenschaft für Kunst, die sich auf seine Frau übertrug. Nach seinem Tod 2002 erweiterte sie seine legendäre Kunstsammlung, kaufte und verkaufte alte Meister.

Dabei nutzte die heute 69 Jahre alte "Tita" mehrere Offshore-Firmen. Dies enthüllt jetzt ein Datensatz, der dem Internationalen Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) in Washington anonym zugespielt wurde. Darin werden 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern aufgelistet.

Zu ihnen gehört Thyssen-Bornemisza, die meist in Spanien lebt, aber Geschäfte unter anderem über die mehr als 17.000 Kilometer entfernten Cook-Inseln im Südpazifik abwickelte. Über ein Firmenkonstrukt, das mithilfe von Portcullis TrustNet aufgebaut wurde, erwarb sie demnach teure Gemälde bei Auktionshäusern wie Sotheby's und Christie's.

Zu "Titas" illustrer Sammlung gehören Gemälde von Matisse, Monet, Goya und Picasso - viele davon ausgestellt im Madrider Museum Thyssen-Bornemisza. Laut ICIJ sind viele dieser Werke über Offshore-Firmen in Liechtenstein, den Cayman-Inseln und den Cook-Inseln erworben worden. Ein konkretes Beispiel: die "Wassermühle in Gennep", die Vincent Van Gogh malte. 1996 wurde der Kauf indirekt über die Firma Portcullis abgewickelt. Der Preis betrug damals 760.000 Dollar.

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Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza begeisterte seine Frau zu Lebzeiten wohl nicht nur für Kunst, sondern auch für Offshore-Firmen. Der "famose Kunstkenner und gerissene Geschäftsmann. Schwäche: Frauen" (so der SPIEGEL im Jahr 2001) baute über Jahre ein komplexes Geflecht von Trusts und Offshore-Firmen auf, über die er sein Milliardenvermögen und seine Kunstsammlung managte. Seit 1983 hatte der Familien-Trust seinen Sitz auf den Bermudas.

Aus E-Mails geht laut ICIJ hervor, dass Carmen Thyssen-Bornemisza selbst Eigentümerin von zwei Offshore-Firmen war. Ihr Anwalt Jaime Rotondo bestätigte den Journalisten zwar, dass sie eine Verbindung zu den Unternehmen hatte, wollte aber nicht erläutern, wie weit diese ging.

Allerdings stellte er klar: Der Kunstkauf über Offshore-Firmen gebe seiner Mandantin beim globalen Kunsttransport "maximale Flexibilität". So könnten Werke einfach von einem Land zum anderen transportiert werden, ohne von lästigen Gesetzen in einzelnen Staaten behindert zu werden.

Tatsächlich nutzen offenbar viele Mega-Reiche solche Methoden. Neben Yachten, Schmuck und Immobilien werden laut ICIJ auch Gemälde über Offshore-Firmen gehandelt. Der Kunstmarkt ist längst zum Spielfeld für saudische Ölscheichs, russische Oligarchen und Hedgefonds-Manager geworden, die schon mal 106 Millionen Dollar für einen Picasso berappen können. Kunst ist eine begehrte Form der Anlage - und Diskretion ist erwünscht.

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Das Ehepaar Thyssen-Bornemisza könnte mit seinem kreativen Firmengeflecht möglicherweise noch etwas anderes bezweckt haben. Carmen, die frühere Schönheitskönigin und Witwe von Lex Barker (in Deutschland besser bekannt als "Old Shatterhand"), heiratete ihren Milliardär "Heini" 1985.

Da war er schon viermal verheiratet gewesen und hatte vier Kinder, sie selbst brachte einen Sohn mit in die Ehe. Doch das Verhältnis zu den Erben gilt als schwierig - vornehm ausgedrückt.

Seit 1995 hielt ein juristischer Krieg von Hans Heinrich mit seinem Sohn Georg aus erster Ehe die Familie in Atem, sie einigten sich erst kurz vor dem Tod des Vaters über die Verwaltung des milliardenschweren Besitzes. Tochter Francesca von Habsburg, selbst Kunstmäzenin, und Carmen beschimpften sich gegenseitig als "Gefahr für das Museum Thyssen" oder als "Idiotin, die nur Aufmerksamkeit sucht". Selbst mit ihrem eigenen Sohn lieferte sich Carmen Thyssen-Bornemisza einen Rechtsstreit über die Herausgabe seines Erbes.

Das Ziel der Offshore-Geschäfte könnte also laut der spanischen Zeitung "El Confidencial" auch gewesen sein, das "Vermögen mit Hilfe der Steueroasen zu verschleiern". Anwalt Rotonda erklärte dazu unumwunden mit Blick auf die Kinder des Barons: Die Strukturen seien entstanden, um die Kunstwerke "zu schützen" - und zwar in einer Zeit, als unklar gewesen sei, wie das Vermögen nach seinem Tod aufgeteilt werden sollte.

Einen Großteil seiner Sammlung verkaufte Hans Heinrich schon 1993 an den spanischen Staat, noch immer aber sind laut ICIJ in "Titas" Besitz wohl mehrere hundert Gemälde im Wert von 500 Millionen Dollar. Sie selbst hat sich 2011 ein Denkmal in Málaga gesetzt: mit dem "Museum Carmen Thyssen".

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insgesamt 44 Beiträge
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1. Das ist eine Adelsfamilie -
diskantus 05.04.2013
und nicht nur Sra. Carmen beschäftigt sich mit Kunst - auch Francesca Habsburg, geb. TB. http://www.tba21.org So etwas kann man schön verbrämen mit einem auf den ersten Blick doch sehr begrüßenswerten Ziel: "sieht sich in erster Linie der Unterstützung zeitgenössischer Kunstproduktion verpflichtet". Schön! aber eine "Privatstiftung" in diesem Ausmaß hat eben auch ganz andere Ziele. Vor allem.
2.
wandfarbe 05.04.2013
Mich würde ja interessieren, wie die Vorgänge konkret abgelaufen sind, also wer was an wen veräußert hat etc. Leider gibt der Artikel hier nur sehr allgemeine Informationen.
3. Genau! Ein eigenes Museum
zeitmax 05.04.2013
...braucht der Mensch! Erst dann hat er es geschafft! Diese schnöden Stiftungen hat ja fast schon jedermann heutzutage.
4. Schinkenhandel
pro-fessor 05.04.2013
Wenn ich die Wahl habe mit Steuern zu einem funktionierenden Staat beizutragen oder ein paar alte Schinken zu kaufen, fiele mir die Wahl nicht schwer. Vielleicht liegt es daran, dass ich Menschen wegen ihres "Seins" schätze und nicht wegen ihres habens. Ob die Habensburger das verstehen?
5.
d.s.1999 05.04.2013
Zitat von sysopREUTERSUm wertvolle Gemälde zu kaufen, nutzen reiche Kunstsammler wie Carmen Thyssen-Bornemisza Steueroasen. Mit Hilfe von Offshore-Firmen hat die schillernde Spanierin ihre illustre Sammlung alter Meister erweitert - und womöglich ihr Vermögen verschleiert, um gierige Erben abzuwimmeln. http://www.spiegel.de/politik/ausland/offshore-leaks-und-carmen-thyssen-bornemisza-a-892534.html
Unter 9 Prominenten ein paar Sternchen, dann zwei – zwei von neun – die mit Hollande verbandelt werden, und einer, der als Sohn einen Schatten auf den DDR-Spionagechef Markus Wolf und Die Linke werfen soll. Kein Foto von einem aktiven deutschen prominenten Banker oder Unternehmensberater oder Industriekonzern o.ä. Das ist perfekte Ablenkung.
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