Nachwahl in Ohio Hauchdünner Vorsprung für Trump-Kandidat

Wichtiger Stimmungstest vor den US-Kongresswahlen: Bei der Nachwahl in einer republikanischen Hochburg in Ohio liegt der von Präsident Trump unterstützte Kandidat zwar vorn - aber äußerst knapp.

Troy Balderson, Donald Trump
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Troy Balderson, Donald Trump


Der von Donald Trump unterstützte Republikaner Troy Balderson hat bei einer Abstimmung im US-Bundesstaat Ohio vorläufigen Ergebnissen zufolge einen Sieg errungen. Bei einer außerordentlichen Wahl zum Repräsentantenhaus setzte der 50-Jährige sich aber nur mit hauchdünner Mehrheit gegen den 30-jährigen Demokraten Danny O'Connor durch.

Balderson lag in der Stimmauszählung bei 50,2 Prozent, sein demokratischer Rivale bei 49,3 Prozent. Nur rund 1700 Stimmen trennten die beiden. Wahlentscheidend könnten die mehreren Tausend Briefwahlstimmen sein, die noch ausgezählt wurden.

Die letzte Abstimmung vor den Zwischenwahlen am 6. November - bei denen die oppositionellen Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobern wollen - galt als Stimmungstest. Eigentlich hätte Balderson mühelos gewinnen müssen: Der Wahlkreis im Umland der Großstadt Columbus ist seit 30 Jahren in der Hand der Republikaner, Trump setzte sich bei der Wahl 2016 mit elf Prozentpunkten Vorsprung gegen die Demokratin Hillary Clinton durch. Das Wahlvolk hier ist typische Trump-Klientel - wohlhabende Vorort- und Kleinstadtbewohner, zu 88 Prozent weiß.

US-Demokrat Danny O'Connor
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US-Demokrat Danny O'Connor

Bei der Präsidentenwahl 2016 hatte Trump in dem Wahlkreis mehr als 60 Prozent der Stimmen gewonnen. Trump gratulierte Balderson am Dienstagabend und reklamierte dessen Erfolg für sich. Der US-Präsident teilte auf Twitter mit, sein Auftritt in Ohio am vergangenen Samstag habe eine Trendwende für Balderson herbeigeführt. "Glückwunsch an Troy Balderson für einen großen Sieg in Ohio. Ein sehr besonderes und wichtiges Rennen!"

Politikprofessor David Cohen von der University of Akron in Ohio analysierte: "Dass die Demokraten in diesem Wahlbezirk überhaupt mithalten konnten, ist ein Anzeichen dafür, dass tatsächlich eine blaue Welle im Anrollen ist."

Blau ist die Parteifarbe der Demokraten. Sie hoffen, dass die Unzufriedenheit mit der turbulenten Präsidentschaft Trumps tatsächlich eine "blaue Welle" auslöst, die sie zur Eroberung der Mehrheit im Repräsentantenhaus und womöglich auch im Senat tragen könnte.

Die Wahl in Ohio war notwendig geworden, nachdem der republikanische Abgeordnete Pat Tiberi seinen Rückzug erklärt hatte. Bereits bei den Zwischenwahlen im November steht der Sitz erneut zur Wahl. Dann werden alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses und 35 der 100 Sitze des Senats neu vergeben. Das Repräsentantenhaus und der Senat stellen die beiden Kammern des Kongresses, also des US-Parlaments.

als/dpa



insgesamt 112 Beiträge
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darthmax 08.08.2018
1. Wahlbeteiligung
leider steht da nichts, im Vergleich zur letzten auch nicht. Ich kann mir vorstellen, dass viele gar nicht für eine Wahlperiode von 3 Monaten zur Wahl gegangen sind.
Stefan_C 08.08.2018
2. Es wird ein Wahl-Massaker werden.
Die GoP wird in den Mid terms die krachenste Niederlage erleben, die es jemals bei den mid-terms gegeben hat. Kann sein, dass sie dann Trump fallen lässt, wie eine heisse Kartoffel - per impeachment.
bga 08.08.2018
3. Nichts Neues
Amerika ist von Sinnen. Die Gesellschaft ist tief gespalten. Furchtbar. Einer ist des anderen Feind. Wenn wir einknicken, sind wir verloren. Los von den USA - die einzige Richtung.
raoul2 08.08.2018
4. So oder so -
das Ergebnis sagt nicht wirklich etwas aus. Auch wenn alle Beteiligten das jeweils in ihrem Sinne für sich reklamieren wollen.
der-junge-scharwenka 08.08.2018
5. Knapp...
Knapp oder nicht, ist völlig egal: Vorn ist vorn. Nun ist speziell Ohio traditionell republikanisch, aber das heißt nicht viel. Ohio dürfte schlicht im Trend liegen. Wenn das, was er bislang angerichtet hat, den Leuten drüben nicht für eine Abwendung reicht, dann sollten uns frühzeitig darauf einstellen, dass dieses Land seinem Präsidenten bei den Wahlen 2020 eine zweite Chance geben wird. Die zurückliegenden zwei Jahre müssten Europa, seinen Politikern und seiner Bevölkerung Warnung genug sein - und zugleich ein nachhaltiger Anreiz, es vielleicht doch noch einmal mit einer engeren Zusammenarbeit untereinander zu versuchen. Einer solchen Bedrohung von außen kann man eigentlich nur gemeinsam entgegentreten. Es gibt keinen dringenderen Grund für Europa, sich ernsthaft zusammenzuschließen, als Donald Trump. Man würde sich wünschen, dass dieser Kontinent endlich aufwacht und seine Stärke erkennt...
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