Olympia-Segelrevier in Rio Es stinkt zum Himmel in Guanabara Bay

Segler sind entsetzt: Das Revier für die olympischen Sommerspiele 2016 in Rios Guanabara Bay gleicht einer Kloake - voller Müll, Fäkalien und Tierkadavern. Der Bürgermeister bedauert: Die Bucht sei bis zu den Wettbewerben nicht sauber zu bekommen.

AP

Rio de Janeiro - Die Fußball-WM hat noch nicht mal begonnen, da wird die Vorfreude auf das nächste sportliche Großereignis in Brasilien bereits getrübt. Rio de Janeiro, Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2016, wird die Zusage nicht halten können, die stark verschmutzte Guanabara-Bucht zu reinigen. Das teilte Rios Bürgermeister Eduardo Paes mit.

In der 380 Quadratkilometer großen Bucht liegt das olympische Segelrevier. Die Behebung von enormen Umweltschäden, verursacht unter anderem durch jahrzehntelange Einleitung ungeklärter Abwässer, war eigentlich ein zentrales Versprechen bei der Vergabe der Spiele.

Olympia-Segler, die in den vergangenen Monaten Rio besuchten, beschrieben die Bucht jedoch als "Abwasserkanal", noch immer gingen fast 70 Prozent der Abwässer ungeklärt in bestimmte Bereiche der Bucht. Die Segler berichteten von schwimmenden Sofas, Tierkadavern - darunter angeblich auch ein totes Pferd - und haufenweise Plastiktüten, denen sie mit ihren Booten ausweichen mussten.

"Ich würde niemals in diesem Wasser schwimmen"

"Ich segle seit 20 Jahren überall auf der Welt, aber dies ist der am stärksten verschmutzte Ort, den ich je gesehen habe", sagte Allan Norregaard, Bronze-Medaillengewinner aus Dänemark bei den Olympischen Spielen 2012 in London. "Ich würde niemals in diesem Wasser schwimmen. Das ist definitiv nicht gesund."

"Es tut mir leid, dass wir die Spiele nicht nutzen, um die Bucht komplett sauber zu bekommen", sagte Paes bei seinem ersten öffentlichen Eingeständnis, das Problem nicht in den Griff bekommen zu können. Bereits im Mai hatte die Umweltministerin des Bundesstaates Rio in einem Brief an Sportminister Aldo Rebelo eingeräumt, dass die Verschmutzung der Bucht um 50 reduziert werden könne - nicht wie ursprünglich versprochen um 80 Prozent.

Dennoch, so Bürgermeister Paes, sei er nicht besorgt um die Gesundheit der Athleten. Die Segelwettbewerbe würden zudem in einem Teil der Bucht stattfinden, der weniger stark verschmutzt sei. Allerdings machen es Strömungen und Gezeiten schwer, den genauen Weg von Treibgut und Abfällen vorauszusagen. Die Olympia-Rennen sollen vor dem Strand von Flamengo ausgetragen werden - einem Bereich, in dem Schilder vor dem Schwimmen im Meer warnen.

Sollten Sportler trotzdem krank werden, liege das "selbstverständlich in unserer Verantwortung", sagte Paes. Der Segel-Weltverband erwägt, die Wasserqualität zu testen, um die Athleten zu schützen.

Vor wenigen Wochen äußerte das Internationale Olympische Komitee (IOC) große Sorgen in Bezug auf die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro. Bei den Vorbereitungen gibt es laut dem geschäftsführenden Direktor des IOC, Gilbert Felli, eine Verzögerung von bis zu zwei Jahren. Felli war im April als Krisenmanager nach Rio entsandt worden. Laut der brasilianischen Zeitung "O Estado de São Paulo" schätzt das IOC, dass zwei Jahre vor Beginn der Sommerspiele nur zehn Prozent der Bauprojekte fertiggestellt worden sind.

wit/AP



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insgesamt 83 Beiträge
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Augustusrex 08.06.2014
1. Ho,ho,ho...
Sollten Sportler trotzdem krank werden, liege das "selbstverständlich in unserer Verantwortung", sagte Paes. Ganz große Klasse. Wie würde diese Verantwortung denn aussehen? Eine lauwarme Entschuldigung vielleicht? IOC, FIFA und örtliche Politiker in einen Sack und dann mit dem Knüppel draufhauen. Ich bin sicher, man trifft immer den Richtigen.
nemensis_01 08.06.2014
2. Wie geil ist das denn?
Beim zentralen Versprechen für die Vergabe bedauert man jetzt, man kann es nicht halten? Also das ist genau nach meinem Gusto. Dem IOC und anderen Verbänden irgendeinen Dreck oder Lüge auftischen und so die Veranstaltung schnappen und den Leuten dann den Spiegel hinhalten. Das hat doch mal was. Vielleicht war das ja Absicht und die Segler sollen vor den Augen der Welt mal mit ein paar Kadavern um die Wette segeln, um die Absurdität der Veranstaltung zu demonstrieren. Dann wird Bach sagen müssen; Ich erkläre die Drecksspiele für eröffnet oder so...
gorkamorka 08.06.2014
3.
Auch ich war dort schon segeln (49er FX Regatta). Die Verschmutzung ist tatsächlich schlimmer als wir angenommen hatten. Massenweise Plastiktüten, einer Holztür, Baumstämme, Umzugskartons, Schuhen und einer tote Kuh mussten wir ausweichen. Nach dem Ausziehen des Neoprenanzugs hatte ich überall rote Punkte am Körper, die nach ein paar Stunden zum Glück wieder verschwunden waren. Die Abwässer aus den umliegenden Slums werden ungefiltert da rein geleitet, die Konzentration an Fäkalbakterien ist sehr hoch. Ich werde dort nicht nochmal eine Regatta segeln, soviel ist sicher.
mhpr262 08.06.2014
4. Das kommt davon ...
.... wenn die Spiele nicht an diejenigen vergeben werden, die sie am besten ausrichten können, sondern an diejenigen, bei denen es politisch gerade opportun ist. Oder die die höchsten Schmiergelder and as IOC zahlen. Inzwischen hat man den Eindruck, der Haufen ist durch und durch korrupt.
Persipanstollen 08.06.2014
5. Klo de Janeiro
Nicht bis 2016 sauber ? Wohl alles mal wieder nur eine Frage des Geldes. Und Hr Paes ? Wieviel soll die Reinigung der Bucht bis 2016 nun kosten ? Oder wollen Sie vielleicht nur Ihre Protestler zum Mülleinsammeln und Kläranlagenbau aufmarschieren lassen. Eine Reinigung der Bucht bis 2016 ist möglich und nur eine Frage des Willens.
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