Winterspiele in Südkorea Viel Show, wenig Hoffnung

Es soll ein Zeichen der Annäherung sein: Nordkoreanische Sportler reisen zu den Olympischen Winterspielen im Süden. Das gefällt dort nicht jedem.

Suhwa Lee

Aus Seoul berichtet


Tausende Menschen sind gekommen. Mit ihren südkoreanischen Fahnen ziehen sie von Seouls Hauptbahnhof zum Blauen Haus, dem Sitz des Präsidenten. Es sind noch wenige Tage bis zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang im Osten des Landes. Ein Fest soll es werden für Südkorea. Die Menschen in der Hauptstadt skandieren: "Wir haben genug!"

An einem Laster hängt ein Bild von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Die Augen sind zerstochen, aus seiner Nase läuft Blut. Im Vorbeigehen spuckt ein Demonstrant auf das Konterfei. Ein Redner auf der Bühne sagt, Kim gehöre erschossen. Applaus aus dem Publikum.

Zu der Demonstration in Seoul haben die Nationalisten um Ex-Präsidentin Park Geun Hye aufgerufen. Die "Patriotische Partei" ist vergangenes Jahr gegründet worden, sie hat nur 2500 Mitglieder - sicher kein Spiegelbild der Gesellschaft. Doch ihr Protest zeigt, wie politisch die Olympischen Spiele durch die Teilnahme Nordkoreas geworden sind - und wie sie den Süden spalten.

Protest gegen Kim
Suhwa Lee

Protest gegen Kim

Ein paar Meter weiter steht ein junger Mann, der alles anders sieht als die Demonstranten. Er stellt sich als Troy vor, 24 Jahre alt - und er entschuldigt sich für den Protest der anderen. Die Älteren hätten immer noch nicht verstanden, dass sich die beiden Nachbarstaaten nicht mehr im Krieg miteinander befänden, sagt er. Bei den Spielen gehe es um den sportlichen Wettkampf, um ein faires Miteinander. Der Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden werde dort doch gar nicht verhandelt.

"Teilnahme zu hastig entschieden"

Doch so einfach ist das wohl nicht. Tatsächlich bestimmt Nordkoreas überraschende Teilnahme an den Spielen die Politik. Während Ex-Präsidentin Park noch einen konfrontativen Kurs gegenüber dem Kim-Regime verfolgte, ist ihr Nachfolger Moon Jae In von Anfang an um Entspannung mit dem Norden bemüht. Seine Gesten wurden aber viele Monate von Kim ignoriert. Die Olympia-Zusage verbuchte die südkoreanische Regierung deshalb als Erfolg. Allerdings: Viele Südkoreaner sind gar nicht glücklich mit der Einigung, Moons Umfragewerte sanken deutlich.

Auch in den südkoreanischen Medien wird das Thema kontrovers diskutiert. Die Tageszeitung "Kyunghyang Shinmun" etwa kritisierte, die Teilnahme Nordkoreas an den Spielen sei zu hastig entschieden worden. Die Regierung habe nicht genug Verständnis für die Anliegen der südkoreanischen Spieler aufgebracht. Die Entscheidung, etwa mit einem gemeinsamen Damen-Eishockeyteam anzutreten, hatte bei einigen Sportlerinnen im Süden für Empörung gesorgt. In den "Kookmin News" hieß es dagegen, bei den Olympischen Spielen gebe es die Möglichkeit, der ganzen Welt zu zeigen, dass sich eine Tragödie wie der Koreakrieg nicht wiederholen werde.

IOC-Präsident Thomas Bach mit Delegationen aus Nord- und Südkorea
AFP

IOC-Präsident Thomas Bach mit Delegationen aus Nord- und Südkorea

Tatsächlich sah es im Vorfeld der Spiele so aus, als könnte sich die Lage entspannen. Die USA willigten ein, gemeinsame Militärmanöver mit Seoul zunächst ruhen zu lassen. Der Norden zeigte sich zwar unbeeindruckt von den diplomatischen Zugeständnissen. Einen Tag vor der Eröffnung der Spiele will Machthaber Kim eine große Militärparade abhalten, um das 70-jährige Bestehen seiner Streitkräfte zu feiern. Dafür gibt es Hinweise, dass Pjöngjang die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Süden wieder stärken will.

Mehr als die diplomatischen Auseinandersetzungen ärgern die Südkoreaner aber die Details der Olympiateilnahme des Nordens. Sie fühlen sich in ihrem Nationalstolz verletzt, schließlich werden die Spiele mehrere Milliarden Dollar kosten und sollten Südkorea die Möglichkeit geben, sich weltweit zu präsentieren. Nun aber stehen Kims Sportler und Tänzer im Fokus der Aufmerksamkeit.

Noch dazu werden die Nordkoreaner wie Staatsgäste empfangen, auch wenn Kim weiter Seouls Verbündetem, den USA, droht und sich über südkoreanische Medienberichte mokiert.

"Repräsentanten ihres Regimes"

Warum wird der politische Konflikt überhaupt an die Sportler weitergegeben? "Die nordkoreanischen Sportler werden als Repräsentanten des Regimes wahrgenommen", sagt Bernhard Seliger von der Hanns-Seidel-Stiftung in Seoul. Es befremde die Südkoreaner, wenn die Nordkoreaner im Fernsehen Propagandaphrasen verbreiteten, etwa, dass ihr größter Wunsch ein Bild mit Machthaber Kim sei. "Der Norden spielt seine Karten gut aus", sagt Seliger. Die Fronten scheinen sich damit noch zu verhärten.

Dem könnten die gemeinsamen Teams vorbeugen, hofft Kwon Eun Kyoung von der internationalen Vereinigung gegen Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea (ICNK). Es sei von beiden Seiten eine politische Entscheidung, etwa die Frauen-Eishockeymannschaft mit Spielerinnen beider Länder zu besetzen. Gleichzeitig sei allen Beteiligten klar, dass die Olympiateilnahme Nordkoreas weder einen anhaltenden Frieden, weitreichende Gespräche noch eine atomare Abrüstung des Nordens bedeuteten.

Wenn aber das Ziel eine Wiedervereinigung beider Länder ist, sagt Kwon weiter, seien die Spiele zumindest ein guter Test dafür, wie sich die unterschiedlichen Auffassungen aus dem Süden und dem Norden verbinden ließen. "In diesem Sinne begrüße ich die Teilnahme Nordkoreas."

Korea-Experte Seliger ist da skeptischer. "Während Olympia kommen vielleicht noch Gespräche zustande. Ob die danach aber weitergehen, ist fraglich."

Mitarbeit: Suhwa Lee

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rieberger 05.02.2018
1. Die modernen Hungerspiele von Panem
Ich hoffe, die Spiele fangen bald an. Je früher, desto besser. Denn dann sind diese internationalen Doping-Spiele auch beizeiten vorüber. Eines kann man sich abschminken: die Mär von "sauberen Spielen". Bald wird es wieder Doping-erichte hageln, aber keiner war es, keiner ist schuld, jeder ist sauber. Und tschüß . . .
joG 05.02.2018
2. Zu Korea fällt mir eigentlich....
...nur die Umgehung der Sanktionen ein und den mangelhaften Druck, den Länder wie Deutschland oder Frankreich auf Iran, Russland oder China machen das Problem zu lösen und die Sanktionen einzuhalten. Zu Olympia fällt mir Doping, Umgehung und Korruption ein. Und natürlich Ablenkung vom wesentlichen: Wie stoppen wir Nord Korea und verhindern die Notwendigkeit eines Waffengangs?
hugahuga 05.02.2018
3. Entlarvend -
ist dieser Artikel. Und zwar in der Hinsicht, dass hier von außerhalb der beiden Koreaversucht wird, eine Atmosphäre des Mißtrauens am Leben erhalten zu wollen. Beweis: "Noch dazu werden die Nordkoreaner wie Staatsgäste empfangen, auch wenn Kim weiter Seouls Verbündetem, den USA, droht und sich über südkoreanische Medienberichte mokiert." Aha, hier wird deutlich, dass allein den US Amerikanern die Annäherung nicht gefällt. Sie sollten zur Kenntnis nehmen, dass ein Miilitärbündnis kein Ersatz für die Zugehörigkeit zum gleichen Volk und die damit verbundenen Empfindungen sein kann. Dass sich dieser unselige Herr Seliger in dieser Art und Weise äußert, mag an seiner Herkunft liegen. Ihm scheint für die beiden Korea ein Zustand vorzuschweben, wie er sich seit Jahrzehnten zwischen Israelis und Palästinensern verfestigt hat. Herr Kwon hat recht, wenn er meint, dass die Spiele zumindest positiv insofern zu sehen sind, als dass sie die unterschiedlichen Auffassungen verdeutlichen mögen. Herrn Seliger möchte ich sagen, dass der einzige Störenfried zwischen beiden Korea die US Administration ist. Und das ganz besonders im Hinblick auf das zunehmend bellizistische Verhalten dieser Großmacht - insbesondere, was die Möglichkeit eines Einsatzes von "benutzbaren" - in ihrer Wirkung verfkleinerten - Atomwaffen anbelangt. Diese müssen nicht nur China, Russland und Iran fürchten, sondern auch beide Korea.
jan07 05.02.2018
4.
Es ist immer gut, miteinander zu reden. Gerade wir Deutschen haben da einschlägige Erfahrungen. Insofern ist ein gemeinsamer Olympiaauftritt auf jeden Fall ein Gewinn für die koreanische Nation.
Aison' 05.02.2018
5. Unbegreiflich, dass das vom IOC geduldet wird
Für mich ist es unbegreiflich, dass das vom IOC geduldet wird. Sind diese Sportler denn überhaupt zugelassen? Können diese nordkoreanischen Sportler auch vorweisen, dass sie regelmässig auf Doping getestet wurden? Den Russen glaubt man das ja nicht und deswegen ist Russland ausgeschlossen. Wieso aber dürfen dann die Nordkoreaner mitmachen - glaubt doch kein Mensch dass die jemals kontrolliert wurden.
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