Vorbereitung für Olympia Nordkoreanische Eishockey-Spielerinnen in Südkorea angekommen

Das nordkoreanische Eishockey-Damenteam ist nach Südkorea gereist: Die zwölf Frauen werden dort gemeinsam mit ihren Kolleginnen für Olympia trainieren. Pjöngjang hatte zuvor in einem seltenen Appell zu Einheit aufgerufen.

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Eine Delegation nordkoreanischer Sportlerinnen und Funktionäre ist über die schwer bewachte Grenze in das Nachbarland im Süden gereist. Die zwölf Eishockey-Spielerinnen überquerten am Donnerstag mit einem Trainer und zwei Betreuern auf dem Landweg die Grenze bei Kaesong, wie das Vereinigungsministerium in Seoul mitteilte.

Die Spielerinnen sollten nach der Ankunft direkt zum staatlichen Trainingszentrum in Jincheon gebracht werden, um ins Training der südkoreanischen Olympiamannschaft der Frauen einzusteigen.

Nordkorea hatte vor zwei Wochen seine Teilnahme an den Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang verkündet. Erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele wird es ein gemeinsames Eishockey-Damenteam beider koreanischer Staaten geben.

Nordkoreanische Sportler treten zudem im Eiskunst- und Eisschnelllauf sowie im Skilanglauf und im Ski alpin an. Die Athleten beider Staaten werden bei der Eröffnungszeremonie am 9. Februar gemeinsam hinter der sogenannten Fahne der Vereinigung laufen - eine hellblaue Silhouette der Halbinsel auf weißem Grund.

Bevor nun die Delegation die Grenze in den Süden überquerte, hatte das Regime in Pjöngjang zu Einheit aufgerufen. Der Appell war gerichtet an "alle Koreaner daheim und in der Ferne". Sie sollten "Kontakte, Reisen und Kooperationen" zwischen Nord- und Südkorea fördern. Alle Hindernisse einer Einigung würden von Pjöngjang "zerstört" werden.

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Olympia in Südkorea: Gemeinsam trainieren, gemeinsam antreten

Bereits in den vergangenen Tagen hatten nordkoreanische Funktionäre Seoul besucht und Südkorea eine Delegation in den Norden geschickt. Dabei ging es um die Organisation gemeinsamer Sport- und Kulturaktivitäten.

IOC-Präsident Thomas Bach sagte am Mittwoch, der gemeinsame Auftritt der Eishockey-Frauen sowie bei der Eröffnungs- und Schlussfeier würde den Frieden symbolisieren. "Ich denke, das wird ein Moment voller großer Gefühle für die koreanischen Menschen, aber auch für Menschen anderer Länder."

Bach räumte aber auch ein, dass nicht alle Südkoreaner diese Begeisterung teilen würden, "aus welchen politischen Gründen auch immer". Auch innerhalb der südkoreanischen Eishockey-Frauenmannschaft gab es Unmut. Sie sei anfangs "geschockt" gewesen, sagte Sarah Murray, die kanadische Nationaltrainerin der südkoreanischen Auswahl. Die Idee einer gemeinsamen Mannschaft aus Nord und Süd bei Olympia im Februar an sich gefalle ihr, "aber es ist etwas anderes, jetzt so kurz vor Olympia Spielerinnen aufnehmen zu müssen als vor zwei, drei Jahren."

USA verschärfen Sanktionen

Die gemeinsame Teilnahme an den Olympischen Spielen und die Annäherung der beiden Nationen geben Hoffnung, dass sich die Lage auf der koreanischen Halbinsel entspannt. Zuvor hatte sich der Atomkonflikt mit Nordkorea durch anhaltende Raketentests Pjöngjangs und den bisher größten nuklearen Test des Landes verschärft. In seiner Neujahrsansprache zeigte sich Kim erstmals wieder versöhnlich in Richtung Süden und deutete die Teilnahme Nordkoreas in Pyeongchang an.

Das Verhältnis zu den USA bleibt allerdings extrem angespannt. Am Mittwoch verschärfte die US-Regierung ihre Sanktionen gegen das Regime. Die wegen des nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramms verhängten Strafmaßnahmen richten sich gegen Firmen, Einzelpersonen und das Rohölministerium in Pjöngjang, wie das Finanzministerium mitteilte.

aar/AP/sid/dpa

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nolol 25.01.2018
1. Ich freue mich...
..mal zur Abwechslung solche Nachrichten lesen zu dürfen. Wir reden hier von einer Handlung, die in die Geschichtsbücher eingehen wird. Gerade ich als deutscher Bürger, wir hatten auch ein getrenntes Land, kann hier mitfühlen. Für mich ist dieses gemeinsame Team ein richtiger und wichtiger Schritt in eine Zukunft wo wir hoffentlich hiervon mehr zu lesen bekommen.
thd1958 25.01.2018
2. Ich bin ganz zuversichtlich ...
... dass das koreanische Volk zusammenfinden wird, ohne Waffen, Ideologien oder Einmischung von aussen. Wir Deutschen haben das doch auch mal geschafft.
Pixopax 25.01.2018
3. Kim geht das Öl aus..
..und so versucht er es wieder zu bekommen. Nette Geste, morgen droht er wieder mit Atomaschlägen.
INGXXL 25.01.2018
4. Es keimt etwas Hoffnung auf
Aber solche Zeichen der Entspannung gab es immer wieder. CHINA hat kein Interesse an einem Wiedervereinigten Korea an seiner Grenze. Kim müsste seine Herrschaft aufgeben, das wird er niemals tun.
pizzerino 25.01.2018
5. "..Hindernisse einer Einigung würden von Pjöngjang "zerstört" werden."
Irgendwas an der Formulierung macht mich nervös.
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