Olympische Spiele China will plötzlich Sendeverbot am Platz des Himmlischen Friedens

Der Aufstand in Tibet macht die chinesische Führung nervös. Sie plant jetzt aus Angst vor Demonstrationen, während der Olympischen Spiele keine Live-Aufnahmen vom Platz des Himmlischen Friedens mehr zu erlauben - dem Ort des Massakers von 1989.


Hamburg - Fernsehsender aus aller Welt hatten sich schon auf Livebilder vom Tiananmen in Peking eingestellt. Allein der US-Sender NBC zahlte Hunderte Millionen Dollar, um die Olympischen Spiele im August zu übertragen - als bekannte und ansehnliche Kulisse für Live-Schaltungen sollte auch der berühmte Platz des Himmlischen Friedens im Herzen Pekings dienen.

Peking, Platz des Himmlischen Friedens: Drehverbot während der Olympischen Spiele?
REUTERS

Peking, Platz des Himmlischen Friedens: Drehverbot während der Olympischen Spiele?

Doch daraus könnte nun nichts werden. China wird Live-Übertragungen vom Platz des Himmlischen Friedens möglicherweise unterbinden. Drei Beamte des Pekinger Olympia-Organisationskomitees sagten der Nachrichtenagentur AP zufolge jetzt unerlaubt und unter dem Siegel der Verschwiegenheit, dass die Zusage von Live-Aufnahmen vom Platz des Himmlischen Friedens zurückgenommen wird. Dies sei Funktionären der BOB mitgeteilt worden, dem Gemeinschaftsunternehmen der chinesischen Olympiamacher und des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das die Zusammenarbeit mit den Sendern verantwortet.

"Tiananmen ist das Gesicht Chinas, das Gesicht Pekings, viele Sender würden gerne live oder in Aufzeichnungen von diesem Platz berichten", sagte BOB-Vorstand Yosuke Fujiwara. Doch damit werden sie nach jetzigem Stand nicht dienen können.

Einer der anonymen Informanten sagte laut Fujiwara: "Wir wissen, dass Aufsager nicht erlaubt sein werden." Für das Verbot habe es keine Erklärung gegeben.

Laut dem Bericht von AP ist jedoch offenkundig, dass die Machthaber in Peking befürchten, nach den schweren Unruhen in Tibet und in angrenzenden Provinzen könnten tibetische Demonstranten auf dem Platz protestieren - und die ganze Welt dabei zusehen.

Offiziell gibt es zum Drehverbot auf dem Platz des Himmlischen Friedens kein Statement. Sun Weijia vom Pekinger Komitee für die Organisation der Olympischen Spiele (BOCOG), zuständig für die Zusammenarbeit mit BOB, wollte das Verbot nicht kommentieren. Er verwies auf Pressesprecher, die es ebenfalls ablehnten, einen Kommentar abzugeben.

Die Sender hoffen, dass das Drehverbot noch abgewendet werden kann. Einer der Informanten habe mitgeteilt, dass es sich bisher lediglich um mündliche Absprachen innerhalb der chinesischen Führung handelte. Noch sei nichts aktenkundig. Alle drei Informanten hofften, dass IOC-Präsident Jacques Rogge bei einem Treffen im nächsten Monat in Peking die chinesischen Verantwortlichen umstimmen kann, damit es doch Bilder von dem historischen Platz gibt - auf dem es im Juni 1989 nach wochenlangen Demonstrationen zu einem Massaker kam, bei dem rund 3000 Menschen umgebracht wurden.

Noch ist unklar, ob das Drehverbot auch für das olympische Marathonrennen gilt, das auf dem Tiananmen-Platz gestartet wird. Darüber könnte schon bald eine Testveranstaltung Auskunft geben: Im April wird ein Probe-Marathon gestartet. Dann wird man sehen, ob es Bilder vom Start auf dem berühmten Platz geben wird, den ein großes Porträt Mao Zedongs überragt.

Das Pekinger Organisationskomitee liegt bereits seit einem Jahr im Streit mit dem IOC darüber, ob es Live-Übertragungen vom Tiananmen geben darf. Führende Chinesen signalisierten immer wieder ihren Unmut darüber. Bisher jedoch war die Diskussion zu keinem Ende gekommen.

asc/AP

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