Olympische Spiele in London: Militär will Luftabwehrraketen auf Wohnhaus installieren

Die Bewohner erfuhren es aus einem Flugblatt: Das britische Militär plant, eine Batterie mit Luftabwehrraketen auf dem Dach eines Londoner Apartement-Komplexes zu installieren. Sie sollen bei den Olympischen Spielen dem Schutz vor Terror-Anschlägen dienen. Die Mieter sind empört.

Terrorangst: Luftabwehrraketen auf Londons Dächern Fotos
REUTERS

London - Raketen auf ihrem Dach, damit hätten die Bewohner eines Apartement-Blocks im Osten Londons wohl nie gerechnet. Nun wird es vielleicht zur Realität, für die Sicherheit der Olympischen Spiele im Sommer 2012. Das britische Militär teilte den Bewohnern des fraglichen Hauses laut Agenturberichten mit, dass ihr Haus zur Abwehr feindlicher Angriffe mit Boden-Luft-Raketen bestückt werden könnte.

Das Wohnhaus sei eines von mehreren Objekten in der englischen Hauptstadt, das vom Militär als Basis für die Verteidigungs-Raketen in Betracht gezogen werde, gab das Verteidigungsministerium bekannt. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus. Es wäre das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dass Raketen auf den Dächern Londons installiert werden.

Anwohner des Bow Quarter Wohnkomplexes zeigten sich schockiert von den Plänen ihrer Regierung. "Es gab keine Rücksprache, niemand hat bei uns an die Tür geklopft", sagt Brian Whelan, ein 28-jähriger Journalist. "Man wacht einfach eines Morgens auf und erfährt aus einem Flugblatt, dass Raketen auf dem eigenen Dach installiert werden. Ich kann mir keine Umstände ausmahlen, die es rechtfertigen, Raketen über einer so dicht bevölkerten Gegend abzuschießen."

Laut Angaben des Journalisten soll es zunächst Tests auf dem Dach des Wohnhauses geben. Sollten diese erfolgreich sein, würden die Raketen aufgebaut, zehn Soldaten sollen dann für zwei Monate auf dem Haus stationiert werden. Es ist noch nicht bekannt, ob die Anwohner für die Unannehmlichkeiten eine Entschädigung erhalten, berichtet der "Independent".

In dem Flugblatt des Verteidigungsministers hieß es, dass der frühere Wasserturm des Bow Quarter Wohnkomplexes einen "exzellenten Blick über die Umgebung des Olympia-Parks und den gesamten Himmel" biete. Der Turm sei damit der einzige geeignete Standort in der Gegend für das geplante High Velocity Missile System (HVM-System), ein Luftabwehrraketen-System. Die Raketen sollen aber nur bei "extremer Bedrohung" eingesetzt werden.

Verteidigungsminister Philip Hammond hatte im November erstmals verkündet, Raketen in der Stadt stationieren zu wollen. Großbritannien folge damit dem Beispiel der letzten Olympischen Spiele in Peking 2008, erklärte der Politiker. Die Chinesen hatten Abwehrraketen einen Kilometer südlich der Stadien installiert, in denen die Sportler um die Medaillen kämpften.

Die Raketenbatterie ist eine von vielen außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen, mit denen die Londoner während der riesigen Sport-Veranstaltung rechnen müssen. Während der Olympischen Spiele sollen mehr als 40.000 Sicherheitskräfte die Stadt schützen. Die Vorkehrungen werden voraussichtlich mehr als 1,6 Milliarde Pfund kosten, mehr als 1,9 Milliarde Euro.

irb/afp/Reuters

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1. Gefährlich
regensommer 29.04.2012
Wenn olympische Spiele derart gefährlich sind, sollte man sie nicht besuchen.
2. Typisch SPON
varesino 29.04.2012
Eine Batterie Flugabwehraketen? Oder etwa einen mobilen Starstreak Dreifach-Launcher? http://4.bp.blogspot.com/_2DWmu7Vzdig/TRnx4v7L23I/AAAAAAAAAPQ/hpr8omaRkj8/s1600/Starstreak+1.jpg Oder was denn jetzt? Gruss Varesino
3.
doc.nemo 29.04.2012
Sind die Briten jetzt total durchgedreht? Aus medizinischer Sicht würde ich sagen, sie entwickeln einen Verfolgungswahn, eine aus dem Ruder gelaufene Angstneurose. Flugabwehrraketen bei Olympia? Da werden die Schäden durch die Abwehr eines Anschlags leicht größer als die durch den Anschlag selbst. Aber Hauptsache, abgewehrt.
4. Na und?
herrbausa 29.04.2012
Es stellt sich natürlich die Frage, wie sinnvoll diese Maßnahme ist, da London mit dem City Airport einen Flughafen mitten im Herzen der Stadt hat. Falls ein Flug mit dem Ziel London City Airport vom Kurs abweichen sollte, wäre es eigentlich schon zu spät, würde ein Abschuss des entführten Flugzeugs auch nichts mehr bringen. Zu den Spielen in Beijing sei übrigens gesagt, dass mitnichten nur "einen Kilometer südlich der Stadien" Luftabwehrraketen positioniert waren. Direkt am Flughafen war u. a. eine große SAM-Stellung mit sechs riesigen Raketen auf Selbstfahrlafetten positioniert, und Kurzstreckensysteme waren an mehreren Stellen in der Stadt verteilt. Ich wette, dass es die Briten genauso machen werden, zumal sie sich große Teile des Organisationskonzepts (Fahrspuren nur für Olympia-Funktionäre) von Beijing abgeschaut zu haben scheinen.
5. Absurde Spiele
jugendmauer 29.04.2012
Sinnfrei?! Dann wird mitten der Stadt ein potentiell bedrohliches Flugzeug abgeschossen, was dann am Ende in ein Wohnhauskracht und es zum Einsturz bringt. Raketen in den Himmel zu ballern in so einer Stadt wie London halte ich doch für sehr fraglich. Da werden so viele Pfund aus dem Fenster geworfen, für solche kranken Sicherheitsmaßnahmen. Wenn man solche Sicherheitsmaßnahmen für nötig hält, dann sollte man besser keine Spiele mehr austragen und die Olympischen Spiele in ein militärisches Speergebiet verlegen.
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  • Sonntag, 29.04.2012 – 11:41 Uhr
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