Nach Olympia Nordkorea zu Gesprächen mit USA bereit

Präsidenten-Tochter Ivanka Trump reiste ohne ein Treffen mit der nordkoreanischen Delegation zurück in die USA. Pjöngjang zeigt sich trotzdem gesprächsbereit. Südkorea warnt vor zu hohen Erwartungen.

Ivanka Trump, Moon Jae In
DPA

Ivanka Trump, Moon Jae In


Nordkorea zeigt sich nach dem Ende der Olympischen Winterspiele in Pyeonchang weiterhin offen für mögliche Gespräche mit den USA. Bei einem abschließenden Abendessen mit dem südkoreanischen Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon betonte die nordkoreanische Delegation, die Tür sei geöffnet für ein Treffen mit der US-Regierung. Zudem wolle das Regime auch nach den Spielen weiter an einer innerkoreanischen Annäherung arbeiten.

Das Vereinigungsministerium in Seoul teilte mit, der Norden hoffe auf eine "passende Gelegenheit" für Gespräche mit Vertretern aus Washington. Südkoreas Präsident Moon Jae In bemühte sich aber darum, die Erwartungen auf beiden Seiten einzudämmen. "Die USA müssten ihre Ansprüche senken, und der Norden müsste wirklich Willens sein, sein Atomprogramm zurückzufahren", sagte er. "Es ist wichtig, dass diese Gespräche schnell zustande kommen."

Nordkorea hat in der Vergangenheit immer wieder erklärt, es werde sein Atomprogramm, das es unter Missachtung von Uno-Resolutionen vorantreibt, niemals aufgeben. Im Zuge der Olympischen Spiele in Südkorea hatte es aber mehrere Entspannungssignale in dem Konflikt um das Atomprogramm gegeben.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte eine hochrangige Delegation zur Eröffnung und zum Abschluss des Sportereignisses geschickt. Doch in den vergangenen Tagen verschärfte sich der Ton wieder, nachdem US-Präsident Donald Trump weitere Strafmaßnahmen gegen das abgeschottete Land erließ und mit einer Eskalation des Konflikts drohte. Nordkorea warf daraufhin den USA vor, die Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden koreanischen Staaten untergraben zu wollen.

Zu einem Treffen zwischen Vertretern aus Washington und Pjöngjang war es während der Olympischen Spiele nicht gekommen. US-Vizepräsident Mike Pence hatte sich nach Angaben seines Büros zufolge zwar mit zwei Vertretern aus Nordkorea verabredet: mit Kim Yo Jong, der jüngeren Schwester von Machthaber Kim Jong Un, sowie mit Kim Yong Nam, dem protokollarischen Staatsoberhaupt Nordkoreas. Das Treffen sei aber kurz vorher von den Nordkoreanern abgesagt worden.

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Ivanka Trump in Südkorea: Tochter, Fan und Repräsentantin

Auch die US-Delegation mit Präsidententochter Ivanka Trump, die zur Abschlussfeier nach Pyeonchang gereist war, flog wieder zurück in die Vereinigten Staaten, ohne dass es Anzeichen für ein Treffen mit einer nordkoreanischen Besucherabordnung gab.

dbate-Video: Mein Trip nach Nordkorea

dbate.de

vks/Reuters

insgesamt 12 Beiträge
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eckawol 26.02.2018
1. Südkorea :Erwartungen auf beiden Seiten eindämmen
Die vielen Versuche der Annäherung in den vergangenen Dekaden führen zwangsläufig zu der Südkoreanischen Aufforderung, die Erwartungen einzudämmen. Aber die Aussage , "Es ist wichtig, dass diese Gespräche schnell zustande kommen", zeigt, dass ein konstruktives Element in Fragen der Annäherung beider Staaten aufkommt.
nn280 26.02.2018
2. Nein, Trump will den Atomkrieg.
Er glaubt, ein regionaler Vernichtungsschlag gegen Nordkorea sei das beste Mittel und will diese "Stufe 2" jetzt auslösen. In Deutschland glauben daran auch viele und hoffen, das Problem Putin könne so gleich mit erledigt werden. Und Trump hat ja auch gefragt, warum Amerika seine Atomwaffen nicht längst eingesetzt hat, dann wären in der Vergangenheit nicht so viele Kriege (alle eigentlich) verloren worden. Und mit Trump klappt das auch! Letztlich war das dann auch das letzte Spiegel-Forum!
Planquadrat 26.02.2018
3. Fakt ist
doch, dass Kim Jong-un intelligent genug ist um zu wissen, dass eine Öffnung des Landes unweigerlich zum Verlust seiner Macht führen würde. Denn sobald den Menschen klar würde, dass sie doch nicht im Paradies ihres geliebten Führers leben, werden sie revoltieren. Was dann passiert haben 1990 auch andere Staaten erleben dürfen. Von daher wird Kim seine Spielchen weiter spielen und versuchen das Land weiter unter Druck zu halten..
Beat Adler 26.02.2018
4. Moon zog die rote Linie: Atomwaffenfreies Korea.
Moon zog die rote Linie: Atomwaffenfreies Korea. Solange der Norden keinerlei Bereitschaft zur Abruestung seiner Atromwaffen erkennen laesst, wird es nicht zu Gespraechen kommen. Es wird eher so kommen, dass Suedkorea mit eigenen Atomwaffen nachruestet. Das kann niemand, wirklich niemand verhindern. Das wird China und Russland, die unmittelbaren Nachbarn, gar nicht erfreuen. Sie werden den Norden zur Abruestung zwingen. mfG Beat
micromiller 26.02.2018
5. Das Resultat einer Wiedervereinigung
wäre ein blockfreies, gut bewaffnetes High Tech Korea! Selbstverständlich passt das nicht in die imperiale Gedankenwelt der drei Großen und Japans. Die Koreaner sollten ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen und versuchen ein unabhängiges, freies Korea für die Koreaner zu schaffen.
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