Omarosa Manigault Newman Erst hat halb Amerika sie gehasst - nun tut Trump das auch

US-Präsident Trump machte sie zum TV-Star und holte sie ins Weiße Haus: Nach ihrem Rauswurf hat Omarosa Manigault Newman ein Enthüllungsbuch geschrieben - und ihr alter Boss wütet.

Von und Thies Schnack (Video)


Omarosa Manigault Newman ist in den USA so bekannt, dass sie eigentlich ohne Nachnamen auskommt. Man kennt sie in den USA schlicht als "Omarosa" - und das verdankt sie Donald Trump. Mit seiner Hilfe hat sie Karriere gemacht, zunächst im Fernsehen und nach ihrem lautstarken Einsatz im Wahlkampf auch kurzzeitig im Weißen Haus. Im Dezember 2017 jedoch wurde sie entlassen und hat sich seither vom US-Präsidenten abgewandt.

In einem Enthüllungsbuch beschreibt Manigault Newman ihren einstigen Förderer nun als "Rassisten" und "Frauenfeind". Sie spricht von Tapes, auf denen Trump rassistische Ausdrücke verwendet haben soll. Dabei war ausgerechnet sie es, die seiner Wahlkampagne 2016 ein weibliches, afroamerikanisches Gesicht gegeben hatte. Belohnt wurde sie für ihren Einsatz später mit einem Kommunikationsjob im Weißen Haus - einem Arbeitsplatz, den sie bereits aus den Neunzigerjahren kannte.

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Omarosa Manigault Newman: Vom "Trumplican" zur Kritikerin

Damals arbeitete die junge Journalistin aus Ohio im Büro von Bill Clintons Vizepräsidenten Al Gore und später im Handelsministerium. Beide Male wurde sie gefeuert. Gores frühere Büroleiterin bezeichnete die Einstellung von Manigault Newman im Nachhinein als "schlechteste Personalentscheidung", die sie getroffen habe. Trotz des beruflichen Rückschlags blieb Manigault Newman den Clintons weiterhin politisch verbunden.

Von den Clintons zu Trump

Noch zu Beginn des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 unterstützte sie Hillary Clinton. Einen Job in deren Kampagne bekam sie allerdings nicht. Der Ärger darüber soll dazu geführt haben, dass sie sich von den Demokraten abwandte. Sie stellte sich auf die Seite von Trump, mit dem sie bereits seit Jahren eine Art Freundschaft verband.

Die Beiden lernten sich 2004 beim Dreh der Reality-TV-Show "The Apprentice" kennen. In dem Format konkurrierten 16 Kandidaten um einen Jahresvertrag in Trumps Unternehmen. Manigault Newman machte sich keine Freunde unter ihren Mitstreitern, gewann aber die Sympathien von Trump. Vielleicht auch, weil beide polarisieren.

Gewonnen hat Manigault Newman den Arbeitsvertrag am Ende nicht, stattdessen machte sie aus ihrer Rolle der bösen Reality-Show-Figur ein Geschäftsmodell. Immer wieder trat sie gemeinsam mit Trump vor die Kamera, erst in einer Datingshow, dann in der Promi-Variante von "The Apprentice". Ein Magazin bezeichnete sie schließlich als "die Frau, die Amerika zu hassen liebt".

Schlechte Verliererin?

Diese Art von Kritik schien Manigault Newman allerdings kaum zu treffen. Persönlicher wurde es hingegen, wenn sie aus einer Reality-Show ausschied. Nach ihrem Abgang bei "The Apprentice" beschuldigte sie eine Mitstreiterin, sie rassistisch beleidigt zu haben. Diese dementierte vehement.

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Enthüllungsbücher über Trump: Attacken auf den Mann im Weißen Haus

Ihr Lebenslauf ist gespickt mit bizarren bis dramatischen Zwischenfällen. Gegen Michael Jacksons Schwester La Toya Jackson klagte sie nach einer Auseinandersetzung. Jackson soll angedeutet haben, dass Manigault Newman ihren früheren Verlobten Michael Clarke Duncan getötet hätte. Der Schauspieler ("The Green Mile") starb 2012 an den Folgen eines Herzinfarkts. Ein Jahr zuvor war ihr Bruder ermordet worden. Ebenso wie ihr Vater, der getötet wurde, als Manigault Newman sieben Jahre alt war. Sie wuchs nach eigenen Angaben in "extremer Armut" auf.

Mittlerweile ist Manigault Newman in zweiter Ehe mit einem Pastor und Clinton-Unterstützer verheiratet. Für Schlagzeilen sorgte sie, als sie im April 2017 mit ihrer Hochzeitsgesellschaft im Weißen Haus auftauchte, um ein Erinnerungsfoto zu machen. Auftritte wie diese könnten mit dazu geführt haben, dass sie schließlich von Stabschef John Kelly entlassen wurde.

Immer wieder soll Manigault Newman zudem in Meetings geplatzt sein, für die sie nicht zugelassen war. Bei einem Auftritt des Dachverbands afroamerikanischer Zeitungsverleger verlor sie die Fassung und lieferte sich ein Schreiduell mit dem Moderator. Nach ihrer Entlassung soll sie Berichten zufolge vom Gelände des Weißen Hauses geleitet worden sein. Der Secret Service hat das nie dementiert.

Späte Reue

Mittlerweile setzt Manigault Newman offenbar eher auf Understatement. Eloquent präsentierte sie ihr Buch "Unhinged" (übersetzt: verstört) im US-Fernsehen und erklärte reumütig, eine "Komplizin" der Trump-Administration gewesen zu sein. Sie habe ihre Position lange nicht aufgeben wollen, weil sie die einzige schwarze Frau in Trumps Team gewesen sei.

Nach dem Rauswurf habe sie ein Jobangebot ihres alten Arbeitgebers bekommen - 15.000 Euro monatlich und eine umfassende Verschwiegenheitsklausel inklusive. Sie habe abgelehnt und stattdessen ihr Buch geschrieben. Inwieweit ihre Abrechnung moralisch oder doch persönlich motiviert ist, bleibt offen.

Präsident Trump scheint die Sache jedenfalls persönlich zu nehmen. Mit einer Reihe emotionaler Tweets hat er auf das Buch reagiert. Dabei bezeichnet er Manigault Newman als "bekloppt und geistesgestört" und als "Hund".



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