Syrien OPCW verabschiedet Zeitplan zur Vernichtung von C-Waffen

Der Fahrplan steht, doch die Umsetzung ist noch immer unklar: Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) hat den Ablauf der Zerstörung syrischer Kampfstoffe beschlossen. Nur findet sich kein Land, das bereit ist, die Aufgabe zu übernehmen.

OPCW-Inspektor in Syrien: Fahrplan klar, Umsetzung unklar
AFP

OPCW-Inspektor in Syrien: Fahrplan klar, Umsetzung unklar


Den Haag - Das Ziel ist klar: Die syrischen Chemiewaffen sollen außer Landes gebracht und vernichtet werden. Nur: Wohin soll man sie bringen? Wenige Stunden vor Ablauf einer entsprechenden Frist hat die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) einen detaillierten Zeitplan für die Zerstörung der in Syrien lagernden Kampfmittel verabschiedet. Doch noch ist unklar, welche Staaten bereit sind, an der Vernichtung der Waffen mitzuwirken und diese umzusetzen.

Nach einer mehrfach unterbrochenen Sitzung stand am Freitagabend das Ergebnis fest: "Der Plan ist angenommen", sagte ein Sprecher der OPCW. Die vereinbarten "Meilensteine" sehen laut OPCW-Generaldirektor Ahmed Üzümcü vor,

  • dass die gefährlichsten Kampfstoffe wie Sarin und Senfgas bis Jahresende aus Syrien herausgeschafft werden und
  • alle weiteren Kampfmittel und chemischen Substanzen, mit denen Waffen hergestellt werden können, bis zum 5. Februar abtransportiert werden.
  • Die einzige Ausnahme gilt für Isopropanol, eine Flüssigkeit, mit deren Hilfe das Nervengas Sarin hergestellt werden kann.
  • Je nach "Risikograd" müssen außerdem alle C-Waffen-Standorte zwischen Mitte Dezember und dem 15. März unschädlich gemacht werden.
  • Die wichtigsten Kampfstoffe werden bis April vernichtet, alle anderen bis Ende Juni 2014.

Der Umfang der syrischen Chemiewaffen wird auf mehr als tausend Tonnen geschätzt. Nach OPCW-Angaben sind von den 23 erklärten Chemiewaffenstandorten in dem Bürgerkriegsland alle bis auf einen fristgerecht überprüft worden. Gemäß der vom Uno-Sicherheitsrat im September verabschiedeten Resolution 2118 muss das Arsenal bis Mitte 2014 vollständig vernichtet werden. Nach Angaben der OPCW hat Syrien bisher über 60 Prozent seiner noch nicht gefüllten Munition wie Bomben und Sprengköpfe vernichtet.

Albanien lehnt Vernichtung syrischer Waffen im eigenen Land ab

Noch ist aber unklar, wo die übrigen tödlichen Kampfstoffe zerstört werden sollen. Die US-Regierung soll an Albanien, Norwegen, Frankreich und Belgien die Bitte um Zerstörung der Kampfmittel herangetragen haben.

Nur wenige Stunden vor Verabschiedung des Fahrplans der OPCW hatte Albanien aber überraschend das Gesuch der USA abgelehnt. Zuvor hatte es heftige Proteste im Land gegeben. Man sehe sich dazu nicht in der Lage, sagte Regierungschef Edi Rama am Freitag in Tirana. Albanien galt als Option, weil es 2007 seine C-Waffenbestände aus früheren, kommunistischen Zeiten zerstört hatte.

Der Generaldirektor der OPCW, Ahmed Üzümcü, muss nun Partnerländer für den sicheren Transport aus dem Konfliktgebiet und die Vernichtung der Kampfstoffe finden. Norwegen hatte signalisiert, dass es einen Transport der Waffen unterstützen wolle. Aber kein Land hatte sich bereiterklärt, die Zerstörung zu übernehmen. "Die nächste Phase wird die bisher größte Herausforderung", sagte Üzümcü.

Hintergrund der nun anstehenden Vernichtung der Waffen war ein Angriff mit Chemiewaffen auf Wohnviertel nahe Damaskus im August. Dabei waren Hunderte Menschen getötet worden. Die USA hatten Syrien daraufhin mit einem Militärschlag gedroht. Auf die gemeinsame Initiative von Russland und der USA hatte Damaskus der Vernichtung seiner Chemiewaffen unter der Kontrolle der OPCW zugestimmt.

han/AFP



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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
lkarmann 16.11.2013
1. Warum nicht Deutschland?
Zitat von sysopAFPDer Fahrplan steht, doch die Umsetzung ist noch immer unklar: Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) hat den Ablauf der Zerstörung syrischer Kampfstoffe beschlossen. Nur findet sich kein Land, das bereit ist, die Aufgabe zu übernehmen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/opcw-verabschiedet-zeitplan-zur-vernichtung-syrischer-c-waffen-a-933933.html
Warum nicht wir? Deutschland hat seit 70 Jahren Erfahrung mit der Vernichtung von Kampfstoffen des 3. Reichs, die bis heute immer wieder in rostenden Fässern aus der Ostsee gefischt werden. Eine leistungsfähige Chemie-Industrie und vorhandene Sondermüll-Beseitigungsanlagen (inklusive der notwendigen Hochtemperatur-Verbrennungsanlagen) geben uns die notwendige Infrastruktur: machen wir doch was draus...
de-be 16.11.2013
2.
Zitat von sysopAFPDer Fahrplan steht, doch die Umsetzung ist noch immer unklar: Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) hat den Ablauf der Zerstörung syrischer Kampfstoffe beschlossen. Nur findet sich kein Land, das bereit ist, die Aufgabe zu übernehmen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/opcw-verabschiedet-zeitplan-zur-vernichtung-syrischer-c-waffen-a-933933.html
Die Koalition der Willigen, die besser jetzt als gleich in den Krieg gegen Syrien ziehen wollten, war schnell gefunden. Nur wenns um die Übernahme von Verantwortung für friedensschaffende Maßnahmen geht, dann findet sich niemand ... erbärmlich!
de-be 16.11.2013
3. Ot
*11. Forengebot:* Du sollst QWERTZ nicht mit QWERTY verwechseln!
analysatorveritas 16.11.2013
4. Sondermüllverbrennungsanlagen?
Zitat von lkarmannWarum nicht wir? Deutschland hat seit 70 Jahren Erfahrung mit der Vernichtung von Kampfstoffen des 3. Reichs, die bis heute immer wieder in rostenden Fässern aus der Ostsee gefischt werden. Eine leistungsfähige Chemie-Industrie und vorhandene Sondermüll-Beseitigungsanlagen (inklusive der notwendigen Hochtemperatur-Verbrennungsanlagen) geben uns die notwendige Infrastruktur: machen wir doch was draus...
Sondermüllverbrennungsanlagen reichen dafür sicherlich nicht aus, richtig ist jedoch, dass wir mit den Rüstungsaltlasten aus dem 1. und 2. Weltkrieg sehr viel Erfahrung sammeln konnten, insbesondere auch mit C-Waffen-Altbeständen. Und diese Vernichtung ist aufwändig, teuer, kompliziert und erfordert einiges an Fachwissen. In diesem Fall jedoch wurden die einsatzfähigen C-Waffen in Depots gelagert, dürften also kaum korrodiert oder beschädigt sein. Vorprodukte für binäre Kampfstoffe könnten schneller beseitigt werden als fertige Endkampfstoffe. In Munster (nicht Münster) wird eine solche Anlage mit viel Aufwand betrieben, hier hat man jahrelange Erfahrungen damit gesammeln können. Eine nicht ganz ungefährliche Aufgabe, besonderes bei angerosteter Altmunition aus dem Meer oder bei Bodenfunden. Entsorgung Kampfmittel (http://www.geka-munster.de/index.php?id=4) Liste chemischer Kampfstoffe (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_chemischer_Kampfstoffe)
killi 16.11.2013
5. Schickts nach Moskau
Weshalb nicht Russland? Die verfügen über die Mittel und sind Assads stärkster Verbündeter. Dementsprechend können sie auch den Mist aufputzen, welchen sie Unterstützen.
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