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Opfer des Kunduz-Luftangriffs: Bundeswehr zahlt Angehörigen halbe Million Dollar

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Das Ringen um die Entschädigung für die Opfer des fatalen Bombardements von Kunduz scheint vorbei. Die Bundeswehr richtet für 102 Opferfamilien Konten mit je 5000 Dollar ein und will damit einen Rechtsstreit vermeiden. Fast alle haben zugestimmt - ob manche Anwälte weiter klagen wollen, bleibt offen.

Das Leid von Kunduz: Ausweis eines Opfers, daneben ein Porträt eines Angehörigen Zur Großansicht
Marcel Mettelsiefen/dpa

Das Leid von Kunduz: Ausweis eines Opfers, daneben ein Porträt eines Angehörigen

Berlin - Fast ein Jahr nach dem verheerenden Bombardement zweier von den Taliban entführten Tanklaster bei Kunduz hat die Bundeswehr einen Weg gefunden, die Angehörigen der zivilen Opfer zu entschädigen. In vielen Gesprächen in den vergangenen Wochen stimmten fast alle der 102 von der Bundeswehr identifizierten Familien zu, eine einmalige Unterstützungsleistung von 5000 Dollar zu akzeptieren. Das Geld wird auf Konten der Kabul Bank gezahlt, damit die Taliban den Familien die Dollars nicht wieder abnehmen.

Der jetzt gefundenen Lösung gingen lange Verhandlungen voraus, an denen sich auch Anwälte, die nach eigenen Angaben die Opfer vertraten, beteiligten. Am Ende entschied sich die Bundeswehr für eine selbst organisierte Lösung, die ausdrücklich nicht eine Schuld deutscher Soldaten oder gar weitere Rechtsansprüche beinhaltet. Vielmehr wird betont, bei den 5000 Dollar handele es sich um eine sogenannte ex-gratia-Leistung, eine Art freiwillige Wiedergutmachung.

Über die Monate hatten alle Seiten Fehler gemacht. Zuerst kümmerte sich die Bundeswehr gar nicht um den Fall und tat entgegen klarer Nato-Bestimmungen nichts dafür, die Folgen des vom deutschen Oberst Georg Klein angeordneten Luftschlags genau zu recherchieren.

Statt nach den Vorschriften zu agieren, handelte die Bundeswehr monatelang so, als habe es keine zivilen Opfer gegeben. Als die Truppe schließlich mit Forderungen eines deutsch-afghanischen Anwalts konfrontiert wurde, hatte sie selber überhaupt kein klares Bild der Lage.

Überzeugungsarbeit bei Stammesältesten

Die jetzige Lösung spiegelt den Willen des neuen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg wider, der die Causa schon im Frühsommer geregelt sehen wollte. Damals hatte der SPIEGEL bereits über die Pläne des Ministers berichtet, die rund 4000 Euro pro Opfer vorsahen. Bis zum jetzigen Abschluss musste allerdings noch viel Überzeugungsarbeit bei den Opferfamilien und Stammesältesten der Region geleistet werden. Auch dabei wurde deutlich, wie schlecht die Bundeswehr in ihrem Einsatzgebiet vernetzt ist.

In den frühen Morgenstunden des 4. Septembers 2009 hatte Oberst Klein in dem von den Taliban kontrollierten Bezirk Chahar Darreh zwei entführte Tanklaster von US-Jets bombardieren lassen, dabei waren bis zu 142 Menschen getötet worden. Darunter waren jedoch nach heutigen Erkenntnissen sehr viel mehr Zivilisten, die den Sprit aus den Lastern abzapften, als Taliban. Die meisten Extremisten hatten die Sandbank sogar schon verlassen, da sie einen Luftangriff der über dem Gebiet kreisenden Kampfjets fürchteten.

Die Geschichte jeden einzelnen Opfers

Bei den Recherchen für die Entschädigung musste die Bundeswehr nach ihrem eigenen Nicht-Handeln letztlich auf die Hilfe von Journalisten zurückgreifen. So kontaktierte das Ministerium den "stern"-Reporter Christoph Reuter, der zuvor in mühsamer Kleinarbeit die Zahl der getöteten Zivilisten recherchiert hatte. Seine Arbeit dokumentierte er in einer Fotoausstellung, welche die Geschichte jedes einzelnen Opfers eindrucksvoll und emotional erzählt. Minister Guttenberg hat die Ausstellung besucht.

Die Zahlen von Reuter sind Grundlage für die jetzige Entschädigung. Zu den 91 Todesopfern addierte die Bundeswehr noch elf Schwerverletzte als Opfer des Bombardements, auch sie sollen Geld bekommen.

Damit liegen die Bundeswehrzahlen recht weit unter denen des Bremer Anwalts Karim Popal, der stets von 179 zivilen Opfern gesprochen hatte. An seinen Recherchen gab es zumindest im Wehrressort stets starke Zweifel, vor allem nachdem Popal eine saftige Gehaltsvorstellung von rund 200.000 Euro präsentiert hatte. Wie sich Popal zu der Einigung mit den Opfern verhält, ist unklar. Mehrmals hatten er und mehrere in den Fall eingestiegene Anwälte mit Klagen bei verschiedenen Gerichten gedroht.

Die Juristen der Bundeswehr hingegen gehen davon aus, dass wegen der Neubewertung der Mission in Afghanistan als nicht-internationaler bewaffneter Konflikt jegliche Rechtsansprüche der Opfer des Bombardements erloschen seien. Gleichwohl hat die Bundeswehr nicht darauf bestanden, dass die Opfer, wenn sie Entschädigung annehmen, auf juristische Ansprüche verzichten.

"Verhalten froh"

Bisher aber zeigen die Betroffenen sich eher zufrieden. Laut einem Bericht des Journalisten Reuter äußern sie sich "verhalten froh und vor allem überrascht". "Wir dachten, da würde nie mehr was passieren", zitiert Reuter Abdul Daian, dessen Sohn Tage nach dem Bombardement seinen Verbrennungen erlag. "Das ist gut, dass wir jetzt entschädigt werden. Vor allem die Idee mit dem Bankkonto ist sehr gut, denn sonst hätten wir von dem Geld wahrscheinlich nicht viel gesehen." Im Ministerium hofft man deswegen, dass der Fall ein für alle Mal abgeschlossen ist.

Die Opferanwälte zeigten sich von der Bundeswehraktion überrascht und verärgert. "Der Stil, dass die Bundeswehr hinter unserem Rücken unsere Mandanten anspricht und mit ihnen direkt verhandelt, ist befremdlich", sagte der Bremer Jurist Bernhard Docke, der gemeinsam mit Popal an dem Fall arbeitet. Dass es überhaupt eine Entschädigung gebe, ist aus Dockes Sicht zwar "überfällig". Gleichwohl handele es sich bei der Summe im Vergleich zu anderen Fällen "eher um ein Almosen".

Die Anwälte wollen nun rasch beraten, wie sie weiter vorgehen werden. "Wir gehen davon aus, dass unsere Mandanten auch weiterhin Ansprüche gegen die Bundeswehr geltend machen wollen und dies, wenn es nicht in weiteren Verhandlungen erreicht werden kann, mittels einer Klage klären lassen wollen", kündigte Docke an. Schon vor der Mitteilung über die Entschädigung hatten die Juristen der Opfer am Dienstag deswegen einen Termin mit dem Ministerium.

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Forum - Ist der Afghanistankrieg noch zu gewinnen?
insgesamt 4924 Beiträge
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1. Wie oft soll dieser Krieg
Gandhi, 25.07.2010
Zitat von sysopFast 92.000 US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie enthüllen die wahre Dimension des Militäreinsatzes - das Wirken der amerikanischen Task Force 373, die Probleme der Bundeswehr, die Zusammenarbeit pakistanischer Geheimdienstler mit den Taliban. Kann der Westen den Krieg am Hindukusch noch gewinnen?
denn noch gewonnen werden? Wie oft sollen wir uns denn noch anhoeren muessen, dass jetzt die entscheidenden 6 Monate kommen? Dass, wenn "wir" alles richtig machen, der Krieg dann gewonnen ist. Ich kann es schon gar nicht mehr hoeren. Das Einzige, was diesen Krieg beendet, ist ein Ereignis, bei dem eine grosse Menge Soeldner sich aus dieser Welt verabschieden. Dann wird der politische Druck so gross, dass das Gerede davon, dass Freiheit und Demokratie in Afghanistan die Opfer wert sind, untergeht im Protest. Die Afghanen sollen ihren eigenen Weg gehen, ihre eigenen Probleme loesen. Von aussen koennen deren Probleme auch nicht in 10 oder 20 Jahren geloest werden.
2. Titel
ayamo, 25.07.2010
Plain and simple? Ein militärischer Sieg? Auf gar keinen Fall. Irgendein schaler Verhandlungsfrieden mit den Taliban wäre allerdings auch nicht ideal, da diese sich nicht an solche Verträge/Vereinbarungen halten.
3.
kleenermann 25.07.2010
Zitat von sysopFast 92.000 US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie enthüllen die wahre Dimension des Militäreinsatzes - das Wirken der amerikanischen Task Force 373, die Probleme der Bundeswehr, die Zusammenarbeit pakistanischer Geheimdienstler mit den Taliban. Kann der Westen den Krieg am Hindukusch noch gewinnen?
Wie oft soll diese Frage noch gestellt werden? Nein, man kann ihn nicht gewinnen.
4. Wo ist der Aha-Effekt?
edgarzander 25.07.2010
Zitat von sysopFast 92.000 US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie enthüllen die wahre Dimension des Militäreinsatzes - das Wirken der amerikanischen Task Force 373, die Probleme der Bundeswehr, die Zusammenarbeit pakistanischer Geheimdienstler mit den Taliban. Kann der Westen den Krieg am Hindukusch noch gewinnen?
Enthüllungen? Ich hätte mir da ein bischen mehr erwartet und war nach dem Durchlesen des Artikels irgendwie enttäuscht. Ist doch alles inzwischen mehr oder weniger bekannt...
5. red herring
machorka-muff 25.07.2010
der westen kann und braucht in afghanistan nicht zu gewinnen: abmarsch! die sache mit der enthüllung brisanter kriegsdokumente riecht faul - wahrscheinlich der nächste verarschungs coup der cia.
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Afghanistan: Der Sündenfall von Kunduz

Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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Bundeswehr: Schwierige Mission am Hindukusch

Ausrüstung der Bundeswehr
Mit welcher Ausrüstung arbeitet die Bundeswehr in Afghanistan? Panzer, Mörser, Hubschrauber - klicken Sie auf die Überschriften, um mehr zu erfahren
Panzer
DDP
Zehn der vor mehr als 30 Jahren eingeführten Schützenpanzer "Marder" stehen der Bundeswehr in Afghanistan zur Verfügung. Für die deutsch-afghanische Militäroffensive im Juli 2009 wurden vier der Panzer von Masar-i-Scharif in die Krisenregion Kunduz verlegt und während der neuntägigen Offensive erstmals in einem Gefecht eingesetzt. Die 20-Millimeter-Bordkanone hat eine Reichweite bis höchstens 2000 Meter - Offiziere sehen hier Probleme beim Kampf gegen Taliban über größere Distanz. Der einst für norddeutsche Bedingungen konstruierte Panzer hat keine Klimaanlage.

dpa
Auch zwei Bergepanzer hat die Bundeswehr nach Afghanistan verlegt. Diese Fahrzeuge werden zum Bergen und Abschub von Material eingesetzt. Sie sind mit einem Kran und Winden ausgerüstet und dienen auch als Hebemittel bei der Instandsetzung. Zur weiteren Ausstattung dieser Panzer gehört zudem eine Schneid- und Schweißanlage.

REUTERS
Nicht in Afghanistan stationiert sind bisher schwere Kampfpanzer vom Typ "Leopard 2", dem Standard-Kampfpanzer der Bundeswehr. Derzeit verfügt das Heer über 350 dieser Geräte. Gedacht ist der Panzer eigentlich, um in einem Krieg an vorderster Front feindliche Panzer zu vernichten. Die Kanone des "Leopard 2" hat eine Reichweite von mehr als vier Kilometern. Die Geschosse durchschlagen mehrere Dezimeter dicken Stahl und bringen beim Aufprall Metall zum Schmelzen. Das Fahrzeug hat einen 1500 PS starken Dieselmotor, fährt bis zu 70 km/h schnell und kann bis zu vier Meter tiefe Gewässer durchqueren.
Panzerhaubitzen
DPA
Angesichts der angespannten Sicherheitslage wurden insgesamt drei Panzerhaubitzen 2000 in Afghanistan stationiert. Eine davon wurde ins deutsche Feldlager im nordafghanischen Kunduz verlegt.

Es ist das schwerste Geschütz, das die Bundeswehr je in einen Einsatz geschickt hat. Die Panzerhaubitze 2000 ist elf Meter lang und hat ein Gefechtsgewicht von 56 Tonnen. Die 155-Millimeter-Kanone kann 40 Kilometer weit schießen und selbst auf diese Entfernung auf 30 Meter genau treffen.

Mörser
Erstmals setzte die Bundeswehr im Jahr 2009 Mörser mit scharfer Munition ein. Der 120-Millimeter-Mörser "Tampella" stand schon länger zur Verfügung. Doch Deutschland wollte die dazugehörigen Granaten nicht verwenden, um den Tod von Zivilisten und eigenen Soldaten von vornherein auszuschließen. Bislang setzte die Bundeswehr auf Abschreckung durch Leuchtmunition.
Gewehre
Die Bundeswehr verwendet das Sturmgewehr G36, die Standard-Infanteriewaffe der Bundeswehr.
Transportfahrzeuge
DPA
Die Bundeswehr hat 970 zum Teil stark geschützte Fahrzeuge in Afghanistan, darunter 210 vom Typ "Dingo". Ferner fahren die Soldaten mit dem "Fuchs"-Transportpanzer (100) und dem leicht gepanzerten Militärfahrzeug "Eagle". Auch Geländewagen vom Typ "Wolf" (400) sind dort sowie das Mehrzweckfahrzeug "Mungo". Beide Fahrzeuge bieten bei Anschlägen kaum Schutz. Der "Mungo" wurde aus dem Kleinlaster "Multicar" entwickelt, der in vielen deutschen Kommunen zur Reinigung von Gehwegen verwendet wird.
Hubschrauber
Getty Images
Die Bundeswehr hat in Afghanistan keine eigenen Kampfhubschrauber, die Patrouillen schützen oder in Kämpfe am Boden aus der Luft eingreifen könnten. Die sogenannte Luftnahunterstützung im Gefechtsfall kommt von Isaf-Verbündeten. Die bereits an Deutschland ausgelieferten Modelle des europäischen Kampfhubschraubers "Tiger" sind wegen technischer Probleme noch nicht einsatzbereit. Für Lufttransporte stehen acht Hubschrauber "Sikorsky CH-53" zur Verfügung.
Transportflugzeuge
AP
Am Hindukusch sind acht "Transall" stationiert, die in den sechziger Jahren eingeführt wurden und eigentlich 2010 vom A400M abgelöst werden sollten. Wegen Entwicklungsproblemen des Herstellers wird der A400M nun aber erst Jahre später bereitstehen.
Aufklärungsflugzeuge
ddp
Recce-Tornados waren von April 2007 bis Ende November 2010 im Einsatz. Die sechs Flugzeuge waren in Masar-i-Scharif stationiert. Sie haben zwei Bordkanonen, die während des Einsatzes in Afghanistan ausschließlich dem Selbstschutz dienten. Einziger Auftrag der Tornados war wie bei den Nato-Awacs-Maschinen die Aufklärung. Die Awacs-Flugzeuge sind unbewaffnet und können nach Bundeswehrangaben im Gegensatz zu den Tornados keine Ziele am Boden ausmachen. Die Awacs-Besatzungen sollen durch Koordinierung für Sicherheit in der Luft sorgen, weil der zivile Flugverkehr massiv angestiegen ist und Kollisionen mit den Militärmaschinen der internationalen Truppen verhindert werden sollen. Die Taliban haben keine Flugzeuge oder Hubschrauber.

Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.

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