Opferfest in Pakistan Islamisten machen Millionen mit toten Tieren

In ganz Pakistan werden am islamischen Opferfest Tiere geschlachtet. Militante Organisationen profitieren davon: Sie sammeln die Häute von Ziegen, Rindern und Kamelen und verkaufen sie an die Lederindustrie. Für die Extremisten ein Millionengeschäft.

Büffel vor der Schlachtung in Pakistan: Leder zu Geld machen
REUTERS

Büffel vor der Schlachtung in Pakistan: Leder zu Geld machen


Islamabad - Millionen Muslime in aller Welt begehen derzeit das Opferfest. In Erinnerung an die Bereitschaft Abrahams, seinen Sohn zu opfern, schlachten sie an diesem Feiertag Tiere. Allein in Pakistan werden am Mittwoch laut Schätzungen mindestens sechs Millionen Tiere rituell geschächtet - Schafe, Ziegen, Rinder und Kamele.

Das Fleisch der Tiere wird an Familienmitglieder, aber auch kostenlos an Arme und Hungrige verteilt. Umso mehr Geld lässt sich mit den Häuten der Opfertiere machen. Laut Schätzungen des "Guardian" deckt der Ertrag der am Opferfest getöteten Rinder, Ziegen und Kamele knapp die Hälfte des Jahresbedarfs der pakistanischen Lederindustrie.

Davon wollen auch extremistische Gruppen profitieren. Sie sammeln während des Opferfestes Tausende Tierhäute ein, um diese dann an die Industrie weiterzuverkaufen. "Für uns ist das nach den Spenden während des Ramadan die zweitwichtigste Einnahmequelle", sagte ein Sprecher der Jamaat-ud-Dawa dem "Guardian".

Islamisten hoffen auf Millionenerlös

Jamaat-ud-Dawa ist die Nachfolgeorganisation der Lashkar-i-Toiba, die als Terrororganisation verboten wurde. Ihr Anführer Hafiz Saeed wird von den USA gesucht. Für Informationen, die zu seiner Ergreifung führen, hat Washington zehn Millionen Dollar Belohnung versprochen. Indische und amerikanische Behörden sehen in ihm einen der Drahtzieher der Terroranschläge von Mumbai im Jahr 2008.

Trotzdem bewegt er sich frei in Pakistan. So gab er am Montag in der Hauptstadt Islamabad eine Pressekonferenz, in der er die Pakistaner dazu aufrief, die Häute der Schlachttiere an seine Organisation weiterzugeben. Sie hofft auf 100.000 Tierhäute, die jeweils etwa 50 Dollar einbringen. Offiziell sollen die Erlöse in den Wiederaufbau von Häusern in der Provinz Belutschistan fließen, die im September von einem Erdbeben erschüttert wurde.

Pakistans Regierung hat ihre Bürger aufgerufen, Fell und Leder der Schlachttiere nur an anerkannte Hilfsorganisationen zu übergeben. Doch deren Vertreter fürchten, dass sie gegen die personelle Übermacht der gut organisierten Islamisten chancenlos sein dürften. Mohammed Raschid, Sprecher der Edhi-Stiftung in Islamabad, sagte: "Die schicken all ihre Schüler aus den Koranschulen auf die Straßen. Damit können wir nicht konkurrieren."

Viele Pakistaner haben kein Problem damit, wenn militante Gruppen auf diese Weise vom islamischen Opferfest profitieren. Ein Unternehmer aus Rawalpindi sagte dem "Guardian": "Warum sollte ich die Häute nicht dschihadistischen Organisationen geben? Was ist falsch daran, wenn sie für Allah und die Muslime kämpfen?"

syd



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