Opposition in Russland Tausende marschieren gegen Putin

Kreml-Kritiker machen mobil: Tausende haben in Moskau gegen Russlands Präsidenten Putin demonstriert. Die Polizei nahm rund 200 Demonstranten fest. Auch Ex-Schachweltmeister Kasparow wurde inhaftiert. Spezialeinheiten gingen mit Militärfahrzeugen gegen die Demonstranten vor.


Moskau - Nach der Festnahme des früheren russischen Schachweltmeisters und Oppositionspolitikers Garri Kasparow hat es widersprüchliche Angaben über dessen Verbleib gegeben. Ein Polizeisprecher dementierte den Bericht eines Journalisten der Nachrichtenagentur Interfax, wonach Kasparow nach einigen Stunden in Haft wieder freigelassen wurde. Die Ermittler "arbeiteten" mit Kasparow in einer Polizeiwache im Westen Moskaus, sagte der Sprecher, der nicht namentlich genannt werden wollte, nach Angaben von Interfax.

Spezialkräfte in Moskau: "In einen Polizeitransporter gezwängt worden"
REUTERS

Spezialkräfte in Moskau: "In einen Polizeitransporter gezwängt worden"

Auch Dutzende andere Unterstützer und ausländische Journalisten wurden in Gewahrsam genommen, als sie den Puschkin-Platz betreten wollten. Die russische Polizei war zuvor mit einem massiven Großaufgebot in das Stadtzentrum eingerückt, um die von den Behörden untersagte Demonstration von Regierungsgegnern zu unterbinden.

22 Militärfahrzeuge mit Spezialeinheiten des Innenministeriums und Dutzende Busse mit Hunderten Polizisten der paramilitärischen Einheit OMON fuhren am Morgen in die Nähe des Puschkin-Platzes, wo das Oppositionsbündnis "Anderes Russland" demonstrieren wollte. Das Bündnis hatte zuvor erklärt, es werde trotz eines Verbots auf dem berühmten Platz demonstrieren. Die Behörden hatten den Regimekritikern lediglich eine Kundgebung außerhalb der Innenstadt gestattet.

In Sankt Petersburg hatte es Anfang März bei nicht genehmigten Protesten von rund 5000 Regierungsgegnern zahlreiche Festnahmen gegeben. Weitere Proteste fanden Ende März in Nischni Nowgorod statt. In Russland stehen im Herbst Parlamentswahlen an, die Präsidentschaftswahlen folgen Anfang März 2008.

In Moskau wurden nun auch mehrere Anführer von oppositionellen Jugendorganisationen festgenommen, wie die Agentur Interfax meldet. Insgesamt sollen sich mindestens 200 Demonstranten in Polizeigewahrsam befinden. "Wir gingen nur auf dem Bürgersteig und haben nicht gegen das Gesetz verstoßen", sagte Kasparow über Mobiltelefon dem Radiosender "Echo Moskwy". Zusammen mit anderen festgenommenen Bürgern sei er in einen Polizeitransporter gezwängt worden, berichtete Kasparow.

Einige der Demonstranten riefen "Freiheit, Freiheit", "Wir wollen ein anderes Russland" und "Russland ohne Putin". Ein Polizeisprecher begründete die Festnahmen damit, dass die Demonstranten die Polizisten "auf brutale Weise" provoziert hätten.

Die Polizei hatte zuvor angekündigt, die Veranstaltung notfalls mit Gewalt zu verhindern. In der Nähe des Puschkin-Platzes wurden mehrere Gefangenentransporter sowie ein Wasserwerfer postiert, berichteten Augenzeugen. Auch mehrere Putin-treue Organisationen hatten zu Kundgebungen in Moskau aufgerufen. Neben dem Puschkin-Platz versammelten sich einige hundert Mitglieder der Kreml-nahen Organisation Junge Garde.

wal/AFP/dpa



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