Proteste in Ägypten: Junger Aktivist stirbt offenbar nach Polizeifolter

Ägyptische Polizei in Kairo (am vergangenen Mittwoch): Berichte über Folteropfer Zur Großansicht
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Ägyptische Polizei in Kairo (am vergangenen Mittwoch): Berichte über Folteropfer

Ein ägyptischer Oppositioneller soll nach Misshandlungen durch die Polizei gestorben sein, das berichten seine Partei und örtliche Medien. Der 28-Jährige war nach einer Demonstration gegen die Regierung verschwunden. Aus dem Innenministerium hieß es zunächst, der Mann sei in einen Autounfall geraten.

Kairo - Bei den Krawallen in Ägypten ist ein Oppositioneller offenbar durch Folter ums Leben gekommen. Der 28-Jährige sei nach Misshandlungen der Polizei gestorben, das berichten seine Partei und örtliche Medien. Mohammed al-Guindi sei am Montag "infolge von Folter" verstorben, teilte die Partei Volksbewegung mit. Das Gesundheitsministerium bestätigte den Tod des Mannes. Der 28-Jährige war Ende Januar verschwunden, nachdem er an einer Demonstration gegen die Regierung teilgenommen hatte.

Auch örtliche Medien berichteten, der junge Aktivist sei im Hilal-Krankenhaus in Kairo an den Folgen schwerer Misshandlungen gestorben. Er gehörte der Volksbewegung des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Hamdin Sabahi an.

Guindi war während der Proteste gegen die islamistische Regierung am zweiten Jahrestag der "Revolution des 25. Januar" mit einem Polizeioffizier aneinandergeraten. Er verschwand und soll später in ein Gefängnis der Ordnungspolizei gebracht worden sein. Nach Angaben seiner Mutter berichteten später Oppositionelle, die mit Guindi zusammen festgenommen wurden, dass er im Polizeilager gefoltert wurde.

Vor einer Woche tauchte Guindi dann in dem Krankenhaus auf. Das Innenministerium behauptete, er habe einen Autounfall gehabt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurde Guindi am 28. Januar, drei Tage nach seinem Verschwinden, bewusstlos und mit inneren Blutungen in ein Krankenhaus in Kairo eingeliefert. In sozialen Netzwerken kursierten Fotos des Mannes, die ihn mit blauen Flecken und Schlagspuren im Gesicht im Bett liegend zeigen. Nach Oppositionsangaben ergab ein vorläufiger medizinischer Bericht, dass Guindi mit harten Gegenständen geschlagen und mit Elektroschocks traktiert wurde und gebrochene Rippen hatte.

Auf Twitter und Facebook wurde Guindi als Symbol des Kampfes gegen Polizeigewalt verehrt. Mehrere hundert Menschen versammelten sich auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo, um an seinem Totengebet teilzunehmen.

Auch ein weiteres Mitglied der Bewegung ist nach Informationen der Zeitung "Al-Masri al-Youm" gestorben, und zwar an den Folgen einer Schussverletzung. Der 20-jährige Amr Saad hatte sich die Verletzung bei einer Straßenschlacht zwischen Demonstranten und der Polizei vor dem Präsidentenpalast zugezogen. Damit sind in Ägypten, wo sich die regierenden Muslimbrüder und die säkulare Opposition ineinander verbissen haben, seit dem zweiten Jahrestag der Revolution am 25. Januar 55 Menschen bei Krawallen ums Leben gekommen.

fab/AFP/dpa

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Ägypten: Blutige Proteste

Fläche: 1.002.000 km²

Bevölkerung: 81,121 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Adli Mansur (interimistisch)

Regierungschef: Ibrahim Mahlab

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