Oppositioneller Karubi Irans Justiz weist Missbrauchsvorwürfe zurück

"Total konstruiert" nennt eine Untersuchungskommission des iranischen Justizministeriums die Vorwürfe von Oppositionspolitiker Mehdi Karubi. Er hatte behauptet, in der Haft seien Regierungskritiker missbraucht worden. Jetzt soll er für die Anschuldigungen zur Rechenschaft gezogen werden.


Teheran - Nach dem Vorwurf, Regierungskritiker seien in der Haft vergewaltigt worden, droht dem iranischen Oppositionspolitiker Mehdi Karubi ein juristisches Nachspiel. Zwei Treffen mit Karubi und die von ihm vorgelegten Unterlagen hätten "keinerlei Beweise" für die von ihm erhobenen Anschuldigungen erbracht, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Fars am Samstag aus den Schlussfolgerungen einer von der Justizbehörde eingesetzten Untersuchungskommission.

Karubis Vorwürfe seien "ohne Grundlage, weit entfernt von der Wahrheit und total konstruiert". Die Kommission riet zu einem "gerechten und entschlossenen Vorgehen" gegen die "Verantwortlichen für diese Anschuldigungen und ihre Komplizen". Der iranische Oppositionelle hatte den Behörden Mitte August vorgeworfen, in mehreren Gefängnissen seien regierungskritische Häftlinge sexuell misshandelt worden.

Der Teheraner Militärstaatsanwalt Schokrollah Bahrami teilte nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Mehr unterdessen mit, dass bislang rund 90 frühere Häftlinge des umstrittenen Gefängnisses Kahrisak Beschwerde wegen Misshandlungen in der Haft eingereicht hätten. Sieben beschuldigte Sicherheitsbeamte, darunter der Chef von Kahrisak, wurden demnach inhaftiert.

In einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der italienischen Zeitung "La Stampa" wiederholte Präsidentschaftskandidat Karubi seine Kritik am Wahlverlauf. Wenn der Führer der islamischen Revolution im Iran, Ayatollah Ruhollah Khomeini, noch leben würde, "würde er die Wahlen annullieren ... und die Gewalt und die Morde verurteilen", sagte Karubi der Zeitung. Bei der "systematischen Gewalt" gegen Regierungskritiker unmittelbar nach der Wahl habe es sich um "einen echten Militärputsch" gehandelt.

can/AFP



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