Mögliche Trump-Herausforderin Winfrey Oprah for President?

Bei den Demokraten beginnt die Suche nach dem idealen Präsidentschaftskandidaten für 2020. Treten Showgrößen wie Oprah Winfrey oder Dwayne "The Rock" Johnson gegen Donald Trump an?

Von , Washington


Stimmt, es klingt absurd. Die nächste Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten heißt Oprah Winfrey, bei der Wahl 2020 geht sie gegen Donald Trump ins Rennen. Noch vor wenigen Jahren wäre jeder politische Kommentator, der diese Vorhersage macht, für verrückt erklärt worden. Aber heute? Heute, im Trump-Zeitalter, scheint alles möglich, sogar dieses bizarre "Celebrity"-Duell.

Amerika ist elektrisiert von der Idee: Mit ihrem bemerkenswerten Auftritt bei der Verleihung der Golden Globes hat die TV-Moderatorin die Fantasie all jener beflügelt, die sehnsuchtsvoll das Ende von Trumps politischer Karriere erwarten (hier können Sie ihre Rede im Original nachlesen). "Sie hat eine Rakete gezündet. Ich will, dass sie antritt", erklärte Schauspielerin Meryl Streep verzückt. "Sie hat keine andere Wahl mehr."

Ungenannte "enge Vertraute" von Winfrey raunten dem Nachrichtensender CNN zu, dass sie eine Kandidatur tatsächlich "erwäge". Sofort jagte der Sender die Nachricht als "Breaking News" in die Welt hinaus, auch wenn sich die Moderatoren dabei ein ungläubiges Feixen nicht verkneifen konnten. In der "Washington Post" erklärte ein anonymer Republikaner: "Wenn sie antritt, gewinnt sie - zu 100 Prozent sicher."

Populärer als Trump - und reicher

Ist das alles möglich? Oder ist Amerika jetzt total verrückt geworden? Fest steht: Oprah Winfrey ist in den USA genauso bekannt wie Trump, aber mit Sicherheit weitaus populärer. Sie ist beliebt bei Jungen und Alten, Weißen und Schwarzen, Armen und Reichen. Über 25 Jahre lang war ihre Talkshow "Oprah" eine der meistgesehenen Sendungen im Fernsehen. Gleichzeitig baute sie ein Geschäftsimperium auf, gründete Zeitschriften und einen eigenen TV-Sender. Ihr Vermögen wird auf 2,8 Milliarden US-Dollar geschätzt, damit ist sie sogar reicher als Trump, der bei 2,1 Milliarden Dollar liegen soll.

Video: Die letzte Show der Oprah Winfrey (2011)

Seit Jahren gilt Winfrey, die sich aus ärmlichen Verhältnissen hochgearbeitet hat, als Unterstützerin der Demokraten. Sie half Barack Obama einst im Wahlkampf und setzte sich auch für Hillary Clinton ein. Erst im Juni hatte die Moderatorin in einem Interview erklärt, sie werde sich "definitiv niemals um ein öffentliches Amt bewerben". Bei anderen Gelegenheiten kokettierte sie dann aber wieder mit der Möglichkeit einer Präsidentschaftskandidatur, schloss dies auch trotz mehrmaliger Nachfragen ihrer Interviewpartner nicht aus. Sie sagte nur: "Oh, oh".

Tatsächlich konnte auch ihre Rede bei den Golden Globes stellenweise als Bewerbung um das höchste Amt im Staat verstanden werden. Da erschien sie wie der ideale Gegenentwurf zu Donald Trump. Sie, die Afroamerikanerin, sprach über das Problem der Rassendiskriminierung in den USA, über die Rechte von Frauen, für die sie kämpfen wolle und über eine bessere Zukunft am "Horizont". Ihre Rede war Emotion pur, sie war versöhnlich statt spalterisch, warmherzig statt aggressiv. Das Publikum applaudierte minutenlang, manche Zuhörer hatten vor Rührung Tränen in den Augen.

Auch wenn sich der ganze Oprah-Hype schon bald wieder in Luft auflösen könnte, zeigt er doch vor allem eins: Das Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur 2020 ist so offen, dass Außenseiter wie sie durchaus Chancen hätten, die begehrte Nominierung zu gewinnen. Es gibt keinen klaren Favoriten, der sich aufdrängt, aber etliche Politiker und Nicht-Politiker, denen schon jetzt Ambitionen nachgesagt werden.

Wer bei den Demokraten als Kandidat gehandelt wird

Oprah Winfrey ist ein schillernder Name unter vielen, die aktuell gehandelt werden: Der Action-Schauspieler Dwayne "The Rock" Johnson denkt offenbar an eine Kandidatur, ebenso wie der Schauspieler Tom Hanks oder der frühere Chef der Kaffeehaus-Kette Starbucks, Howard Schultz.

Trotz der ersten Begeisterung für eine mögliche Oprah-Kandidatur gibt es bei den Demokraten auch reichlich Stimmen, die die Idee für Nonsens halten. Der Wahlkampf-Stratege David Axelrod meinte, er könne sich vorstellen, dass es nach Trump eher wieder das Bedürfnis nach einem erfahrenen Politiker im Präsidentenamt geben könnte.

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Oprah, Johnson, Sanders: Mögliche Trump-Herausforderer

Als ziemlich sicher gilt, dass Senator Bernie Sanders erneut seinen Hut in den Ring werfen wird. Im Gespräch sind natürlich auch andere übliche Verdächtige aus dem demokratischen Partei-Establishment: Ex-Vizepräsident Joe Biden soll (wieder einmal) mit einer Kandidatur liebäugeln, ebenso die (linke) Senatorin Elizabeth Warren. Auch die Namen der vergleichsweise jungen Senatoren Cory Booker (New Jersey), Kirsten Gillibrand (New York) und Kamala Harris (Kalifornien) werden immer wieder als mögliche Trump-Herausforderer genannt.

Das alles sind bekannte Namen, sicherlich. Aber viele Demokraten ahnen wohl, dass sie sich bei der nächsten Präsidentenwahl etwas Besonderes ausdenken müssen, wenn sie gegen Trump gewinnen wollen. Zwar mag der Präsident derzeit schwach wirken. Doch der letzte Wahlkampf hat gezeigt, dass er es auf jeden Fall versteht, eine Wahl zu drehen. Vielleicht könne unter den heutigen politischen Bedingungen eine Show-Berühmtheit wie Donald Trump nur von einer anderen Show-Berühmtheit geschlagen werden, meint der Washingtoner Polit-Stratege Rick Wilson, ein Republikaner.

Die Oprah-Fans sind sich jedenfalls sicher, dass nur ihre Kandidatin gegen Trump gewinnen könnte. "Im Gegensatz zu Trump ist sie eine Versöhnerin", schwärmt der frühere Obama-Berater Joshua Dubois. Und der neokonservative Kolumnist und Trump-Kritiker Bill Kristol twitterte halb im Ernst, halb im Scherz: "Ich bin für sie - sie ist reicher als Trump. Sie hat mehr Bücher gelesen als Trump. Sie ist stabiler als Trump. Und gegen sie wird nicht ermittelt."

Trump schweigt sich zu dem ganzen Trubel übrigens (noch) aus. Von ihm ist allerdings ein kurioses TV-Interview von 1999 überliefert. Da spricht er von seinen eigenen Präsidentschaftsambitionen und verrät seine Lieblingskandidatin als Vizepräsidentin: Oprah Winfrey. Sie sei seine erste Wahl, so Trump damals. Denn: "Ich liebe Oprah."

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bigmitt 09.01.2018
1. Gegen Trump....
"Und der neokonservative Kolumnist und Trump-Kritiker Bill Kristol*twitterte*halb im Ernst, halb im Scherz: "Ich bin für sie - sie ist reicher als Trump. Sie hat mehr Bücher gelesen als Trump. Sie ist stabiler als Trump. Und gegen sie wird nicht ermittelt" ...wird auch nicht ermittelt, auch wenn die Spiegel Berichterstattung es vordergründig so aussehen lässt. Die Demokraten müssen endlich progressive Themen besetzen und vielversprechende Kandidaten in Position bringen. Ich bin glühender Bernie Supporter , jedoch denke Ich mit fast 75 wird er sich für Nina Turner oder Tulsi Gabbard als Kandidatin einsetzen und selber nicht mehr Antreten. Es darf keine Zeit mehr mit der Russland Hysterie vergeudet werden. Klare Abgrenzung thematisch zu den Republikanern. Dazu gehört auch ein absolutes Bekenntnis zu Universal Health Care ( nicht wie Chuck Schumer ), klares Nein zu Fracking, Reform der Wahlkampffinanzierung und Rückkehr zu Bankenregulierung ( Glass- Steagall). Dann könnte es mit der Ablösung von 45 klappen.
Teddi 09.01.2018
2. Super, ich bin dafür
Das wäre die rauschende Antwort auf das Trump Desaster. Oprah ist ein äußerst intelligenter, hoch erfahrener und lobenswert anständiger Mensch, ausgestattet mit allem, was es braucht, Präsidentin zu werden. Ich hoffe, sie wird sich stellen, denn ich glaube, es braucht eine so besondere Persönlichkeit, um Amerika vor dem Rutsch ins Düstere zu bewahren. Ich glaube auch, dass sie bei Wahlen eine überwältigende Mehrheit der Stimmen bekommen würde. Sie würde versöhnend auf die Menschen einwirken und nur im Krassfalle eine strafende Hand zeigen. Oprah als Präsident, welch eine erfrischende Idee!
bluraypower 09.01.2018
3. Und Michelle Obama?
Michelle Obama könnte Trump auch schlagen, ohne Probleme. Sie wäre eine Kandidatin, die sich in der Politik auskennt durch ihren Mann, den ich immer noch verehre und nachtrauere. Sie sollte sich das überlegen und ihre Art zu reden, dagegen hat Trump nicht den Hauch einer Chance. Michelle for the President....
Actionscript 09.01.2018
4. Sie ist eine Frau.
Sie ist schwarz. Sie ist intelligent und beliebt. Sie wäre eine gute Wahl als nächster Präsident. Auch wenn sie politisch nicht erfahren ist, sie könnte das Handwerk lernen. Da die Demokraten bis auf Biden momentan keinen geeigneten Kandidaten haben, ist Oprah eine sehr gute Wahl. Endlich kommen mal gute Nachrichten aus USA.
5b- 09.01.2018
5. Bla bla bla
Hätten die Demokraten Sanders statt Clinton aufgestellt, hätten sie eine Chance gehabt. Sanders galt nämlich wie Trump auch als anti establishment. Hillary Clinton galt schon vor dem Wahlkampf als korrupt. Bernie Sanders ist vielleicht manchmal sehr idealistisch, er scheint aber sein Herz noch am rechten Fleck zu haben.
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