Belgrad - Es läuft nicht gut für Ivica Dacic. Kürzlich wurde Serbiens Ministerpräsident Opfer eines TV-Scherzes: Bei einem Interview saß dem Politiker ein Model ohne Unterwäsche gegenüber, die Szene erinnerte stark an den Hollywood-Film "Basic Instinct" (siehe Video unten). Dacic reagierte mit einem verlegenen Lächeln, als die Frau ihre Sitzhaltung änderte. Mehr als 5,6 Millionen Nutzer sahen sich bislang das Video der Versteckte-Kamera-Sendung "Mission Impossible" an. Dacics Sicherheitsberater kündigte wütend eine Untersuchung des Falls an.
Doch jetzt hat der Regierungschef ein viel ernsteres Problem: Dacic steckt wegen eingeräumter Mafiakontakte in Schwierigkeiten. Der Premier und sein engster Mitarbeiter hätten Ende 2008 von der Drogenbande des Mafiabosses Darko Saric abhörsichere Handys erhalten, berichtete die größte Zeitung "Blic" am Montag in Belgrad.
Dacic hatte die Mafiakontakte am Wochenende zwar bestätigt. Er habe damals als Innenminister aber nicht gewusst, dass der Kontaktmann ein hochrangiges Mitglied der Organisierten Kriminalität war. Doch die Zweifel an dieser Version mehren sich. Audio- und Videobeweise der Polizei widersprächen der Behauptung von Dacic, er habe von der wahren Identität seines Gesprächspartners keine Ahnung gehabt, berichtete die Zeitung "Informer".
Dacic erhob seinerseits schwere Vorwürfe gegen die Polizei, die ihn als Dienstherren nicht informiert habe. Er solle erpresst und in Misskredit gebracht werden. Wer hinter diesen angeblichen Attacken stehe, sagte Dacic nicht.
Keine Neuwahlen
In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass die Polizei umfangreiche Video- und Audiobeweise besitzt, wonach wenigstens ein früherer Minister, die zwei ehemals höchsten Polizeibeamten und Dacic selbst Mafiakontakte gepflegt hätten. Diese Kontakte hätten zwischen 2008 und 2010 stattgefunden. Der untergetauchte 43-jährige Saric hatte 2009 2,7 Tonnen Kokain aus Südamerika nach Europa geschmuggelt. Die Saric-Bande soll nach amtlichen Angaben im Jahr eine Milliarde Euro eingenommen haben.
Neuwahlen lehnte Dacic strikt ab. Der Chef der Sozialistischen Partei (SPS) ist seit Mitte vergangenen Jahres Premier in Serbien. Und auch die Fortschrittspartei (SNS) als Seniorpartner in der Koalition sprach sich am Montag gegen vorzeitige Parlamentswahlen aus. Die staatlichen Interessen seien wichtiger als die Interessen der SNS, sagte ihr Vorsitzender Aleksandar Vucic am Montag in Belgrad nach einem Treffen der Parteiführung. Allerdings solle der Kampf gegen die Korruption und die Mafia "ohne Ansehen der Person" weitergehen. Vucic ist auch Verteidigungsminister und Geheimdienstkoordinator.
Die SNS hatte in den vergangenen Monaten wegen ihres Kampfes gegen die allgegenwärtige Korruption in der Bevölkerung viel Sympathie gewonnen: Der Landwirtschaftsminister der letzten serbischen Regierung ist seit Monaten in U-Haft, genauso wie ein enger Freund des früheren Regierungschefs Mirko Cvetkovic. Wegen 300 Millionen Euro Schaden wurden mehr als zwei Dutzend Führungskräfte der Agrobanka verhaftet. Der reichste Serbe Miroslav Miskovic sitzt wie sein Sohn Marko seit Dezember im Untersuchungsgefängnis.
als/dpa/AFP
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