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Türkischer Schriftsteller Pamuk: "Die EU hat alle Werte vergessen"

Türkischer Autor Pamuk (Archivbild): Klare Worte in Richtung Brüssel Zur Großansicht
DPA

Türkischer Autor Pamuk (Archivbild): Klare Worte in Richtung Brüssel

In der Flüchtlingskrise braucht Europa die Hilfe der Türkei - und sieht dafür laut Nobelpreisträger Orhan Pamuk über gravierende Menschenrechtsverletzungen der Regierung in Ankara hinweg.

Der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk hat der Europäischen Union vorgeworfen, wegen der Zusammenarbeit mit der Türkei in der Flüchtlingskrise die Beschneidung der Freiheitsrechte in dem EU-Bewerberland zu ignorieren. "Sie haben alle Werte vergessen", sagte Pamuk der Zeitung "Hürriyet".

Die EU wolle lediglich, dass die Türkei die Flüchtlingszahlen reduziere und am Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) teilnehme, kritisierte Pamuk. Im Gegenzug sehe die EU über Menschenrechtsverletzungen und die Verhaftung von Journalisten hinweg.

Die EU hatte sich im November mit der türkischen Regierung auf einen Aktionsplan geeinigt, der Ankara dazu verpflichtet, mehr zur Verringerung des Flüchtlingszuzugs in Europa zu tun. Im Gegenzug soll die Türkei Milliardenhilfen erhalten und mit Fortschritten im EU-Beitrittsprozess belohnt werden.

Pamuk ist ein Befürworter des türkischen Europastrebens und wirbt für eine Stärkung der Meinungsfreiheit in seinem Land. Im Jahr 2005 wurde er wegen des Vorwurfs der "Beleidigung des Türkentums" vor Gericht gebracht, das Verfahren aber später eingestellt.

In dem "Hürriyet"-Interview zeigte sich der Schriftsteller zudem tief beunruhigt über die Inhaftierung von Can Dündar, dem Chefredakteur der Oppositionszeitung "Cumhuriyet". Die Staatsanwaltschaft wirft Dündar unter anderem Teilnahme an einem Umsturzversuch gegen die Regierung vor und fordert lebenslange Haft. Pamuk hatte sich zusammen mit zahlreichen anderen türkischen Intellektuellen öffentlich mit Dündar solidarisiert.

Enttäuscht äußerte sich Pamuk auch über die Haltung der türkischen Wähler, die der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP bei der Wahl im November eine große Parlamentsmehrheit beschert hatten. Sie hätten im November vor allem für wirtschaftliche Stabilität votiert. Die Pressefreiheit und andere Freiheitsrechte seien ihnen dagegen nicht so wichtig, so der Autor.

jok/AFP

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