Massaker in Orlando Ehefrau des Attentäters droht Anklage

War die Frau des Orlando-Attentäters in seine Pläne eingeweiht? Mit ihrer Aussage beim FBI hat sie sich offenbar selbst belastet.

Tatort in Orlando
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Tatort in Orlando


Amerikanische Ermittler untersuchen derzeit, welche Rolle die Ehefrau von Omar Mateen bei dem Attentat in Orlando spielt. Der 29-Jährige hatte am Wochenende in dem Nachtklub Pulse 49 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt; er selbst wurde von Polizisten erschossen.

Seine zweite Ehefrau Noor Salman wusste US-Medienberichten zufolge von den Anschlagsplänen. Sie habe beim FBI ausgesagt, dass sie ihren Ehemann habe stoppen wollen, berichtet der Sender NBC News und beruft sich dabei auf mehrere nicht genannte Quellen. Demnach fuhr Salman ihren Ehemann mindestens einmal ins Pulse - er habe den vor allem bei Schwulen beliebten Klub auskundschaften wollen. Salman müsse mit einer Anklage rechnen, berichtet NBC unter Verweis auf Justizkreise.

Auch Fox News meldet, Salman sei in die Pläne ihres Ehemannes eingeweiht gewesen. Der Sender beruft sich auf eine FBI-Quelle, die namentlich nicht genannt werden wolle. Demnach habe Salman nichts unternommen, um ihren Ehemann aufzuhalten.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet mit Verweis auf Justizkreise, die Ehefrau könnte bereits am Freitag angeklagt werden.

Noor Salman ist die zweite Ehefrau des Attentäters, die beiden haben einen drei Jahre alten Sohn. Sie selbst äußerte sich bisher nicht öffentlich zu den Vorfällen. Mateens erste Ehefrau hatte den 29-Jährigen kurz nach dem Massaker als gewalttätig und psychisch labil bezeichnet.

Die Suche nach dem Motiv

Die Ermittler suchen noch immer nach dem Motiv des Attentäters. Sie schließen weiterhin nicht aus, dass es Mittäter oder Helfershelfer gibt.

Mateen selbst - US-Bürger mit afghanischen Wurzeln - hatte sich auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" berufen. Doch nach vorläufigen Erkenntnissen des FBI handelt es sich bei dem 29-Jährigen um einen Einzeltäter ohne Zugehörigkeit zu einem Extremistennetzwerk, der sich über das Internet radikalisiert habe. Es werde aber auch weiter ermittelt, welche Rolle "homophober Fanatismus" gespielt habe, sagte FBI-Chef James Comey.

Verschiedene US-Medien berichteten, Mateen könne womöglich selbst homosexuell gewesen sein. Besucher des Pulse hatten angegeben, Mateen häufiger in dem Klub gesehen zu haben. Zudem habe er eine Dating-App für Homosexuelle benutzt. Das FBI überprüft auch diese Angaben, Belege dafür gibt es bisher aber nicht. Eine Sprecherin der Klubinhaberin sagte, Mateen sei kein regelmäßiger Gast im Pulse gewesen. Mateens Vater gab an, sein Sohn sei nicht homosexuell gewesen - sollte er im Pulse gewesen sein, dann womöglich, um den Klub auszukundschaften.

Trump gegen Obama, Obama gegen Trump

Das Attentat in Orlando wird seit Tagen im US-Wahlkampf instrumentalisiert. Am Dienstag reagierte nun Barack Obama auf die Attacken des republikanischen Präsidentschaftsanwärters Donald Trump und auf dessen Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime.

"Wo soll das enden?", sagte der sichtlich aufgebrachte Präsident. "Werden wir alle muslimischen Amerikaner anders behandeln? Werden wir damit anfangen, sie einer besonderen Beobachtung zu unterziehen? Werden wir beginnen, sie wegen ihres Glaubens zu diskriminieren?"

Trump konterte die Kritik während einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat North Carolina: "Ich habe heute Präsident Obama zugesehen, und er war zorniger auf mich als auf den Schützen." Schon am Montag hatte Trump dem Präsidenten vorgeworfen, "nicht besonders wütend darüber zu sein, was diesen wundervollen Menschen passiert ist".

Videoanalyse: Wie Trump Hass auf Muslime schürt

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aar/Reuters/AP/dpa

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