Trump-Getreuer Senator Orrin Hatch hört auf - nach 40 Jahren

Mehr als 40 Jahre lang hat er für die Republikaner und den Bundesstaat Utah im US-Senat gesessen, nun sagt Orrin Hatch: Zum Jahresende ist Schluss mit der Politik. Für Donald Trump eine schlechte Nachricht.

Senator Orrin Hatch
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Senator Orrin Hatch


Kein US-Republikaner hat länger im Senat gesessen, keiner so viele Gesetze auf den Weg gebracht, so viele Richter berufen - und der krönende Abschluss war dann die Verabschiedung der Steuerreform, die sich seine Partei so lange gewünscht hatte. Aber nun, nach sieben Wiederwahlen und mehr als 40 Jahren im Senat, macht Orrin Hatch Schluss mit der Politik. "Nach vielen Gebeten und langen Gesprächen mit meiner Familie und Freunden", sei er über die Feiertage zu dieser Entscheidung gekommen, sagte Hatch in einer via Twitter verbreiteten Videobotschaft.

Man sieht ihm an, dass ihm der Entschluss nicht leicht gefallen ist - trotz seiner 83 Jahre. Aus Washington kam zudem mächtig Druck weiterzumachen und auch bei der nächsten Senatswahl noch einmal anzutreten. US-Präsident Donald Trump war im vergangenen Monat persönlich bei Hatch vorstellig geworden, um ihn zum Bleiben zu bewegen. "Er hat mir gesagt, dass ich ein Kämpfer bin", sagt Hatch in seiner Botschaft. "Und das stimmt, ich war immer ein Kämpfer. Als junger Kerl war ich ein Amateurboxer, und meinen Kampfgeist habe ich auch mitgebracht nach Washington. Doch jeder gute Boxer weiß auch, wann die Zeit gekommen ist, die Handschuhe an den Nagel zu hängen."

Orrin Hatch war einer der treuesten Gefolgsleute Trumps, von ihm stammt die - selbst unter Republikanern seltene - Prognose, man werde seine Präsidentschaft zur größten machen, die man in den vergangenen Generationen gesehen habe - "vielleicht sogar zur größten aller Zeiten".

Donald Trump, Unterstützer Orrin Hatch
AP

Donald Trump, Unterstützer Orrin Hatch

Warum Trump den Rückzug Hatchs bedauern dürfte

Für Trump ist allerdings nicht nur der Verlust eines wichtigen Verbündeten die schlechte Nachricht - sondern auch der Name des Mannes, der wahrscheinlich die Nachfolge von Hatch als Senator für Utah antreten wird: Ausgerechnet Mitt Romney, ein harscher Kritiker des US-Präsidenten, rechnet sich gute Chancen aus, die Wahl in dem Bundesstaat zu gewinnen. Zur Erinnerung: Romney, 2008 selbst Bewerber für die Nominierung zur Präsidentschaftswahl und 2012 schließlich Kandidat der Republikaner für das höchste Amt, hatte Trump im Wahlkampf 2016 unter anderem als "fraud" bezeichnet, als Hochstapler, Betrüger. Und das war nicht das einzige Kompliment von diesem Kaliber.

Romney ließ zunächst nicht erkennen, ob er 2018 in Utah tatsächlich antreten will; er bedankte sich via Facebook staatsmännisch für die großartigen Dienste, die Hatch für seinen Bundesstaat geleistet habe: "Er hat die Interessen Utahs ausgezeichnet und immer würdig vertreten. Ich schließe mich den Bürgern von Utah an mit meinem Dank für 40 Jahre im Dienst unseres großartigen Bundesstaats und der gesamten Nation."

Die Strategen im Weißen Haus rechnen jedoch fest mit Romneys Kandidatur - und ihnen sei "nicht besonders wohl dabei", den innerparteilichen Trump-Gegner demnächst im Senat zu sehen. schreibt die "New York Times".

Trump hat wohl einen für seine Verhältnisse wahrhaftigen Tweet abgesetzt, als er die "unglaubliche Laufbahn" von Orrin Hatch in der Politik pries. Er sei ein "großartiger Unterstützer" gewesen und werde noch schmerzlich vermisst werden.

Hatch soll übrigens, das nur der Vollständigkeit halber, 1976 seinen Gegner im ersten Wahlkampf dafür attackiert haben, dass er nun schon seit 18 Jahren amtiere. Es sei an der Zeit, Platz zu machen. Hatch selbst hat sich dann noch etwas länger Zeit gelassen damit.

oka/AP/Reuters

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
reflexxion 03.01.2018
1. perverses Wahlsystem
OK, bei uns ist es sicher nicht anders, aber wieso ist es überhaupt möglich 40 Jahre lang Abgeordneter zu bleiben? Der Typ ist 83, machen wir uns nichts vor - in dem Alter lässt längst alles nach - auch geistige Fähigkeiten. Einen Bezug zur realen Welt abseits der Politik haben solche Dauerpolitiker sowieso nicht mehr. Also, ändert das passive Wahlrecht daraufhin, das man nur sagen wir 12 Jahre Abgeordneter sein darf und spätestens mit 65 -67 aufhören muss, wie normale Arbeitnehmer eben auch.
geotie 03.01.2018
2.
Zitat von reflexxionOK, bei uns ist es sicher nicht anders, aber wieso ist es überhaupt möglich 40 Jahre lang Abgeordneter zu bleiben? Der Typ ist 83, machen wir uns nichts vor - in dem Alter lässt längst alles nach - auch geistige Fähigkeiten. Einen Bezug zur realen Welt abseits der Politik haben solche Dauerpolitiker sowieso nicht mehr. Also, ändert das passive Wahlrecht daraufhin, das man nur sagen wir 12 Jahre Abgeordneter sein darf und spätestens mit 65 -67 aufhören muss, wie normale Arbeitnehmer eben auch.
Wie die Politiker sobis ins hohe Alter durchhalten. Und dabei denken, dass jeder so 'hart' arbeitet, denn nicht umsonst wollen die Politiker das alle anderen auch bis ins hohe Alter arbeiten. Am Besten, Rente zahlen und eventuell mit 83 Jahren davon etwas bekommen. Ansonsten, Politiker sollen nach 2 oder 3 Wahlperioden abdanken müssen, da die dann eh keine Verbindung zum einfachen Volk mehr haben.
MiniDragon 03.01.2018
3. Um Verbindung einfachen Volk
Zitat von geotieWie die Politiker sobis ins hohe Alter durchhalten. Und dabei denken, dass jeder so 'hart' arbeitet, denn nicht umsonst wollen die Politiker das alle anderen auch bis ins hohe Alter arbeiten. Am Besten, Rente zahlen und eventuell mit 83 Jahren davon etwas bekommen. Ansonsten, Politiker sollen nach 2 oder 3 Wahlperioden abdanken müssen, da die dann eh keine Verbindung zum einfachen Volk mehr haben.
zu halten, bräuchten sie nur jeden Tag eine Stunde lang die Diskussionen in diesem Forum zu verfolgen!
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