Spekulation um CIA-Helfer: Wer verriet Osama Bin Laden?

Von , Islamabad

Wer half der CIA, Osama Bin Laden aufzuspüren? Ein renommierter US-Journalist behauptet in seinem Buch, ein pakistanischer Geheimdienstoffizier habe den Terrorfürsten verraten. Angeblich wollten die USA eine andere Version vom Tod des Qaida-Chefs präsentieren - doch der Plan ging gründlich schief.

Spekulationen um CIA-Helfer: Wer verriet Osama Bin Laden? Fotos
AP

Der Tod Osama Bin Ladens wird wohl als eines der Ereignisse in die Weltgeschichte eingehen, um die sich ewig Mysterien ranken. Bis heute, bald 16 Monate nach dem nächtlichen Einsatz eines Navy-Seals-Teams im nordpakistanischen Abbottabad, ist unklar, wie die USA dem meistgesuchten Terroristen der Welt auf die Schliche kamen.

Glaubt man Richard Miniter, einem Bestsellerautor und Journalisten, verriet ein Mitarbeiter des pakistanischen Militärgeheimdienstes Inter Services Intelligence (ISI) Bin Laden. Demnach lieferte der Offizier vom Dienstgrad Oberst den entscheidenden Hinweis, als er im August 2010 den CIA-Chef an der US-Botschaft in der pakistanischen Botschaft in Islamabad aufsuchte.

Unklar bleibt aber, was genau der Mann dem US-Geheimdienst verriet und was sein Motiv war. "War es ein geheimes Signal, dass der Chef des ISI persönlich einen Hinweis über Bin Ladens Versteck gab, oder war der Oberst, wie er selbst behauptete, jener Patriot, der Extremismus hasste?", fragt Miniter in seinem soeben erschienenen Buch ("Leading from Behind: The Reluctant President and the Advisors Who Decide for Him").

Miniter, der unter anderem für die "New York Times", die "Washington Post" und das "Wall Street Journal" schrieb, beruft sich auf CIA-Quellen. Demnach sei Pakistans mächtiger Armeechef General Ashfaq Parvez Kayani vier Monate später, im Dezember, von den USA über einen geplanten Schlag gegen Bin Laden informiert worden. "Es wurden keine konkreten Informationen weitergegeben, aber eine informelle Erlaubnis [für den Kommandoeinsatz] eingeholt", schreibt er.

USA und Pakistan einigten sich auf eine Drohnengeschichte

Stimmt diese Version der Geschichte, wäre das für Pakistan eine Blamage. Denn die Regierung in Islamabad behauptet seit der Tötung Bin Ladens, nichts von dessen jahrelanger Präsenz in Pakistan gewusst zu haben. Die Fragen, ob der Terrorchef Helfer in Pakistan hatte - was sehr wahrscheinlich ist - und wer diese waren, sind bislang ungeklärt. Die Veröffentlichung eines Berichts einer vierköpfigen Regierungskommission mit Aussagen von wichtigen Akteuren, darunter den in Abbottabad festgenommenen Witwen Bin Ladens, wurde mehrfach verschoben. Ein Eingeständnis, von Bin Ladens Versteck gewusst zu haben, dürfte darin ohnehin nicht enthalten sein.

Miniter behauptet jedoch, das Grundstück, auf dem Bin Laden sich versteckt hielt, habe der nur wenige hundert Meter entfernten pakistanischen Militärakademie gehört. Ein Armeesprecher weist das als "Unsinn" zurück. Doch der Journalist geht noch weiter. Seinen namentlich nicht genannten CIA-Quellen zufolge einigten sich Washington und Islamabad darauf, der Welt eine Geschichte aufzutischen, die Pakistan das Gesicht wahren lassen sollte: Demnach sollte verbreitet werden, dass Bin Laden bei einem Drohnenangriff ums Leben gekommen sei und dass die USA später ein Team losgeschickt hätten, um seine Leiche zu bergen.

Doch bei der Kommandoaktion in Abbottabad stürzte ein US-Hubschrauber in Bin Ladens Vorgarten und musste zurückgelassen werden. Wie sollte das der Öffentlichkeit erklärt werden? Washington verlangte von Pakistan, dass Reporter das Wrack auf keinen Fall fotografieren dürften und dass es sofort an die USA übergeben werden sollte. Doch die Geschichte von dem Drohnenangriff war geplatzt, Pakistan stand blamiert da - als Bin Ladens jahrelange Heimat, als Anti-Terror-Partner, dem die USA nicht vertrauen und den sie in diese wichtige Aktion nicht einbinden. "Wir haben Pakistan in eine Krise gestürzt", zitiert Miniter einen CIA-Vertreter.

Ließ Al-Qaida Bin Laden fallen?

Ob diese Angaben von CIA-Quellen korrekt sind, ob also diese Version der Geschichte wahr ist, lasse sich nicht unabhängig überprüfen, räumt Miniter ein. Allerdings passe dazu, dass Präsident Barack Obama nie darauf gedrängt habe, die milliardenschwere Militärhilfe für Pakistan zu kürzen, obwohl Bin Laden so nah bei der Militärakademie lebte.

Der pensionierte pakistanische Brigadegeneral Shaukat Qadir sieht in Miniters Buch den Versuch eines konservativen Journalisten, im US-Wahlkampf Obama zu beschädigen. Tatsächlich befasst sich Miniter mit mehreren wichtigen Entscheidungen Obamas, darunter in der Gesundheits-, Steuer- und Nahostpolitik. Auch bei der Tötung Bin Ladens kommt er zu dem Schluss, dass Obama keineswegs der starke Führer sei, als der er sich in dieser Angelegenheit präsentiert. Dreimal habe Obama Anfang 2011 Einsätze gegen Bin Laden abgesagt, im Januar, Februar und im März. Nur auf Druck seiner Berater und von Außenministerin Hillary Clinton habe er den Schritt in der Nacht auf den 2. Mai 2011 gewagt.

Qadir hat selbst Bekanntheit erlangt mit der Theorie, eine von Bin Ladens Witwen habe ihren Mann verraten - aus Eifersucht auf eine jüngere Frau. Seinen Bericht hat er kürzlich als elektronisches Buch veröffentlicht, in einigen Wochen erscheint er in Pakistan in gedruckter Form. Demnach wollte al-Qaida seinen Chef loswerden. "Als meistgesuchter Terrorist der Welt wurde er zur Belastung", sagt Qadir. Deshalb habe das Terrornetzwerk die Eifersucht einer der Ehefrauen Bin Ladens genutzt, um ihn den Amerikanern ans Messer zu liefern.

Mit Spannung wird nun das für den 11. September angekündigte Buch eines Ex-Navy-Seals erwartet, der beim Einsatz gegen Bin Laden dabei war. Der Autor, der unter dem Pseudonym Mark Owen schreibt, wolle "Missverständnisse über den Militäreinsatz gegen Bin Laden" ausräumen, teilte der Verlag Dutton mit. Der US-Sender Fox entlarvte die wahre Identität des Mannes. Prompt verbreitete al-Qaida im Internet Fotos und den Namen des Ex-Soldaten und rief zu seiner Ermordung auf.

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1. Moment mal!
Duzend 27.08.2012
Zitat von sysopWer half der CIA, Osama Bin Laden aufzuspüren? Ein renommierter US-Journalist behauptet in seinem Buch, ein pakistanischer Geheimdienstoffizier habe den Terrorfürst verraten. Angeblich wollten die USA eine andere Version vom Tod des Qaida-Chefs präsentieren - doch der Plan ging gründlich schief. Osama Bin Laden: Buch-Autor Richard Miniter spekuliert über Verräter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852290,00.html)
Es wäre eine Blamage für die Regierung Pakistans, wenn sich herausstellte, der entscheidende Hinweis zur Ergreifung Osama Bin Ladens sei von einem Offizier des ISI gegeben worden? Hm! Hmm! Also dass ein Geheimdienst ein Eigenleben führt und eher ausländische Kontaktleute von ihm informiert und eingeweiht werden als die zugehörige Regierung, das kennen wir doch auch aus solchen prima Republiken wie USA und BRD. Sollen sich diese Regierungen jetzt auch alle schämen? Wollen wir mal bloss hoffen, dass die noch wissen, wie's geht.
2. Moment mal!
Duzend 27.08.2012
Zitat von sysopWer half der CIA, Osama Bin Laden aufzuspüren? Ein renommierter US-Journalist behauptet in seinem Buch, ein pakistanischer Geheimdienstoffizier habe den Terrorfürst verraten. Angeblich wollten die USA eine andere Version vom Tod des Qaida-Chefs präsentieren - doch der Plan ging gründlich schief. Osama Bin Laden: Buch-Autor Richard Miniter spekuliert über Verräter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852290,00.html)
Es wäre eine Blamage für die Regierung Pakistans, wenn sich herausstellte, der entscheidende Hinweis zur Ergreifung Osama Bin Ladens sei von einem Offizier des ISI gegeben worden? Hm! Hmm! Also dass ein Geheimdienst ein Eigenleben führt und eher ausländische Kontaktleute von ihm informiert und eingeweiht werden als die zugehörige Regierung, das kennen wir doch auch aus solchen prima Demokratien wie USA und BRD. Sollen sich diese Regierungen jetzt auch alle schämen? Wollen wir mal bloss hoffen, dass die noch wissen, wie's geht.
3.
themistokles 27.08.2012
Zitat von sysopWer half der CIA, Osama Bin Laden aufzuspüren? Ein renommierter US-Journalist behauptet in seinem Buch, ein pakistanischer Geheimdienstoffizier habe den Terrorfürst verraten. Angeblich wollten die USA eine andere Version vom Tod des Qaida-Chefs präsentieren - doch der Plan ging gründlich schief. Osama Bin Laden: Buch-Autor Richard Miniter spekuliert über Verräter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852290,00.html)
Alleine die Tatsache, dass die US- Regierung und der CIA eine andere Geschichte erzählen wollten, besagt schon viel über die in die Öffentlichkeit gelangte Geschichte der Ermordung von Bin Laden und stellt die Frage, in wie weit DIESER Geschichte dann zu trauen ist. Alternaivszenario A:Die USA wussten die ganze Zeit wo er ist und haben nur einen medial günstigen Zeitpunkt abwarten wollen. Alternativszenario B: Auch hier wurde uns ein Bär aufgebunden und Bin Laden ist schon lange tot. Schließlich konnte das Versenken der Leiche nicht schnell genug gehen. (VT off) ;-) Wer übrigens mehr über das desolate Vorgehen der CIA in der Geschichte lesen möchte: CIA: Die ganze Geschichte: Amazon.de: Tim Weiner,Elke Enderwitz,Ulrich Enderwitz,Monika Noll,Rolf Schubert: Bücher (http://www.amazon.de/CIA-ganze-Geschichte-Tim-Weiner/dp/3100910702)
4. Was soll denn dieser Artikel?
aramis45 27.08.2012
Versteh nicht warum man hier im "Spiegel"sich über so etwas Gedanken macht? " ...- doch der Plan ging gründlich schief." Hört sich an als wenn Spon bedauert das die USA diesen Bin Laden eliminiert haben! So sollte man sich lieber mal Gedanken machen warum Bin Laden so viele Helfer in Deutschland hatte und noch hat! Kaum zu glauben diese deutschen journalistischen Spitzfindigkeiten!
5.
huggi 27.08.2012
Zitat von themistoklesAlleine die Tatsache, dass die US- Regierung und der CIA eine andere Geschichte erzählen wollten, besagt schon viel über die in die Öffentlichkeit gelangte Geschichte der Ermordung von Bin Laden und stellt die Frage, in wie weit DIESER Geschichte dann zu trauen ist. ...
... was veranlasst Sie denn dazu bei diesem Gesellen von einer Ermordung auszugehen? Tyrannenmord würde ich mir ja noch gefallen lassen, aber Mord?
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Den 11. September
"Wir berechneten im Voraus, wie viele Verluste der Feind erleiden würde. Wir nahmen als Grundlage die Position des Turms und errechneten, wie viele getötet werden würden. Wir schätzten, dass ungefähr drei bis vier Stockwerke getroffen werden würden. Ich war besonders optimistisch ..., weil ich auf diesem Gebiet bereits Erfahrung habe. Ich vermutete, das brennende Benzin würde die Eisenträger des Gebäudes schmelzen. Aber ich dachte nur, dass die Einschlagstelle und die Stockwerke darüber einstürzen würden. Mehr wagten wir nicht zu hoffen."

November 2001, zitiert nach: Abou-Taam/Bigalke: "Die Reden des Osama Bin Laden"
Den Irak-Krieg
"Ich jubele darüber, dass Amerika in den Schlammlöchern des Tigris und Euphrat steckengeblieben ist... Bush glaubt, der Irak und sein Öl seien leichte Beute, und nun steckt er durch die Gnade Gottes fest und kann weder vor noch zurück. Amerika schreit aus voller Kehle, während es vor den Augen der Welt auseinanderbricht."

Oktober 2003, zitiert nach: Coll: "Die Bin Ladens. Eine arabische Familie"
Amerika
Im September 2007 wandte sich Osama Bin Laden "an die Amerikaner": "So wie ihr euch zuvor aus der Sklaverei der Mönche, Könige und Feudalherren befreit habt, so solltet ihr euch jetzt von den Irreführungen ... des kapitalistischen Systems befreien."

Politische, geschichtliche und moralische Erörterungen vermischend, zeichnet Bin Laden das Bild einer Nation, die auf der Verliererstraße ist. Obwohl militärisch übermächtig, könnten die Amerikaner im Irak nicht gewinnen - weil sie zwar moralisch argumentierten, in Wahrheit aber nur den Interessen internationaler Konzerne folgten.

Das Ansehen der USA sei deswegen ruiniert. Um "den Krieg zwischen uns" zu stoppen, gebe es zwei Möglichkeiten: Entweder die Mudschahidin stellten die Kampfhandlungen ein, was aber nicht gehe, weil sie eine Pflicht erfüllten. Oder die USA sähen endlich ein, dass sie die Verlierer im Irak seien. Es sehe aber so aus, als würden sie die eigenen Fehler aus dem Vietnam-Krieg und die der Sowjets aus dem Afghanistan-Feldzug wiederholen und sich vor der besseren Einsicht drücken.

Es gebe allerdings einen Ausweg, sagte Bin Laden weiter: Die Amerikaner sollten "nach einem alternativen, aufrechten Weg suchen", in dem es nicht darum gehe, andere zum eigenen Nutzen zu unterdrücken. Natürlich hat dieser Weg auch einen Namen: Die Amerikaner sollen zum Islam konvertieren.
Die Europäer
"Unsere Aktionen sind nur eine Antwort auf eure Aktionen - eure Zerstörung und und euren Mord an unseren Leuten, ob in Afghanistan, im Irak oder Palästina... Nach welchem Glauben sind eure Toten wertvoll und unsere wertlos? Nach welcher Logik zählt euer Blut als echt und unseres als Wasser? Vergeltung ist Teil von Gerechtigkeit, und der, der feindliche Akte zuerst begeht, ist der, der unrecht handelt. Ich rufe alle Männer, insbesondere Gelehrte, die Medien und Geschäfstleute dazu auf, eine permanente Kommission einzuberufen, um in Europa das Bewusstsein für unsere gerechten Gründe zu stärken... Ich mache einen Friedensvorschlag, der im Kern die Verpflichtung darstellt, alle Operationen gegen jeden Staat einzustellen, der sich verpflichtet, keine Muslime oder islamischen Staaten anzugreifen. "

April 2004, zitiert nach: Lawrence: "Messages to the World. The Statements of Osama Bin Laden"
Den "Kampf der Kulturen"
"Ohne jeden Zweifel (glaube ich an den Kampf der Kulturen). Das heilige Buch erwähnt ihn klar. Die Juden und Amerikaner haben das Lügenmärchen vom Frieden auf Erden erfunden. Das ist nur ein Märchen für Kinder."

Nach dem 11. September 2001 auf al-Dschasira. Zitiert nach: Coll: "Die Bin Ladens. Eine arabische Familie"