Mutter von Osama Bin Laden "Ich wollte nicht, dass irgendwas davon passiert"

Ein guter Junge, der vom rechten Weg abgekommen ist: So beschreibt die Mutter von Osama Bin Laden ihren Sohn. Der "Guardian" sprach jetzt mit der Familie des getöteten Qaida-Chefs in Saudi-Arabien.

Osama Bin Laden
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Osama Bin Laden


Alia Ghanem ist sich in einer Sache sicher: Ihr Sohn, Osama Bin Laden, hat seine Mutter sehr geliebt. "Er war ein guter Junge", sagt sie Journalisten der britischen Zeitung "The Guardian", die den Clan des Hauptverantwortlichen für den Anschlag vom 11. September 2001 in Saudi-Arabien besucht haben. "Mein Leben war sehr schwer, weil er so weit weg von mir war", sagt Ghanem.

Die Familie Bin Ladens gehört in Saudi-Arabien immer noch zu den reichsten des Landes und ist dort wichtiger Teil der höheren Gesellschaft. Ein Mitarbeiter der Regierung ist bei dem Interview, das die Reporter im Juni in Dschidda führten, anwesend, greift aber laut "Guardian" nicht ein. Offenbar hoffe die saudi-arabische Regierung, dass aus den Gesprächen hervorgehe, dass ein Außenstehender und kein Agent für die 9/11-Anschläge verantwortlich ist, schreiben die Reporter.

Osama Bin Laden war der erstgeborene Sohn von Alia Ghanem. Der spätere Chef des Terrornetzwerks al-Qaida war im Mai 2011 von einem US-Kommando in seinem Versteck in Pakistan getötet worden.

Wurzeln des Terrors: Wer war Osama Bin Laden?

Seine Mutter sagt, er sei schüchtern gewesen, aber habe eine gute Auffassungsgabe gehabt. Er habe sich in seinen Zwanzigern zu einer starken Persönlichkeit entwickelt, erzählt Ghanem. An der Universität in Dschidda habe er sich radikalisiert. "Die Leute an der Universität haben ihn verändert", sagt seine etwa 75-jährige Mutter. "Er ist ein anderer Mensch geworden." Er habe eine Gehirnwäsche verpasst bekommen.

Habe sie jemals erwartet, dass aus ihrem ältesten Sohn ein Dschihadist werde, fragen die Reporter. "Das ist mir niemals in den Sinn gekommen." Wie fühlte sie sich, als es dennoch passierte? "Wir waren extrem traurig. Ich wollte nicht, dass irgendwas davon passiert. Warum schmeißt er alles einfach so weg?" Zuletzt habe die Familie Osama Bin Laden 1999 in Afghanistan gesehen.

"Gehe nicht denselben Weg wie dein Vater"

Sein Halbbruder Ahmed schaltet sich schließlich in das Gespräch ein: "Es ist jetzt 17 Jahre her, aber sie verleugnet immer noch, was aus ihm geworden ist. Sie liebt ihn so sehr und will ihm keine Schuld geben", sagt er den "Guardian"-Reportern. "Stattdessen beschuldigt sie alle anderen. Sie kennt nur den guten Jungen, der in ihm steckt, die Seite von ihm, die wir alle kannten. Sie hat die Dschihadisten-Seite nie gesehen."

Nach den Anschlägen mit fast 3000 Toten von 2001 sei die Familie befragt worden und habe eine Zeit lang unter Hausarrest gestanden. Mittlerweile könne sie sich aber wieder frei bewegen. In Teilen des Landes sei Osama Bin Laden immer noch populär, heißt es im "Guardian"-Artikel. Wie stark die Unterstützung ist, sei aber schwer auszumachen. Auch die Witwen und Kinder des Terroristen lebten inzwischen in Dschidda.

Der älteste Sohn, Hamza Bin Laden, will offenbar in die Fußstapfen seines Vaters treten. Die USA sehen in ihm einen "global agierenden Terroristen", es wird vermutet, dass er sich in Afghanistan aufhält. Sein Onkel sagt: "Wenn Hamza jetzt vor mir stehen würde, würde ich sagen: 'Denk noch mal darüber nach, was du tust. Gehe nicht denselben Weg wie dein Vater. Du wirst schrecklichen Teilen deiner Seele begegnen.'"

vks

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