Bin-Laden-Archiv Terror, Pornos und eine heimliche Hochzeit 

Warum hat die CIA Osama bin Ladens Datenschatz veröffentlicht? Darin finden sich Banalitäten wie "Tom und Jerry"-Videos. Aber auch brisante Iran-Dokumente, die Präsident Trump gut ins Konzept passen.

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"Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los" und "Tom und Jerry", Häkelvideos und Pornos, aber auch das Computerspiel "Resident Evil" und die Doku "Wo in der Welt steckt Osama Bin Laden" - all das gehörte zum Entertainmentprogramm von Osama bin Laden, wie die CIA in der Nacht zu Donnerstag mitteilte.

So weit, so banal.

Der persönliche Besitz des Terrorführers befindet sich seit 2011 in den Händen der Analysten des Geheimdienstes. Wie viele Dokumente und Videos Bin Ladens den US-Elitesoldaten in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai 2011 im Laufe der Operation "Neptuns Speer" in die Hände fielen, ist allerdings bis heute unklar.

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Osama Bin Laden: Im Archiv des Terrorfürsten

Die Gründe: Zum einen verbrachten die Navy Seals nur etwa eine Dreiviertelstunde im Haus des Qaida-Chefs im nordpakistanischen Abbottabad. Sie töteten den damals 54-Jährigen und sammelten eilig alles ein, was ihnen in die Hände fiel und wichtig erschien. Zum anderen hatten sie bei der Landung auf dem Grundstück einen von zwei Helikoptern verloren, als dieser die meterhohe Mauer des Anwesens touchierte.

Die Soldaten mussten den havarierten Helikopter zurücklassen, wollten aber gleichzeitig alle Einsatzmitglieder sowie den Leichnam Bin Ladens im verbliebenen Helikopter mitnehmen - es blieb folglich nicht mehr genug Platz für den gesamten Datenschatz des Top-Terroristen.

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Osama Bin Laden und 9/11: Trauma der westlichen Welt

Die CIA publizierte daraus seither immer wieder ausgewählte Informationen. Die nun erfolgte Veröffentlichung umfasst 550.000 Gigabyte Material, zu dem ein 228 Seiten langes, handschriftlich geführtes Tagebuch, 18.000 weitere Dokumente, rund 79.000 Audio- und Bilddateien sowie mehr als 10.000 Videos gehören. Der US-Auslandsgeheimdienst hat die Sammlung allerdings mittlerweile wieder aus dem Netz genommen - aus "technischen Gründen", wie es heißt.

Die zunächst von CIA-Direktor Mike Pompeo abgegebene Erklärung, die Veröffentlichung ermögliche es den Bürgern der Vereinigten Staaten, "einen tieferen Einblick in die Arbeit und Pläne der Terrororganisation zu bekommen", klang ohnehin wenig überzeugend. Welcher Durchschnittsamerikaner wühlt sich in seiner Freizeit durch Dokumente auf Arabisch, die den Radikalisierungsprozess Osama bin Ladens nachzeichnen?

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Osama Bin Laden: Ein Leben, um zu töten

Politisch interessant sind die bisher gesichteten Informationen jedoch fraglos. Da ist das Hochzeitsvideo von Sohn Hamza bin Laden, das ihn erstmals als Erwachsenen zeigt. Die Propagandisten von al-Qaida wollen ihn zum Erben seines Vaters aufbauen.

Darüber hinaus geht nach Angaben des Terror-Experten Hassan Hassan vom Tahrir Institute for Middle East Policy aus den Aufzeichnungen von Osama bin Laden hervor, dass er Necmettin Erbakan als eine Art Spiritus rector betrachtet hat. Erbakan war der erste islamistische Ministerpräsident in der Türkei und galt lange als politischer Ziehvater von Recep Tayyip Erdogan. Diese geistige Nähe war zuvor nicht bekannt.

Am brisantesten jedoch sind die Informationen über die Verbindungen zwischen al-Qaida und Iran. Die schiitische Theokratie betont, keine Verbindungen zu der sunnitischen Terrororganisation zu haben. Die nun veröffentlichten Archivmaterialien legen hingegen etwas anderes nahe: In einer 19-seitigen Broschüre schreibt ein nicht näher genannter Qaida-Autor, Teheran habe einigen "saudischen Brüdern" Waffen und Geld sowie Terrortrainings-Aufenthalte in Camps der libanesischen Hisbollah-Miliz angeboten. Im Gegenzug sollten die Qaida-Kämpfer US-Ziele in Saudi-Arabien und den Golfstaaten angreifen.

Mindestens ebenso interessant wie diese vagen Verbindungen ist die Frage, warum sie gerade jetzt veröffentlicht wurden - und wem das nutzt. Die CIA stellte Teile ihres Archivs vor der kurzzeitigen Veröffentlichung den Analysten der "Long War Journal"-Website zur Verfügung. Dort ist auch das 19-seitige Schriftstück zur Iran-Connection weiterhin online. Sie verorten zudem auch die heimliche Hochzeit von Hamza bin Laden im Iran. Die Terrorexperten werden von der in Washington ansässigen "Foundation for Defense of Democracies" unterstützt. Der Think Tank gilt als Iran-kritisch und lehnt das Atomabkommen von 2015 ab.

Dass nun die Informationen über die angeblichen Verbindungen zwischen Iran und dem global agierenden Terrornetzwerk öffentlich gemacht wurden, dürfte daher kein Zufall sein. Denn: Auch US-Präsident Donald Trump verfolgt einen harten Kurs gegen Teheran und stellt das Atomabkommen infrage. Iran verstoße gegen den "Geist" des Deals, weil es neue Raketensysteme entwickle, sagte er unlängst in seiner Rede vor der Uno.

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Iran: Teheran meldet Raketentest

Der von ihm ernannte und als außenpolitischer Hardliner geltende CIA-Direktor Pompeo teilt diese Meinung. Mit der Veröffentlichung aus seinem Haus beeinflusst er nun die Debatte um den Iran-Kurs der USA erheblich.

insgesamt 11 Beiträge
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hansglück 03.11.2017
1.
"550.000 Gigabyte Material" ist das nicht ein wenig viel, sind das wirklich Gigabyte ?
-snowlife- 03.11.2017
2. #1
ein halbes terabyte viel?
appendnix 03.11.2017
3. Ja genau, das ist mir auch sofort ins Auge gestochen!
Zitat von hansglück"550.000 Gigabyte Material" ist das nicht ein wenig viel, sind das wirklich Gigabyte ?
Offensichtlich war Osama 2011 technologisch der "normalen" Welt voraus, 550.000 Gigabyte, sprich 550 Terabyte, das ist für 2011, bzw. eher die Zeit vor 2011, ganz beachtlich, um es sehr diplomatisch auszudrücken... an SPON: war Osama eventuell an das Rechenzentrum einer pakistanischen Uni angeschlossen? Das würde ganz neue konspirative Verbindungen aufdecken .... Fragen über Fragen...
archfiend 03.11.2017
4.
Leg dich ein wenig ins Zeug, such die richtigen Seiten, nimm schnelles Internet und zieh dierSpiele und Videos, Musik or rip einfach mal ne CD auf deinen Computer die du gekauft hast. 10 CDs und 1 GB ist weg. Dann spiele und videos und du wirst erstaunt sein wie schnell ein TB voll ist. Bin Laden wird dies nicht alles selbst gemacht haben, sondern von vielen QUellen Sachen bekommen haben. Notizen, videos die zur Propaganda gedreht wurden oder Nachrichten. Lass das über viele Jahre so gehen und du wirst erstaunt sein, wieviel Zeug sich ansammelt. Wie Belege für Behörden. Hier ne Seite, da 2 und am Ende des Jahres hast du plötzlich einen oder mehrere Ordner voll. Jeder Stützpunkt schickt seine Berichte, dann noch die Chefsachen... 550 TB sind da schon möglich. Eher noch mehr, da nicht alles migenommen werden konnte. Erinnere dichmal an die Berge von akten die Snowden oder andere geleakt haben. Natürlich ist nicht sicher ob alles echt ist und der Zeitpunkt ist mit Kalkül gewählt, aber die Menge and Daten die gesammelt wurden um eine ganze Terrororganisation zu führen für 30 Jahre und mehr... 550 TB ist gut möglich. Btw in der Arbeit muaa mich mir Pflefeakte herumzusortieren, Da ist schnell was zusammen, besonders wernn fir Qualität der Archivierung gut sein soll und zu appendix, agenten gab es überall aich Amerika. Europa Rußland und schlie0lich China
h.weidmann 03.11.2017
5.
Zitat von archfiendLeg dich ein wenig ins Zeug, such die richtigen Seiten, nimm schnelles Internet und zieh dierSpiele und Videos, Musik or rip einfach mal ne CD auf deinen Computer die du gekauft hast. 10 CDs und 1 GB ist weg. Dann spiele und videos und du wirst erstaunt sein wie schnell ein TB voll ist. Bin Laden wird dies nicht alles selbst gemacht haben, sondern von vielen QUellen Sachen bekommen haben. Notizen, videos die zur Propaganda gedreht wurden oder Nachrichten. Lass das über viele Jahre so gehen und du wirst erstaunt sein, wieviel Zeug sich ansammelt. Wie Belege für Behörden. Hier ne Seite, da 2 und am Ende des Jahres hast du plötzlich einen oder mehrere Ordner voll. Jeder Stützpunkt schickt seine Berichte, dann noch die Chefsachen... 550 TB sind da schon möglich. Eher noch mehr, da nicht alles migenommen werden konnte. Erinnere dichmal an die Berge von akten die Snowden oder andere geleakt haben. Natürlich ist nicht sicher ob alles echt ist und der Zeitpunkt ist mit Kalkül gewählt, aber die Menge and Daten die gesammelt wurden um eine ganze Terrororganisation zu führen für 30 Jahre und mehr... 550 TB ist gut möglich. Btw in der Arbeit muaa mich mir Pflefeakte herumzusortieren, Da ist schnell was zusammen, besonders wernn fir Qualität der Archivierung gut sein soll und zu appendix, agenten gab es überall aich Amerika. Europa Rußland und schlie0lich China
Also in anderen Quellen liest man 550 Gigabyte. Und Ihren letzten Absatz verstehe ich nicht.
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