US-Elitekämpfer Rob O'Neill Held oder Verräter

Durfte er seine Identität enthüllen? Amerika diskutiert das Outing des Mannes, der Osama bin Laden erschossen haben will. Die US-Elite-Einheit Navy Seals sollte eigentlich im Geheimen operieren, jetzt steht sie im Zentrum des Interesses.

Elitesoldat O'Neill: Keine Angst vor juristischen Konsequenzen
REUTERS / Montana Standard

Elitesoldat O'Neill: Keine Angst vor juristischen Konsequenzen

Von , Washington


Sie galten als "stille Profis", als verschworene Truppe. "Weder gehe ich mit meiner Arbeit hausieren, noch suche ich Anerkennung für meine Taten", so steht es in ihrem Ehrenkodex. Doch in den letzten Jahren sind die Navy Seals, Elitekämpfer der US-Marine, zunehmend in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Durch eigenes Zutun.

Der Höhepunkt: In dieser Woche brach Rob O'Neill das Schweigeglübde. Der 38-jährige Ex-Kämpfer beteuert, er sei es gewesen, der am 2. Mai 2011 bei der Kommandoaktion des legendären Team Six der Navy Seals die tödlichen Schüsse auf Terror-Chef Osama Bin Laden abgegeben habe. Das allerdings ist umstritten, US-Medien zitieren Insider, denen zufolge O'Neill nur zur Sicherheit auf den bereits tödlich getroffenen Bin Laden geschossen haben soll. In der kommenden Woche wird der TV-Sender Foxnews an zwei Abenden ein ausführliches Interview mit O'Neill ausstrahlen sowie eine Rekonstruktion der Aktion.

Jetzt diskutiert Amerika, ob O'Neill weiterhin ein Held sein kann - oder fortan als Geheimnisverräter zu gelten hat.

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O'Neill hatte vor eineinhalb Jahren bereits dem US-Magazin "Esquire" sehr ausführlich Rede und Antwort gestanden, allerdings ohne seine Identität zu offenbaren. Er wurde stets nur als "der Schütze" bezeichnet. Als Foxnews nun vor einigen Tagen ankündigte, "der Schütze" werde sich Mitte November in einem Interview outen, versetzte das nicht nur das Pentagon sondern auch die Navy Seals in Alarmstimmung.

Mit Datum vom 31. Oktober bereits wendete sich Konteradmiral Brian Losey, Kommandant der "Naval Special Warfare Group", dem die Navy Seals unterstehen, an seine Untergebenen. Der Ehrenkodex der Seals gelte "ein Leben lang", sowohl für aktive als auch ehemalige Mitglieder. Wer den Kodex verletze, sei kein angesehener Kamerad mehr und repräsentiere auch nicht mehr die Spezialkräfte der Marine: "Die mutwillige oder eigennützige Missachtung unserer Werte im Gegenzug für öffentliche Bekanntheit oder finanziellen Gewinn dulden wir nicht."

Und am Ende macht Kommandeur Losey noch klar: Geheimnisverräter müssten mit "juristischen Konsequenzen" rechnen. Rob O'Neill wird in diesem Schreiben nirgends direkt erwähnt, aber es ist natürlich an ihn adressiert. "Esquire" hatte zudem im vergangenen Jahr geschrieben, "der Schütze" stehe vor dem finanziellen Ruin.

Enthüllung, um die Enthüllung zu kritisieren

Der Bannstrahl der Kameraden hat vor drei Jahren bereits Matt Bissonnette getroffen, der, ebenfalls Teilnehmer der Bin-Laden-Kommandoaktion, die Ereignisse des 2. Mai 2011 in seinem nicht vom Pentagon autorisierten Buch "No Easy Day" schildert. Gegenwärtig läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen möglichen Geheimnisverrats. In Kürze allerdings wird schon sein nächstes Buch erscheinen: "No Hero - The Evolution of a Navy Seal", diesmal allerdings kooperiert Bissonnette mit dem Pentagon, lässt das Manuskript im Vorfeld durchchecken.

Doch in der Navy-Seal-Gemeinschaft wächst der Ärger auf Leute wie Bissonnette und O'Neill. Dass O'Neills Identität schon vor der Austrahlung seines Interviews auf Foxnews bekannt wurde, hat er denn auch verärgerten Ex-Kameraden zu verdanken. Die posteten seinen vollständigen Namen in dieser Woche auf sofrep.com, einer von aktiven und ehemaligen Spezialkräften betriebenen Webseite. Die Situation ist reichlich paradox: Sie haben O'Neills Identität enthüllt, um die Enthüllung seiner Identität zu kritisieren.

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Tödliche US-Operation: Die Jagd auf Bin Laden
Die Geschichte war vorzeitig in der Welt. O'Neill argumentiert, dass es ohnehin früher oder später herausgekommen wäre, warum sollte er sich dann nicht selbst outen dürfen? Seine Identität sei einigen Kongressabgeordneten und Journalisten bekannt gewesen, sagte er der "Washington Post". Zudem war er im Sommer mit Angehörigen der 9/11-Opfer zusammengetroffen, hatte sich ihnen offenbart und von Bin Ladens Tod berichtet.

"Ein feiner, artikulierter Gentleman"

Die Hinterbliebenen hätten ihm gesagt, dass ihnen sein Bericht helfe, mit den Erinnerungen abzuschließen. Debra Burlingame, die Schwester des Piloten, dessen entführtes Flugzeug am 11. September 2001 ins Pentagon stürzte, lobt O'Neill: "Die 9/11-Familien profitieren von seinem wie auch immer gearteten Regelbruch." Also doch ein Held? Die demokratische New Yorker Kongressabgeordnete Carolyn Maloney, die das Treffen mit organisierte, sagt, O'Neill sei "ein großer amerikanischer Held und ein feiner, artikulierter Gentleman, der stets sehr bedacht darauf ist, das Team für den Erfolg der Mission zu preisen".

Hinzu kommt: Die Öffentlichkeit weiß ja keineswegs nur wegen Ex-Seals wie O'Neill oder Bissonnette von den Details der Jagd auf Bin Laden. Auch offizielle Stellen haben Informationen weitergeben. So kooperierten etwa Vertreter von CIA und Pentagon mit den Machern des Films "Zero Dark Thirty", der den Angriff rekonstruiert. Aus den "stillen Profis" wurden längst Hollywoods Helden.

Mit Material von AFP und AP

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tommykocher 07.11.2014
1. aha
ich würde nicht damit Haustieren gehen wenn ich der schütze wäre... ihm sollte klar sein, das er in gewissen kreisen ein gejagdter sein wird... schönes leben noch
ornitologe 07.11.2014
2. Weder Held noch Verräter
Wohl eher ein gebriefter Ex-Seal, der der Welt die damalige Existenz eines Bin Laden in Pakistan verkaufen soll. Soweit mir bekannt ist, liegen weder Fakten noch Beweise wie eindeutige Fotos oder DNA-Analysen bez. einer Exekution des Bin Laden vor. Nur tolle Interviews und nachgestellte Szenen, auf denen nichts zu erkennen ist. Außerdem soll Bin Laden schon 2001 in einem Kuwaiter Klinikum an Niereninsuffizienz verstorben sein. Ob es stimmmt oder nicht - wo Rauch ist, ist auch Feuer...
Izmir..Übül 07.11.2014
3. Pathologisches Geltungsbedürfnis
Und da heißt es immer, ein unabdingbares Selektionskriterium für die Aufnahme bei den Navy Seals und anderen militärischen Eliteeinheiten sei u. a. eine psychisch stabile & integre Persönlichkeit.
Mensch Meier 07.11.2014
4. naja
das sogenannte "Outing" ist in erster Linie erst einmal Selbstdarstellung und Wichtigtuerei. Mit Verrat hat das nichts zu tun. Jemand unbewaffneten zu erschießen hat allerdings auch nichts wirklich heldenhaftes.
robert.c.jesse 07.11.2014
5. ... wer einmal getötet hat...
... der wird niemals glücklich werden. Es gibt keine "Gerechtigkeit" die das Töten erlaubt. Er ist nur der Handlanger feiger und unsichbarer Spieler, die sich niemals "selbst" dafür hergeben würden, ihr eigenes Leben zu opfern. Er wird mit billigem Blech auf der Brust und Alpträumen in der Nacht belohnt. Solche Menschen sind niemals "Helden"!!!
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