Oslo Kenianerin Maathai erhält Friedensnobelpreis

Sie nennen sie Mama Miti, die Mutter der Bäume. Nun wurde die Kenianerin Wangari Maathai, Afrikas bekannteste Grüne, in Oslo überraschend mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die 64-Jährige wird für ihren Einsatz für Umweltschutz und Menschenrechte geehrt.




Maathai: Einsatz für Umwelt und Menschenrechte
AFP

Maathai: Einsatz für Umwelt und Menschenrechte

Oslo - Die Vize-Umweltministerin Kenias ist die erste Afrikanerin, die den Preis erhält. "Ich bin absolut überwältigt", sagte Maathai im norwegischen Fernsehen, "ich hatte das nicht erwartet".

Wangari Maathai wurde vor allem durch ihr 1977 gegründetes Umweltprojekt Grüner Gürtel (Green Belt Movement) bekannt. Es gelang ihr, andere Frauen davon zu überzeugen, rund um die kenianische Hauptstadt Nairobi Bäume zu pflanzen. Jahrelang waren die Wälder dort hemmungslos abgeholzt worden, vor allem um Feuerholz zum Heizen und Kochen zu haben.

Durch Maathais Engagement wurden seither rund 30 Millionen Bäume in Afrika gepflanzt. Ihre Aktion begründete Maathai mit den Worten: "Wir haben eine besondere Verantwortung für das Ökosystem dieses Planeten. Indem wir andere Arten schützen, sichern wir unser eigenes Überleben." Ihr Beispiel hat seither in zahlreichen afrikanischen Staaten Schule gemacht.

"Mama Miti", die "Mutter der Bäume", wie sie genannt wird, trat nicht nur für die Umwelt ein, sie setzt sich auch für die demokratischen und sozialen Rechte der Bevölkerung ein. Dabei hat sie oft Standfestigkeit bewiesen. Sie war Schmähungen, Verfolgung und Verhaftungen ausgesetzt, weil sie sich unbeirrt auch für die Rechte Oppositioneller eingesetzt hat. Etwa ein Dutzend Mal wurde sie festgenommen, einmal gar von Sicherheitsleuten verprügelt.

Auch privat brachte sie Opfer, weil sie ihren Weg ging. Ihr Ehemann trennte sich von ihr. Sie sei "zu gebildet, zu starrköpfig, zu mächtig und zu erfolgreich", beschrieb er sie.

Im Dezember 2002 verzeichnete sie ihren bisher größten politischen Erfolg. Die so genannte Regenbogenkoalition von Oppositionsparteien löste die Regierung von Daniel arap Moi ab. Wangari Maathai wurde ins Parlament gewählt. Der neue Präsident Mwai Kibaki ernannte sie zur stellvertretenden Umweltministerin. In diesem Amt verfolgt sie weiterhin ihr Ziel: In zehn Jahren soll der Waldbestand von heute knapp zwei auf zehn Prozent steigen.

Maathai hat in Kansas und Pittsburgh (USA) studiert. 1978 verbrachte die promovierte Biologin einen vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) geförderten Studienaufenthalt in Deutschland. Sie ist laut DAAD die erste Frau Ostafrikas, die einen Doktortitel in Biologie erhielt. 1971 wurde sie die erste Professorin für Veterinäre Anatomie und später Dekanin ihres Fachbereichs an der Universität von Nairobi.

1984 erhielt Maathai bereits den Alternativen Nobelpreis. Im April dieses Jahres erhielt sie den Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung.

Im vergangenen Jahr hatte die iranische Menschenrechtlerin Shirin Ebadi die Auszeichnung erhalten. Damit gehören seit der ersten Vergabe 1901 zwölf Frauen zu den Trägern des Friedensnobelpreises. Dem Nobel-Komitee lagen in diesem Jahr 194 Nominierungen vor, eine Rekordzahl. Der Preis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert.

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