Anschlag auf britische Armee 1996 Ex-IRA-Mitglied in Osnabrück zu Haft verurteilt

Mit Komplizen feuerte er auf eine britische Kaserne in Deutschland: Ein früherer IRA-Terrorist ist in Osnabrück schuldig gesprochen worden. Die Überstellung des Haftbefehls hatte elf Jahre gedauert.

Angeklagter im Gerichtssaal
DPA

Angeklagter im Gerichtssaal


Mehr als 21 Jahre nach einem Anschlag auf die britische Armee in Deutschland hat das Osnabrücker Landgericht einen ehemals militanten Anhänger der irischen Unabhängigkeitsbewegung verurteilt. Die Kammer befand den heute 48-Jährigen des gemeinschaftlich versuchten Mordes für schuldig und verhängte eine vierjährige Haftstrafe.

Der Anschlag im Jahr 1996 sei verübt worden, um der britischen Armee deutlich zu machen, dass sie auch auf dem Kontinent verfolgt und angegriffen werden könne, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Kirschbaum zur Begründung. Die IRA hatte jahrzehntelang gewaltsam für eine Loslösung des katholischen Nordirlands vom protestantischen Großbritannien gekämpft. In dem Konflikt starben mehr als 3500 Menschen. Erst das sogenannte Karfreitagsabkommen 1998 beendete die Gewalt weitgehend.

Als Mitglied der Provisional Irish Republican Army (PIRA), einem militanten Arm der IRA, hatten der Ire und vier Komplizen mit einem Granatwerfer auf das Gelände der Kaserne geschossen. Rund 150 Soldaten feierten zum Zeitpunkt des Anschlags am 28. Juni in der Kaserne. Nur eines der Geschosse explodierte. Zu Schaden kam niemand. Laut "Neuer Osnabrücker Zeitung" war 2003 ein weiterer beteiligter Täter vom Oberlandesgericht Celle zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Vor dem Osnabrücker Landgericht trat der siebenfache Familienvater mit erhobenem Daumen in Richtung seiner anwesenden Familienangehörigen auf. Er sitzt seit einem Jahr in Deutschland in Untersuchungshaft. Mittlerweile hat sich der Mann, der als Bühnentechniker und Musiker in Belfast ein bürgerliches Leben führte, von der IRA distanziert.

Wegen der mehr als 20 Jahre dauernden Verzögerung des Prozesses gilt mindestens ein Jahr der gegen ihn verhängten Strafe bereits als verbüßt. In den vergangenen Jahrzehnten war er mehrmals verhaftet worden - zum ersten Mal in Irland fünf Monate nach dem Anschlag.

Im Oktober 2004 erließ die Bundesanwaltschaft einen internationalen Haftbefehl. Dieser war aber erst elf Jahre später erneuert, ins Englische übersetzt und den irischen Behörden erfolgreich übermittelt worden.

apr/dpa/AFP

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