Ost-Ghuta Weiter warten auf Essen und Arzneien

Die Menschen in Ost-Ghuta verhungern, nun will die Uno erneut einen Hilfskonvoi ins Kampfgebiet schicken. Im Norden von Syrien sollen Camps für Hunderttausende Vertriebene errichtet werden.

Zerstörte Häuser in Ost-Ghuta
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Zerstörte Häuser in Ost-Ghuta


Nachdem am Montag 46 Lastwagen in das umkämpfte Gebiet gelangten, aber 14 davon wegen anhaltenden Beschusses nicht vollständig entladen werden konnten, will die Uno einen zweiten Hilfskonvoi in die Rebellenenklave Ost-Ghuta senden.

Das Deutsche Rote Kreuz warnte: "Die Menschen hungern und sind völlig ausgezehrt." Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs vor knapp sieben Jahren sind Hunderttausende Menschen ums Leben gekommen, mindestens elf Millionen wurden vertrieben.

Im bombardierten Ost-Ghuta ist laut Christophe Boulierac von Unicef das Leben unter der Erde zur Norm geworden. Einige Familien harrten bereits seit vier Wochen in Kellern aus - teils drängten sich 200 Menschen in den Räumen.

Hilfskonvoi in Ost-Ghuta
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Hilfskonvoi in Ost-Ghuta

In Genf veröffentlichte die Uno eine auf 500 vertraulichen Interviews fußende Studie, nach der die von den USA angeführte Allianz und Russland für viele zivile Opfer verantwortlich sind. Russland wird darin auch mit mutmaßlichen Kriegsverbrechen in Verbindung gebracht. Zudem setze die syrische Regierung weiter Chemiewaffen ein. Zu den Vorwürfen gehört ein russischer Luftangriff mit mindestens 84 Toten auf einem Markt in Atareb. Allein seit Jahresbeginn sind nach Angaben des Kinderhilfswerks Unicef mindestens 1000 Kinder getötet oder schwer verletzt worden.

Rebellen: Russland will Bevölkerung vertreiben

Die Rebellen warfen Russland vor, auch die Zivilbevölkerung in Ost-Ghuta anzugreifen. "Moskau besteht auf einer militärischen Eskalation und will eine Vertreibung durchsetzen", sagte der Sprecher der Rebellengruppe Failaq al-Rahman, Wael Alwan, der Nachrichtenagentur Reuters. Andere Oppositionsvertreter äußerten sich ähnlich.

Russland garantiere den Kämpfern und ihren Familien freies Geleit durch einen Korridor, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die Männer dürften persönliche Waffen mitnehmen. Ein Ziel wurde nicht genannt.

Bei früheren Abkommen wurde Assad-Gegnern die Flucht in andere Rebellengebiete gestattet. Beobachter gehen davon aus, dass die Rebellen in Regionen nahe der türkischen Grenze im Norden Syriens ziehen dürfen.

Türkei will Flüchtlingslager in Syrien errichten

In Kreisen türkischer Diplomaten hieß es, es sollten neun Flüchtlingslager für 170.000 Menschen in der Umgebung von Idlib im Nordwesten Syriens errichtet werden. Auch weiter östlich seien Auffanglager geplant. Ob ein Zusammenhang mit dem Angebot Russlands besteht, blieb offen.

Die Türkei hatte vor sechs Wochen eine Offensive gegen die kurdische Miliz YPG in der Region Afrin im Norden Syrien gestartet. In Berlin verteidigte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusolglu bei einem Besuch des Amtskollegen Sigmar Gabriel den Einsatz trotz der von der Uno geforderten Waffenruhe: "Das sind Terrororganisationen und unsere Operationen dort stehen im Einklang mit dem internationalen Recht."

Den Truppen Assads und ihren Verbündeten ist es bislang gelungen, ein Drittel des landwirtschaftlich geprägten Ost-Ghuta zu erobern. Zudem läuft die Rebellenenklave Gefahr, in zwei Teile gespalten zu werden. In der Region leben laut Uno etwa 400.000 Menschen. Nach Angaben der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind seit dem 18. Februar durch Luftangriffe etwa 780 Menschen getötet worden.

Iran, Russland und Türkei planen ein Treffen

Die beiden Verbündeten Assads, Iran und Russland, wollen zusammen mit der Türkei die Neuordnung Syriens auf einem Gipfeltreffen im April vorantreiben. Daran würden die Präsidenten Russlands, der Türkei und Iran - Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan und Hassan Rohani - teilnehmen, erklärte ein Sprecher des türkischen Außenministeriums. Nächste Woche werde Außenminister Cavusoglu erst nach Moskau reisen und eine Woche darauf in die USA. Die USA beschränken sich in Syrien im Wesentlichen auf den Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat, lehnen aber ebenso wie die Türkei Assad ab.

cop/Reuters



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