Ost-Ghuta in Syrien 48 Stunden, 250 Tote, 1200 Verletzte

"Kein Krieg, sondern ein Massaker": Das Assad-Regime bombardiert weiterhin das syrische Rebellengebiet Ost-Ghuta. Die Zahl der Todesopfer binnen 48 Stunden ist laut Aktivisten auf einen Höchststand gestiegen.


Die knapp 400.000 Menschen im syrischen Rebellengebiet Ost-Ghuta erleben eine der blutigsten Angriffswellen seit Beginn des Konflikts im Land. Innerhalb von 48 Stunden sind mindestens 250 Menschen gestorben, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Seit dem Jahr 2013 seien dort nicht mehr so viele Menschen binnen zwei Tagen getötet worden. Allein am Dienstag starben den Angaben zufolge 106 Zivilisten, darunter zahlreiche Kinder. Zudem seien seit Montag mehr als 1200 Menschen verletzt worden, viele davon schwer.

Die Angaben der Beobachtungsstelle können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden, haben sich in der Vergangenheit aber oft als zuverlässig erwiesen.

Ost-Ghuta am Stadtrand von Damaskus ist eine der letzten von Rebellen kontrollierten Gegenden in Syrien und seit Monaten von Regierungstruppen eingeschlossen. Über Wochen durften keine Hilfslieferungen in das Gebiet. Es mangelt an Essen, Arzneien und Benzin (mehr zur Lage in Ost-Ghuta, der "Hölle am Rand von Damaskus", lesen Sie hier).

In den vergangenen Tagen wurden auch mehrere Krankenhäuser bombardiert. Die britische Zeitung "Guardian" zitiert einen Arzt in Ost-Ghuta, der vom "Massaker des 21. Jahrhunderts" spricht: "Ist das ein Krieg? Es ist kein Krieg. Es ist ein Massaker."

Internationale Kritik wächst

Uno-Generalsekretär António Guterres zeigte sich angesichts der eskalierenden Gewalt "zutiefst beunruhigt". Besonders die Folgen für die Zivilbevölkerung machten ihm Sorgen, sagte sein Sprecher Stephane Dujarric. Die Vereinten Nationen hätten wiederholt ein Ende der Kämpfe gefordert, um die Lieferung humanitärer Hilfsgüter zu ermöglichen sowie Kranke und Verwundete aus der Region schaffen zu können, sagte Dujarric. Der Generalsekretär dringe darauf, die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur zu schützen.

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Angriffe auf Ost-Ghuta: Aleppo 2.0

Auch das US-Verteidigungsministerium zeigte sich "tief besorgt" und forderte ein sofortiges Ende der Gewalt. Frankreich warnte vor einer humanitären Katastrophe. Und die Bundesregierung forderte ein Ende der Kämpfe in Ost-Ghuta und im Norden Syriens.

Die Reaktion aus Deutschland

"Die Gefahr einer weiteren Eskalation scheint nun akut. Deshalb appellieren wir an alle Beteiligten, die Kampfhandlungen zu beenden", teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amts mit. "Wieder werden vor allem unschuldige Zivilisten, darunter viele Kinder, Opfer der zerstörerischen Gewalt des syrischen Regimes und seiner Unterstützer."

Auch die Meldungen aus der Region Afrin im Norden Syriens seien "Anlass zu großer Besorgnis", hieß es vom Auswärtigen Amt. Die syrische Regierung war im Verlauf des Dienstags den bedrängten Kurden in Afrin mit Truppen zu Hilfe gekommen und unter Beschuss der türkischen Armee geraten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte zudem, "in den kommenden Tagen" die gleichnamige Stadt Afrin unter Belagerung zu nehmen. Der Sprecher des Auswärtigen Amts sagte dazu, die Türkei habe zwar "berechtigte Sicherheitsinteressen". Aber: "Wir glauben, dass die angedrohte Blockade zu weiterem Leid unter der Zivilbevölkerung führen wird."

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Der Bürgerkrieg in Syrien hatte im März 2011 mit Protesten gegen die autoritäre Regierung von Machthaber Baschar al-Assad begonnen. Die Region Ost-Ghuta gehört zu den letzten Gebieten, die noch unter Kontrolle von Rebellen stehen. Assad ist entschlossen, das ganze Staatsgebiet wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Seine Truppen gehen daher seit Ende Dezember auch gegen die beiden Rebellenhochburgen Idlib und Ost-Ghuta vor. Offenbar steht die Armee kurz vor einer Bodenoffensive gegen die Enklave Ost-Ghuta nahe der Hauptstadt Damaskus.

aar/dpa/AFP/Reuters

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quark2@mailinator.com 21.02.2018
1.
Wäre das auch passiert, wenn die USA nicht illegal diese "Rebellen" unterstützen würden ? Wer entscheidet, welcher "Combatant" ein Rebell ist und welcher ein Terrorist ? In Syrien und der Ukraine sind Guerillas, die bewaffnet den "regime change" erzwingen wollen Rebellen. Wäre das bei uns, wären es Terroristen, klar. Und je nachdem ist es dann OK, denen gegen die Regierung ihres Landes zu helfen, oder eben nicht. Kann man nur hoffen, daß das immer so klar ist. Vor der gezielten Destabilisierung von Assads Regierung war in dem Land eigentlich alles soweit friedlich ...
fd2fd 21.02.2018
2. Rebellen können jederzeit kapitulieren
Die Rebellen/ Islamisten können das Leid der Zivilbevölkerung sofort beenden, indem sie kapitulieren und sich ihrer Verantwortung stellen. Die angefachte Revolution ist gescheitert. Die Mehrheit der syrischen Bevölkerung will endlich Frieden und hofft das die Armee dem Spuk endlich ein Ende bereitet. Die Friedensverhandlungen sind gescheitert, die Entscheidung muss jetzt auf dem militärischen Wege gesucht werden. Der Westen sieht seine regime change policy scheitern und fängt von Neuem mit der Heuchelei an. Wie geht es den Menschen im Jemen? Sind die egal, weil die Saudis unsere Verbündeten sind? Wie geht es den Kurden? Die Unterstützung von Rebellen, Islamisten und Freischärlern ist ein weiteres Mal gescheitert. Wir tragen eine große Mitschuld an der Dimension des Konflikts!
stefan.p1 21.02.2018
3. Wann hört Spon endlich auf,
die "Beobachtungsstelle für Menschenrechte" als Informationsquelle zu benutzen? Damit macht macht es sich höchst unglaubwürdig und auf jeden Fall parteiisch. Krieg ist immer babarisch , egal ob in Aleppo, Mossul oder Ghuta. Eine Lösung für das Problem sehe ich nur in einer Kapitulation der Rebellen - das Assad oder seine Verbündete zuerst mit den Kämpfen aufhören halte ich für unwahrscheinlich. Soll der gute Westen jetzt mit Bomben und Panzer gegen Saddat und seine Helfer vorgehen? Wer leidet dann wohl am meisten darunter. Der Westen und seine Verbündete müssen den Rebellen die Unterstützung entziehen - das ist der einzige Weg zum Frieden in Syrien.
peppi59 21.02.2018
4. Unwürdig und Menschenverachtend
Hätten westliche Politiker mal klug nachgedacht, hätten sie früh mit einer Flugverbotszone ein solches Elend verhindern können. Aber allen voran Herr Westerwelle, aber auch Obama, Merkel, Hollande und Cameron waren zu schwach. Was haben die Menschen von schönen Worten und Völkerrecht wenn Ihnen niemand hilft?
lordofaiur 21.02.2018
5. Pflicht
Ich denke jeder Staat ist sogar in der Pflicht sein Land und Bürger gegen Invasoren jeglicher Art zu verteidigen. Ich kann einfach nicht verstehen wieso die deutsche Presse Assad und seine Armee permanent verteufelt. Wer sind diese Rebellen? Wer ist diort Ansprechpartner? Wurde dieser demokratisch legitimiert für sein Handeln? Fragen über Fragen...
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