Krieg in Syrien Uno-Hilfskonvoi erreicht Ost-Ghuta

Sie bringen Nahrung für Zehntausende: Eine Hilfslieferung der Vereinten Nationen ist im belagerten Ost-Ghuta eingetroffen. Allerdings blockierte die syrische Regierung die Auslieferung von Verbandsmaterial und Arzneien.


Zum ersten Mal seit der Eskalation der Gewalt im belagerten Ost-Ghuta hat ein Uno-Hilfskonvoi die syrische Region erreicht. 46 Lastwagen seien am Montag in das umkämpfte Gebiet eingefahren, sagte eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Die Lieferung besteht nach Angaben des Uno-Nothilfebüros Ocha unter anderem aus Nahrung für 27.500 Menschen.

Ganz reibungslos verlief die Lieferung aber nicht: Viele medizinische Güter mussten auf Druck der syrischen Regierung aus der Lieferung genommen werden, wie das Büro berichtete. Sie durften auch nicht durch andere Gegenstände ersetzt werden. Dadurch seien drei der 46 Lastwagen fast leer gewesen.

Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge waren unter den blockierten Hilfsgütern das gesamte Material für die Behandlung von Verletzungen und für Operationen sowie Insulin und andere Dialyse-Artikel.

Ost-Ghuta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus ist im syrischen Bürgerkrieg eines der letzten größeren Rückzugsgebiete der Aufständischen. Es wird von islamistischen Rebellengruppen kontrolliert. Rund 400.000 Menschen sind dort eingeschlossen, sie leiden große Not. Der Uno-Sicherheitsrat hatte Ende Februar eine Resolution für eine einmonatige Waffenruhe in Syrien verabschiedet, diese Forderung wurde aber bislang nicht umgesetzt.

SPIEGEL ONLINE

Seit Mitte Februar fliegen syrische Regierungstruppen mit russischer Unterstützung heftige Luftangriffe auf die Enklave. Mehr als 600 Menschen wurden laut Uno dabei getötet, mehr als 2000 weitere verletzt. Die Einnahme von Ost-Ghuta wäre ein wichtiger Sieg für Präsident Baschar al-Assad in dem seit etwa sieben Jahren dauernden Bürgerkrieg.

Seit einigen Tagen läuft eine Bodenoffensive gegen die Rebellen. Trotz einer von Russland Anfang der Woche in Kraft gesetzten täglich fünfstündigen Feuerpause setzte die Armee ihren Vormarsch zuletzt fort.

Weitere Hilfslieferungen geplant

Auch am Tag der Hilfslieferung gingen die Bombardements weiter: Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden mindestens 46 Menschen getötet - wenigstens 190 wurden verletzt. Mehr als 660 Zivilisten starben bisher laut der Beobachtungsstelle durch Bombardements und Artilleriebeschuss. Tausende wurden verletzt und sind dringend auf medizinische Versorgung angewiesen. Über gefallene Kämpfer dort gibt es keine entsprechenden Angaben.

Die oppositionsnahe Organisation bezieht ihre Informationen von Ärzten und Aktivisten vor Ort; für Medien sind sie kaum zu überprüfen, in der Vergangenheit haben sich die Beobachtungen aber meist als richtig erwiesen.

In den kommenden Tagen sollen weitere Hilfslieferungen nach Ost-Ghuta folgen. An dem Konvoi vom Montag waren auch der Syrische Rote Halbmond und mehrere Uno-Agenturen beteiligt. Die Vereinten Nationen lieferten das letzte Mal am 14. Februar Hilfe für etwa 7200 Menschen nach Ost-Ghuta.

mho/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.