Ostafrika-Krise: Großspender China ignoriert den Hilferuf der Uno

Die Uno versucht verzweifelt, Geld für die Hungernden in Ostafrika aufzutreiben. Ein möglicher Spender blieb bislang stumm: China. Dabei leistet Peking seit vielen Jahren Nothilfe an andere, obwohl in manchen Regionen Chinas selbst noch bittere Armut herrscht.

Somalische Frauen mit Hilfslieferungen: Zwölf Millionen Afrikaner sind inzwischen in Not Zur Großansicht
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Somalische Frauen mit Hilfslieferungen: Zwölf Millionen Afrikaner sind inzwischen in Not

In Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, können die Passagiere bald in 72 neue Diesel-Busse einsteigen. Die Fahrzeuge stammen aus China, sie sind ein Geschenk: 4,6 Millionen Dollar hat Pekings Regierung dafür spendiert, Ersatzteile und eine Werkstatt gibt es dazu. "Ein Beitrag zum Kampf gegen die Armut", nennt dies Botschafter Huang Songfu.

Die Busse von Maputo sind nur ein winziges Beispiel der Entwicklungshilfe Chinas. Die Volksrepublik tritt in Afrika, Asien und Lateinamerika als Geberland auf - obwohl in einigen Regionen des eigenen Landes noch bittere Armut herrscht. Nach Angaben der Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO von 2010, waren zwischen 2005 und 2007 sogar noch bis zu 130 Millionen Menschen in China - rund ein Zehntel der Bevölkerung - unterernährt.

Bei der gegenwärtigen Hungerkrise am Horn von Afrika allerdings hat Peking trotz dringender Hilferufe der Uno bislang keine finanzielle Unterstützung angeboten. Mindestens zwölf Millionen Afrikaner sind inzwischen in Not, 3,7 Millionen akut vom Hungertod bedroht. Nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerks Unicef erhalten in Somalia, Äthiopien, Kenia und Dschibuti bereits mehr als 2,3 Millionen Kinder zu wenig zu essen.

Immerhin hat Peking bereits 2008 der Uno- Weltgesundheitsorganisation WHO rund 500.000 Dollar für Somalia überwiesen, mit denen Medikamente und Krankenhausrüstungen erworben werden sollten.

Und Peking zeigte jetzt guten Willen: Die chinesische Raketen-Fregatte "Ma'anshan" beschützte im März einen Lebensmittelfrachter des Uno-Welternährungsprogramms (WFP) auf seinem Weg nach Somalia vor Piratenangriffen - ein "historischer Schritt", wie der Kommandeur der EU-Flotte lobte. Denn die chinesische Marine arbeitete zum ersten Mal mit der Nato zusammen.

China gehört zu den wichtigsten Helfern in Afrika

Abgesehen von der aktuellen Notlage am Horn von Afrika gehört China nach Erkenntnissen von Experten inzwischen zu den wichtigsten Helfern in Afrika. Seit Jahrzehnten ziehen chinesische Ärzte, Krankenschwestern und Landwirtschaftsexperten in afrikanische Staaten - und in andere Teile der Welt - um die Not der Armen zu lindern. Auch nach Naturkatastrophen wie dem Tsunami in Indonesien 2004 oder dem Erdbeben in Haiti 2010 flogen chinesische Helfer ein.

Unklar ist allerdings, wie viel Geld genau die Chinesen jedes Jahr spenden. Die konkrete Summe betrachtet Peking als Staatsgeheimnis. 2007 waren es rund 1,4 Milliarden US-Dollar, schätzt die US-Professorin Deborah Brautigam, 2009 dürfte die Summe auf 2,5 Milliarden US-Dollar angestiegen sein.

Darunter fallen reine Geldgeschenke, zinsfreie oder günstige Kredite, der Erlass von Schulden, aber auch Militärhilfe. Zwischen 2001 und 2008 verzichtete die Pekinger Regierung allein in Afrika auf die Rückzahlung von rund drei Milliarden Dollar.

Schon unter Mao Zedong griff China im Namen der "internationalen Solidarität" vor allem sozialistischen Brüdern wie Nordkorea und Vietnam unter die Arme. Die Habenichtse dieser Welt, postulierte Mao, müssten sich gegenseitig stützen.

Stichwort "Süd-Süd-Hilfe"

Inzwischen lautet das Stichwort: "Süd-Süd-Hilfe" - und die ist weniger uneigennützig: Die Chinesen erhoffen sich Zugang zu Rohstoffquellen und politische Unterstützung der Empfängerländer in internationalen Gremien - und damit unterscheiden sie sich keinen Deut von den westlichen Geberländern.

"Durch Auslandshilfe hat China freundliche Beziehungen sowie Wirtschafts- und Handelsbeziehungen gefestigt", heißt es in einem im April dieses Jahres in Peking veröffentlichten Weißbuch. Weil China "keine politischen Bedingungen stellt", sei seine Entwicklungshilfe inzwischen ein "Modell mit besonderen Charakteristiken".

Westliche Hilfsorganisationen und Regierungen werfen den Chinesen genau dies vor: Anstatt Geldspritzen mit politischen Bedingungen zu verknüpfen, scherten sich die Pekinger nicht darum, ob sie korrupte Politiker oder Diktatoren bedienen.

Bis Ende 2009 hätten chinesische Ärzte insgesamt 260 Millionen Patienten behandelt, zudem wurden über 130 Schulen gebaut und über 70.000 Studenten bekamen ein Studium in China finanziert, heißt es in dem Weißbuch.

Allein in Afrika seien zehn "agro-technologische Demonstrationszentren" entstanden, 30 Hospitäler errichtet und 300 Millionen Yuan (rund 32 Millionen Euro) für Anti-Malaria-Medikamente ausgegeben worden.

Für Hilfsprojekte sind Provinzen, Universitäten und Staatsbetriebe zuständig

Verantwortlich für Chinas Entwicklungshilfe sind unter anderem das Handelsministerium und die staatliche "Import-Export-Bank". Für einzelne Projekte in bestimmten Ländern sind die chinesischen Provinzen, Universitäten und Staatsbetriebe zuständig: Die Provinz Henan kümmert sich zum Beispiel um Äthiopien, die Stadt Shanghai ist in Marokko aktiv, die Landwirtschafts-Universität der nordöstlichen Provinz Jilin hat Sambia als Partner, und die "Gruppe der Staatsfarmen Shaanxi" pflegt Kontakte mit Kamerun.

Die Rolle der Chinesen am Horn von Afrika wird auch von Berlin beobachtet: Der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke verwies in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" auf das Beispiel Äthiopien, wo große Teile von Land an ausländische Unternehmen oder an Staaten wie China verkauft würden, die dort Landwirtschaft betreiben wollten. Dies sei "für eine kleine Elite sehr attraktiv", so Nooke.

Der breiten Bevölkerung wäre jedoch mehr geholfen, wenn sich die dortige Regierung um den Aufbau besserer eigener landwirtschaftlicher Produktionsstrukturen kümmern würde. "Klar ist auf alle Fälle: Die Katastrophe ist auch menschengemacht", sagte er.

Allerdings ist China nicht der einzige Sünder: Auch die Golfstaaten versuchten in den letzten Monaten, so viel Gelände wie möglich unter ihre Kontrolle zu bekommen.

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insgesamt 83 Beiträge
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1. Wieviel Hilfe leisten die arabischen Länder?
aaaaaaaaaa 28.07.2011
Zitat von sysopDie Uno versucht verzweifelt, Geld für die Hungernden in Ostafrika aufzutreiben. Ein möglicher Spender blieb bislang stumm: China. Dabei leitet Peking seit vielen Jahren Nothilfe an andere, obwohl in manchen Regionen*Chinas*selbst noch bittere Armut herrscht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777146,00.html
Ein Grossteil des Bruttoinlandprodukts der westlichen Länder fliesst in die Kasse der arabischen Ölproduzenten. Ich kann es mir gut vorstellen, dass diese Länder auf einem Berg von Petrodollars sitzen. Die Moslems entrichten jährlich grosse Geldsummen für die Zakat (mildtätige Hilfe für die Armen). Es würde mich interessieren, ob die arabischen Ölproduzenten den Hungernden im Bruderstaat Somalien helfen. Somalien ist ja zu 98% islamisch (sunnitisch).
2. ......................................
Tommi16 28.07.2011
Zitat von sysopDie Uno versucht verzweifelt, Geld für die Hungernden in Ostafrika aufzutreiben. Ein möglicher Spender blieb bislang stumm: China. Dabei leitet Peking seit vielen Jahren Nothilfe an andere, obwohl in manchen Regionen*Chinas*selbst noch bittere Armut herrscht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777146,00.html
Hat das andere China-Forum icht genug chinafeindliche Beiträge gebracht, das man nun eine neue China-Schimpfe durch´s Dorf treiben muss ? Wenn die Politik Chinas keine, irgendwo versickernden "Spende" sondern konkrete Aufbauhilfe ist, so ist das eine Möglichkeit, die wir nicht zu kritisieren haben.
3. Natürliches Regulativ
Bezahler 28.07.2011
Zitat von sysopDie Uno versucht verzweifelt, Geld für die Hungernden in Ostafrika aufzutreiben. Ein möglicher Spender blieb bislang stumm: China. Dabei leitet Peking seit vielen Jahren Nothilfe an andere, obwohl in manchen Regionen*Chinas*selbst noch bittere Armut herrscht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777146,00.html
Wie immer öfter wird die Chinesische Entscheidung von der Vernunft geleitet.Unser moralisierter Pseudohumanismuß ist doch nicht mehr als ein lächerliches Feigenblatt. Die Anpassung der Bevölkerungszahl zu den gegebenen Resourcen geschied auch heute noch in natürlicher Weise. Das mag uns übergewichtigen nicht mehr zeitgemäß und brutal erscheinen.Jedoch findet dies immer alle paar Jahre in den dortigen Regionen statt.Je nach Hype mit mehr oder weniger medialem Gedöns. Die paar tonnen Hilfsgüter sind ruck-zuck vervespert.Gerade bis die Journalie wieder im Flieger sitzt. Ich pflege in meiner Erinnerung immer jenes legendäre Tanaland, mit welchem Hoimar von Dithfurt die Unsinnigkeit solcher Hilfsaktionen auf eindruckvollste Weise dargelegt hat.
4. Das könnte dem Westen ja nie passieren
heribertX 28.07.2011
Das könnte dem Westen ja nie passieren. Wir hätten niemals einen korrupten Diktator in Ägypten, Libyen, Saudi-Arabien oder sonstwo unterstüzt. Niemals. Wirklich. :)
5. Es geht um Rohstoffe....
VorwaertsImmer 28.07.2011
Zitat von sysopDie Uno versucht verzweifelt, Geld für die Hungernden in Ostafrika aufzutreiben. Ein möglicher Spender blieb bislang stumm: China. Dabei leitet Peking seit vielen Jahren Nothilfe an andere, obwohl in manchen Regionen*Chinas*selbst noch bittere Armut herrscht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777146,00.html
Natürlich helfen die Chinesen gerne - aber dafür müssen die Afrikaner natürlich auch was tun. Gutmenschen mögen das schlecht finden, auf Reich der Mitte mit seinen 5000 Jahren Geschichte herrabblicken. Aber die Gutmenschen haben eben nix mehr zu sagen, kommen meistens aus westlichen Ländern.
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Stichwort: "Dürrekatastrophe Horn von Afrika"

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BLZ 37050198

Internet: www.care.de

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Internet: www.caritas-international.de

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Internet: www.diakonie-katastrophenhilfe.de

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BLZ 37020500

Internet: www.drk.de

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Internet: www.kindernothilfe.de

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BLZ 37020500

Internet: www.oxfam.de

Unicef

Stichwort: "Nothilfe Horn von Afrika"

Bank für Sozialwirtschaft

Konto 300000

BLZ 37020500

Internet: www.unicef.de

Uno-Flüchtlingshilfe

Stichwort: "Hungersnot Somalia"

Sparkasse KölnBonn

Konto 20008850

BLZ 37050198

Internet: www.uno-fluechtlingshilfe.de

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Internet: www.welthungerhilfe.de

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Internet: www.misereor.de

Plan International Deutschland

Stichwort: "Dürre Ostafrika"

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Konto 061281202

BLZ 20070000

Internet: www.plan-deutschland.de

Kindermissionswerk Die Sternsinger

Stichwort: "Hunger Ostafrika"

Pax-Bank eG

Konto 1031

BLZ 37060193

Internet: www.sternsinger.org

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Stichwort: "Horn von Afrika"

Bank für Sozialwirtschaft

Konto 929

BLZ 10020500

Internet: www.savethechildren.de

SOS-Kinderdörfer weltweit

Stichwort: "Notfhilfe Ostafrika"

Deutsche Bank München

Konto 1111111

BLZ 70070010

Internet: www.sos-kinderdoerfer.de