Osterweiterung Nato nimmt sieben weitere Staaten auf

In Washington hat sich die Nato um sieben ehemalige Ostblock-Staaten erweitert. In der größten Erweiterungsrunde der Geschichte des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses sind Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien, Rumänien, die Slowakei und Slowenien der mächtigsten Militärallianz der Welt beigetreten.

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Nato-Hauptquartier Brüssel: Bald wehen hier 26 Flaggen
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Nato-Hauptquartier Brüssel: Bald wehen hier 26 Flaggen

Hamburg - Mit der Aufnahme der drei baltischen Staaten sind sogar ehemalige Sowjetrepubliken Teil der Allianz - die Nato rückt erstmals über viele Kilometer an die Grenze Russlands heran. Die Allianz hat den baltischen Staaten zugesichert, sie unter den militärischen Verteidigungsschild zu nehmen und vier F-16 Kampfjets in Litauen zu stationieren. Aus Moskau sind deshalb Warnungen zu hören, nachdem die Regierung von Wladimir Putin immer wieder Widerstand gegen die Erweiterung geleistet hatte.

In Nato-Kreisen heißt es, Moskau sei nach wie vor unzufrieden. Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow hatte unlängst die Nato zur Zurückhaltung bei der Einrichtung neuer Stützpunkte im Baltikum gemahnt. Iwanow drohte damit, einer Stationierung von Zehntausenden Soldaten im Baltikum mit russischen Gegenmaßnahmen in Kaliningrad (Königsberg) zu begegnen.

Dabei verbindet die Nato eine besondere Partnerschaft mit Moskau. Nach dem 11. September hatte die Allianz Russland im Kampf gegen den Terrorismus eine fast gleichberechtigte Position eingeräumt. Mit der Einrichtung des Nato-Russland-Rats nach dem Ende des Kalten Krieges hat Russland außerdem in allen Fragen bis auf den Bündnisfall und die Erweiterung der Nato Mitsprache.

Die neuen Mitgliedsländer sind für die Nato dabei weniger militärisch wichtig als vielmehr geographisch. Mit der Aufnahme von Bulgarien, Rumänien und der Slowakei reicht das Gebiet der Allianz in Europa erstmals auch ans Schwarze Meer. Zudem besitzen Rumänien und Bulgarien Militärbasen, die vor allem die USA in Krisenzeiten nutzen wollen. Der Beitritt der baltischen Staaten bedeutet außerdem eine stärkere Nato-Präsenz an der Ostsee.

Mit der Aufnahme der sieben Länder wächst das Bündnis auf 26 Länder. Die neuen Mitglieder werden am Freitag in Brüssel zu einem ersten Treffen zusammenkommen, dann sollen vor dem Hauptquartier zum ersten Mal alle 26 Nationalflaggen wehen. Auch Russland ist zu dem informellen Treffen eingeladen.

Als erste Staaten des früheren Warschauer Paktes waren schon im März 1999 Polen, Ungarn und Tschechien der Nato beigetreten. Außer Rumänien und Bulgarien werden alle Neumitglieder zum 1. Mai auch der EU beitreten. Mit Slowenien ist außerdem das erste Land des früheren Jugoslawien der Nato beigetreten, Kroatien und Mazedonien haben bisher Kandidatenstatus. Mit der Aufnahme der sieben osteuropäischen Länder ist die Ost-Erweiterung der Nato vorerst abgeschlossen - die europäische Stabilitätszone vollendet.



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