Osthoff-Entführung Zentralrat der Muslime für gemeinsame Delegation

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat sich für eine gemeinsame Delegation von Bundesregierung und Muslimen ausgesprochen, die sich vor Ort für die Freilassung der im Irak entführten Susanne Osthoff einsetzen soll. Im Heimatort der Archäologin trafen sich Hunderte zu einer Mahnwache.


Aachen/Ebersberg - Der Vorsitzende des Zentralrats Nadeem Elyas sagte heute in Eschweiler bei Aachen: "Ich sehe keine Alternative zu einer offiziellen Delegation, die im Irak direkt tätig sein soll, die Politiker kontaktiert, die Geistlichkeit mobilisiert und Verbindungen direkt vor Ort durch Mittelsmänner herzustellen versucht." Elyas bekräftigte sein Angebot, sich im Tausch mit Osthoff in die Hände der Geiselnehmer zu begeben.

Mahnwache: Susanne Osthoffs Schwester Anja gestern in Ebersberg
DDP

Mahnwache: Susanne Osthoffs Schwester Anja gestern in Ebersberg

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Berliner Bischof Wolfgang Huber, forderte die Bundesbürger unterdessen zur Solidarität mit Susanne Osthoff auf. Im Bayerischen Rundfunk sagte Huber am Montag, nun sei die Phase erreicht, "in der man deutlich erkennbar machen muss, dass man auf der Seite dieses Menschen steht". Er halte die Deutschen nicht für weniger engagiert als andere Völker, die mit Gedenkveranstaltungen an Entführte erinnert haben, sagte Huber.

Gestern bildeten in Osthoffs Heimatort Ebersberg 300 Menschen bei klirrender Kälte ein Lichtermeer und setzten so ein Zeichen gegen Terrorismus. "Susanne Osthoff hat vielen Menschen geholfen, deshalb müssen wir sie nun unterstützen", sagte ein 56-jähriger Ebersberger. "Es geht um Mitmenschlichkeit", fügte seine Frau hinzu.

Die 43-jährige Archäologin war am 25. November gemeinsam mit ihrem Fahrer im Irak verschleppt worden. Die Geiselnehmer haben damit gedroht, Osthoff zu töten, falls die Bundesregierung ihre Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung nicht abbrechen sollte. Seitdem kämpfen Organisationen und Politiker für die Freilassung von Osthoff. Bislang ohne Erfolg, denn die Geiselnehmer haben seit dem ersten Kontakt nichts mehr von sich hören lassen.

Die bayerische Sozialministerin Christa Stewens (CSU) appellierte in Ebersberg an die Entführer: "Zeigen Sie Ihre Mitmenschlichkeit und Gutherzigkeit." Eindringlich fügte sie hinzu: "Lassen Sie Susanne Osthoff und ihren Begleiter frei."

Auch Vertreter der islamischen Gemeinde kamen nach Ebersberg, um ihre Solidarität auszudrücken und deutlich zu machen, dass sie die Geiselnahme verurteilen. Die Menschen lauschten den Worten des Imams der örtlichen Moschee, Halil Sener. Dieser sprach zuerst Gebete auf Arabisch, dann auf Deutsch. Vertreter der deutsch-türkischen Gemeinschaft verkündeten: "Wer eine Frau entführt, kennt den Islam nicht."



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