Ukraine Poroschenko schickt noch mehr Truppen in den Osten

Die umstrittene Wahl in der Ostukraine droht den Konflikt im Land wieder eskalieren zu lassen. Die Regierung in Kiew entsendet weitere Soldaten in den Osten. Die Nato berichtet von russischen Truppenbewegungen an der Grenze.


Kiew/Brüssel - Die ukrainische Regierung hat angeordnet, weitere Truppen in den Osten des Landes zu entsenden. Er habe seinen Armeechefs befohlen, neue Einheiten in das Gebiet zu schicken, um die Städte im Osten und Südosten zu schützen, sagte Präsident Petro Poroschenko laut Nachrichtenagentur Interfax.

Die Truppen sollten mögliche Angriffe auf Mariupol, Berdjansk, Charkiw und den Norden von Luhansk abwehren, sagte Poroschenko demnach bei der Sitzung des Nationalen Sicherheitsausschusses. Zuvor hatte die ukrainische Regierung bereits vor einem Zerfall des Landes gewarnt und eine Änderung ihrer Strategie im Umgang mit den Rebellen angekündigt.

Außenminister Pawlo Klimkin hatte in der "Bild"-Zeitung angekündigt, Kiew werde die Ostukraine wieder voll in seinen Machtbereich aufnehmen. "Tatsächlich sind einige Regionen der Ostukraine unter Kontrolle von prorussischen Terroristen und russischen Truppen. Das sind aber ukrainische Regionen, und wir werden sie uns zurückholen", sagte Klimkin.

Nato berichtet von russischen Truppenbewegungen

Laut Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sind russische Truppen an die ukrainische Grenze herangerückt. Russland unterstütze die Separatisten zudem weiter durch Ausbildung und die Lieferung von Material, erklärte Stoltenberg nach einem Treffen mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel. Außerdem seien russische Spezialeinheiten im Osten der Ukraine aktiv. Stoltenberg betonte erneut, dass die Nato-Staaten die Ergebnisse der von Separatisten organisierten Wahl in der Ostukraine am Sonntag nicht akzeptierten.

Mogherini ergänzte, dass bei der Bewertung von Sanktionen gegen Russland die Situation vor Ort die wichtigste Rolle spiele. Das gelte bei einer möglichen Aufhebung der Strafmaßnahmen ebenso wie bei einer Verschärfung oder Abmilderung. Durch die Abstimmung vom Sonntag bestehe die Gefahr, dass die Tür zum Dialog mit Russland geschlossen werde.

Am Morgen hatte der Nato-Oberbefehlshaber in Europa, Philip Breedlove, das Pentagon in den USA um mehr Truppen und Ausrüstung gebeten. Wegen des zunehmenden Drucks in Osteuropa und der Sicherheitsmaßnahmen im Baltikum, in Polen und in Rumänien seien zusätzliche rotierende Truppen nötig, sagte Breedlove laut einem Bericht des Magazins "Defense News". Er warnte, dass die Nato sich in der Ukraine-Krise einem "strategischen Wendepunkt" mit Moskau nähere.

Die Wahlen in der Ostukraine waren vom Westen scharf kritisiert worden. Nach der Europäischen Union nannten auch die USA sie illegal. Die Abstimmungen in den sogenannten "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk seien "Scheinwahlen" und widersprächen der ukrainischen Verfassung und sämtlichen Wahlnormen, teilte der Nationale Sicherheitsrat der USA mit.

ler/Reuters/dpa



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maj.vasily_sokolovsky 04.11.2014
1. EU-Gas-Geld
Sieht so aus, als wenn der Schokobaron, Medienmogul und Waffenhändler Poroschenko das ihm von der EU gegebene Geld zur Begleichung der offenen Gasrechnungen nicht dafür, sondern weitere militärische Abendteuer und Massenmorde ausgibt. Europa und besonders Deutschland kann richtig Stolz darauf sein. Aber dafür wird es bald kalt werden in Kiew.
wermoe 04.11.2014
2. Sollte Egon Bahr doch Recht behalten:
"Ich als alter Mann sage euch, wir leben in einer Vorkriegszeit" ?
altmannn 04.11.2014
3. Das soll
sicherlich der Deeskalation dienen.
blaustift 04.11.2014
4. Wie haben denn ...
die Ost-Ukrainer entschieden? Ich habe wohl nicht aufgepasst, finde aber nicht viel im Netz. Wie waren die %?
Zentrus 04.11.2014
5. Luftnummer ?
wird das eine Luftnummer, oder will der die letzten 35 % seiner Streitkräfte wirklich verheizen. Hat er schon neue Waffen kaufen können ? Wie will er gegen die Leute gewinnen und was könnte eine neue zielführende Strategie sein. Asymetrische Kriegsführung ala IS mit Panzerfäusten gegen Waffensystem und Panzer ??
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