Waffenstillstand in der Ostukraine Russland kündigt Vergeltung für neue EU-Sanktionen an

Die Feuerpause in der Ostukraine hält. Doch der Krieg der Worte geht weiter. Russland wird erneute EU-Sanktionen nicht einfach hinnehmen.


Moskau - Russland hat ankündigt, auf erneute EU-Sanktionen reagieren zu wollen. Die Europäische Union würde mit einem neuen Sanktionspaket ein "Signal der direkten Unterstützung der 'Kriegspartei' in Kiew" senden, kritisierte das russische Außenministerium am Samstag. "Sollte die neue Liste der Sanktionen der Europäischen Union in Kraft treten, wird es zweifelsohne eine Reaktion von unserer Seite geben."

Die EU hatte sich am Freitag trotz der vereinbarten Waffenruhe für den Osten der Ukraine auf neue Wirtschaftssanktionen gegen Russland verständigt. Das Sanktionspaket soll am Montag offiziell beschlossen werden. In den EU-Staaten gibt es aber auch Stimmen, die eine Aussetzung weiterer Strafmaßnahmen gegen Russland befürworten, sollte es bei der Lösung des Ukraine-Konflikts Fortschritte geben und die Waffenruhe dauerhaft sein.

Unterdessen wurde die vereinbarte Feuerpause für die umkämpfte Ostukraine örtlichen Behörden zufolge eingehalten. Nach monatelangen Gefechten hätten die Regionen um die Separatistenhochburgen Donezk und Luhansk eine ruhige Nacht erlebt, teilte die Stadtverwaltung von Donezk am Samstag mit.

Gefangenenaustausch möglich

Die prowestliche Führung in Kiew bekräftigte, sich an die am Freitag in Minsk beschlossene Feuerpause zu halten. Allerdings habe die Armee auch Order, auf mögliche Angriffe der moskautreuen Aufständischen zu reagieren, sagte der regierungsnahe Militärexperte Dmitrij Tymtschuk. "Am Flughafen von Donezk versuchten die Terroristen etwa, die Regierungseinheiten mit Flammenwerfern zu provozieren", sagte er.

Die Separatisten warfen ihrerseits der Armee vor, nach dem offiziellen Beginn der Waffenruhe am Freitag um 17 Uhr örtlicher Zeit im Raum Gorlowka vorgerückt zu sein. "Dort war der Befehl aus Kiew offenbar noch nicht angekommen. Wir haben aber die Kämpfe gestoppt", teilten die militanten Gruppen in der Großstadt Donezk mit. Der Chef der regierungstreuen Nationalgarde, Stepan Poltorak, sprach von "unbedeutenden Verstößen" unmittelbar nach Beginn der Feuerpause.

Dem Militärexperten Tymtschuk zufolge könnten die Konfliktparteien noch am Samstag mit einem vereinbarten Gefangenenaustausch beginnen. Ebenfalls für Samstag hatte Russland einen zweiten Hilfskonvoi mit Lebensmitteln für die Ostukraine angekündigt. Moskau hatte vor Kurzem eine Kolonne mit mehr als 250 Lastwagen eigenmächtig in die Ostukraine geschickt und damit heftige Proteste ausgelöst.

cpa/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 360 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Tingletangle 06.09.2014
1. wie kann Putin es wagen...
"eigenmächtig" Hilfslieferungen in die Ukraine zu schicken.
mel80 06.09.2014
2. Gashahn
Bin gespannt wann uns das Gas abgedreht wird. Ich schätze das dauert nun nicht mehr lange.
GSYBE 06.09.2014
3. Russland wird erneute EU-Sanktionen nicht einfach hinnehmen...
Warum wohl? Vielleicht deshalb!?!: "Merkel flüstert, die Nato folgt"
dēmosthénēs 06.09.2014
4. Ich habe keine Ahnung woher der Spiegel diese
Information hat. Es gibt keinen Waffenstillstand. wie wärs mal mit AFP abstimmen?
Waschlaff Duschmann 06.09.2014
5. Sanktionen...
...trotz Waffenstillstand? Leute...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.