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OSZE-Beobachter: Geiseln in der Ukraine freigelassen

Sie wurden mehr als eine Woche im Osten der Ukraine festgehalten - nun sind die Militärbeobachter der OSZE frei, unter ihnen auch die vier Deutschen. Bei Kämpfen in der Region gab es erneut Tote und Verletzte.

Slowjansk - Die tagelang in der Ostukraine festgesetzten Militärbeobachter aus Deutschland und anderen Ländern sind wieder frei. "Alle zwölf Menschen auf meiner Liste sind freigelassen worden", sagte der Sondergesandte von Russlands Präsident Wladimir Putin, Wladimir Lukin, der Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Der Bericht deckt sich mit den Angaben von Wjatscheslaw Ponomarjow, Milizenführer und selbsternannter Bürgermeister der Stadt Slowjansk.

Ponomarjows prorussische Milizen hatten die Gruppe vor mehr als einer Woche festgesetzt und als "Kriegsgefangene" bezeichnet. Die Gruppe der Geiseln umfasste insgesamt zwölf Personen. Dazu gehörten acht Militärbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), darunter vier Deutsche. Zu der Gruppe gehören auch ein Däne, ein Pole und ein Tscheche. Einer der OSZE-Beobachter, ein Schwede, war bereits in der vergangenen Woche aus gesundheitlichen Gründen freigelassen worden. Zudem hatten die Milizen auch vier ukrainische Offiziere gefangengenommen.

Einer der Deutschen, Oberst Axel Schneider, sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir sind froh, dass wir endlich draußen sind, uns geht es den Umständen entsprechend okay. Wir haben die Feuergefechte der letzten Tage direkt mitbekommen, das möchte ich keinem zumuten." Man wolle nun Slowjansk verlassen und dann so schnell wie möglich von Donezk aus in die Heimat nach Deutschland.

Die Männer waren seit dem 25. April in der Gewalt der moskautreuen Aktivisten. "Sie sitzen jetzt alle hier bei mir, ich spreche mit ihnen, ich bin im Begriff, sie freizulassen", hatte Ponomarjow kurz zuvor der Agentur Interfax gesagt. Die Lage in der Stadt sei wegen der Anti-Terror-Operation der Regierungskräfte lebensgefährlich. "Sie sind doch meine Gäste, und ich will nicht, dass ihnen etwas zustößt", sagte Ponomarjow.

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OSZE-Beobachter in Ukraine: Frei nach mehr als einer Woche
Ukrainische Armee setzt Offensive im Osten des Landes fort

Die Regierung in Kiew und prorussische Aktivisten liefern sich seit Wochen einen Machtkampf im Osten der Ukraine. Am Freitag hatte die ukrainische Armee ihre Offensive zur Rückeroberung mehrerer Städte in dem Landesteil ausgeweitet. "Die aktive Phase des Einsatzes dauert an", teilte Innenminister Arsen Awakow am Samstag auf seiner Facebook-Seite mit. "Wir werden nicht aufhören." In der Nacht zum Samstag hätten die Streitkräfte die Kontrolle über den Fernsehturm in Kramatorsk übernommen, der zuvor von prorussischen Milizen eingenommen worden war.

Kramatorsk liegt etwa 17 Kilometer südlich der seit Wochen von Separatisten kontrollierten Stadt Slowjansk. Dort war es am Freitag zu schweren Gefechten zwischen Armee und Separatisten gekommen. Mindestens neun Menschen wurden dabei getötet, unter ihnen zwei Insassen eines ukrainischen Militärhubschraubers.

Auch in der südukrainischen Küstenstadt Odessa kam es am Freitagabend zu schweren Auseinandersetzungen. Ukrainische Nationalisten steckten ein Gewerkschaftsgebäude in Brand, in dem sich prorussische Aktivisten verschanzt hatten; Dutzende Personen starben beim Sprung aus dem brennenden Haus oder an Rauchvergiftungen.

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SPIEGEL ONLINE

ulz/dpa/AP/Reuters

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