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Zerstörung in Mariupol: OSZE macht Separatisten für Raketenangriff verantwortlich

Südosten der Ukraine: Raketenangriff auf Mariupol Fotos
AP/ Sergey Vaganov

Die OSZE schreibt den Raketenangriff auf die ukrainische Hafenstadt Mariupol den Separatisten zu. Die Organisation begründet ihre Einschätzung mit einer Analyse der Einschusslöcher. Bei der Attacke starben mindestens 30 Zivilisten.

Kiew - Die Raketen auf die ukrainische Hafenstadt Mariupol sind nach Ansicht der OSZE aus Gebieten abgefeuert worden, die von prorussischen Separatisten kontrolliert werden. Eine Analyse der Einschlaglöcher habe ergeben, dass die Geschosse aus nordöstlicher und östlicher Richtung gekommen seien, teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit. Diese Gegenden würden von den Aufständischen kontrolliert.

Bei dem Angriff auf ein Wohnviertel der 500.000-Einwohner-Stadt sind nach Angaben von ukrainischen Behörden mindestens 30 Zivilisten getötet worden. Zudem seien etliche Gebäude zerstört worden, darunter auch eine Schule. Ukrainische Medien zeigten Bilder von brennenden Autos. Eine schwarze Rauchsäule stieg in den Himmel auf.

Wie die ukrainische Armee mitteilte, feuerten die Rebellen Grad-Raketen auf die Stadt ab. Dabei seien mehrere Häuser zerstört worden. Den Angaben zufolge wurde ein Markt im Osten der Stadt getroffen. Mehr als 80 Zivilisten seien verletzt worden, teilte das Innenministerium in Kiew mit. Nach Armeeangaben wurden auch mehrere ukrainische Kontrollpunkte in der Umgebung beschossen. Dabei seien ein Soldat getötet und ein weiterer verletzt worden.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko beriet in Telefonaten mit EU-Ratspräsident Donald Tusk und der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini über die Lage. Der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin rief die internationale Gemeinschaft zum gemeinsamen Handeln auf.

"Es ist an der Zeit, zusammen die Terroristen zu stoppen und Russland zu zwingen, die Unterstützung für sie zu beenden", sagte Klimkin der Agentur Interfax. Er forderte die Regierung in Moskau zu einer Reaktion auf die Ereignisse in Mariupol auf. Russland bestreitet, die Separatisten mit Soldaten und Waffen zu stützen.

Mariupol ist die letzte größere Stadt in der Region, die von Kiew kontrolliert wird. Sie liegt etwa hundert Kilometer südlich der Industriemetropole Donezk und 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Die Hafenstadt ist strategisch wichtig, weil sie zwischen den von den Rebellen kontrollierten Gebieten in der Ostukraine und der von Russland annektierten Halbinsel Krim liegt. Die Separatisten haben Stellungen etwa zehn Kilometer entfernt von den östlichen Außenbezirken Mariupols.

REUTERS/ Nikolai Ryabchenko
Die Aufständischen wiesen den Vorwurf, für den Raketenagriff verantwortlich zu sein, als "Lügen" zurück. Ihre Kämpfer hätten Mariupol nicht beschossen, teilten die Rebellen in Donezk mit. Sie bestätigten aber, mit einer Großoffensive auf die Hafenstadt begonnen zu haben.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte Sachartschenkos Äußerungen scharf. Diese seien "nichts als Kriegstreiberei", sagte er am Rande eines Besuchs in Tunesien. An Russland und die Ukraine appellierte er erneut, die Vereinbarungen des jüngsten Ministertreffens in Berlin zum Rückzug schwerer Waffen im Donbass umzusetzen.

Auch die Europäische Union zeigte sich zutiefst besorgt über die Eskalation der Gewalt. Die Feindseligkeiten müssten eingestellt werden, um dann rasch das Minsker Friedensmemorandum vom vergangenen September umzusetzen, forderte am Freitagabend die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Mogherini. Insbesondere Russland müsse Verantwortung übernehmen. Nach monatelangen Gefechten hatten sich die ukrainischen Truppen zuvor vom umkämpften Flughafen von Donezk zurückgezogen.

Die Zahl der Todesopfer sei seit Ausbruch der Kämpfe im April auf mehr als 5000 gestiegen, sagte ein Sprecher des Uno-Hochkommissariats für Menschenrechte (OHCHR) in Genf.

jbe/dpa/AFP

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Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

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