OSZE-Überwachung Deutschland prüft Einsatz von Drohnen in der Ostukraine

Die OSZE will die ukrainisch-russische Grenze aus der Luft überwachen - und zwar mit deutscher Hilfe. Die Bundeswehr soll sich mit Drohnen an der Mission beteiligen. Ein Erkundungsteam wird ab heute die Lage in Luhansk erkunden.

Drohne "Luna" (2012 in Berlin): Einsatz in der Ostukraine?
DPA

Drohne "Luna" (2012 in Berlin): Einsatz in der Ostukraine?


Kiew - 14 Bundeswehrsoldaten machen sich am Dienstag mit einem französischen Team auf den Weg in die Ostukraine. Sie sollen den Einsatz unbewaffneter Drohnen in der Krisenregion an der Grenze zu Russland prüfen. Das geht aus einer Mitteilung des Bundesverteidigungsministeriums hervor.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte vor sechs Tagen angekündigt, in der Ostukraine Überwachungsdrohnen einsetzen zu wollen. "Wir brauchen Drohnen, um die Grenzen zu überwachen", sagte der Vorsitzende, der Schweizer Bundespräsident Didier Burkhalter. Ein OSZE-Sprecher sagte, dass die Drohnen spätestens Anfang Oktober einsatzbereit sein würden.

Deutschland und Frankreich beschlossen den Einsatz laut einer Mitteilung der Bundeswehr auf dem Nato-Gipfel in Wales. Auch Moskau hatte dem OSZE-Einsatz am 5. September in Minsk zugestimmt.

40 Kilogramm schwer, Flugradius von rund 40 Kilometern

Die Bundeswehr soll die Mission mit Aufklärungsdrohnen des Typs "Luna" (Luftgestütze Unbemannte Nahaufklärungsausstattung) unterstützen.

Die Erkundungsmission der Bundeswehrsoldaten dauert den Angaben zufolge drei bis fünf Tage und soll in einem nicht umkämpften Gebiet bei Luhansk in der Ostukraine durchgeführt werden. Der Ort liegt rund 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

"Luna"-Drohnen ähneln großen Modellflugzeugen. Die fast 40 Kilogramm schweren unbemannten Geräte werden seit mehr als elf Jahren von der Bundeswehr eingesetzt. Mit einem Katapult werden die Luftüberwachungsgeräte in die Luft befördert, dann kann der mit einem kleinen Motor betriebene Flieger zwischen sechs und acht Stunden lang Videobilder zur Erde senden. Die Drohne hat rund um die Bodenstation, wo der Pilot sitzt, einen Flugradius von etwa 40 Kilometern. Viel Erfahrung hat die Bundeswehr mit den Geräten bei Einsätzen in Afghanistan gesammelt.

Bedingung für eine Unterstützung der Bundeswehr sei "die tatsächliche Einhaltung der Waffenruhe durch die Konfliktparteien in der Ostukraine", heißt es in der Mitteilung.

Ungeachtet der vereinbarten Feuerpause in der Ostukraine gerieten OSZE-Beobachter im Konfliktgebiet unter Beschuss. Patrouillenfahrzeuge seien von Artilleriegeschossen getroffen worden, teilte der Chef der Beobachtermission in Kiew, Ertugrul Apakan, mit. Niemand sei verletzt worden. Apakan rief ukrainische Regierungstruppen und prorussische Separatisten auf, die Waffenruhe einzuhalten und die Sicherheit der Beobachter zu gewährleisten.

Warnung aus Moskau

Russland warnte den Westen erneut vor Lieferungen von Waffen und Militärtechnik in die Ukraine. "Da droht schon eine direkte Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Ukraine und, um es klar zu sagen, eine Helferschaft für die Kriegsverbrechen zu werden", sagte der russische Parlamentschef Sergej Naryschkin am Dienstag in der Staatsduma. Der jüngste Nato-Gipfel habe die Krise in der Ukraine noch weiter vertieft, sagte der Politiker. Der Konflikt in der Ex-Sowjetrepublik dauere ungeachtet der offiziellen Waffenruhe an.

Die ukrainische Regierung hatte nach dem Gipfeltreffen in Wales mitgeteilt, dass mehrere Nato-Staaten mit der Lieferung von Waffen begonnen hätten. Eine Bestätigung aus den Ländern gab es aber nicht. Insbesondere den USA warf Naryschkin vor, mit ihrer "zynischen und verantwortungslosen Politik" die Welt an den Rand eines neuen Kalten Krieges zu treiben. Im Westen der Ukraine setzten unter der Führung der USA mehrere Nato-Staaten mit insgesamt 1200 Soldaten ein Manöver fort, das noch bis zum 26. September dauert.

DER SPIEGEL

mxw/mgb/heb/heb

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insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
megamekerer 16.09.2014
1. Welche Drohnen?
Ich dachte wir wollten erst welche kaufen, wo kommen plötzlich Drohnen her? Na gut, vielleicht die alte ausgemusterte aus 600 Millionen Euro Schlamassel, ok, dann ab damit nach Ukraine, die Separatisten werden Spaß haben sie abzuschießen.
Wildes Herz 16.09.2014
2.
Zitat von megamekererIch dachte wir wollten erst welche kaufen, wo kommen plötzlich Drohnen her? Na gut, vielleicht die alte ausgemusterte aus 600 Millionen Euro Schlamassel, ok, dann ab damit nach Ukraine, die Separatisten werden Spaß haben sie abzuschießen.
Autsch! Hier ist von Überwachungsdrohnen die Rede (die heutzutage jeder in Miniatur-Ausführung auf Ebay bestellen kann), ganz sicher nicht von Kampfdrohnen.
gerd.lt 16.09.2014
3. Diplomatie ist ausgeschaltet
Wenn es noch eines Beweises für die enge Verstrickung in diesen Konflikt bedurfte, so wird er damit geliefert. Natoseitig wird aber auch nichts unterlassen, um noch mehr Zündstoff in die Ukraine zu tragen. Die Diplomatie ist ausgeschaltet wenn die Miltärs sprechen, und ist erst wieder gefragt, wenn es gilt den Scherbenhaufen zusammen zu fegen. Steinmeiers Reisen in die Krisengebiete sind zur Beruhigungspille für die Bevölkerung verkommen und haben rein garnichts mit dem Versuch einer Konfliklösung zu tun. Jetzt ist alles möglich.
epi666 16.09.2014
4. #1
Damals ging es um Kampfdrohnen. Aufklärungsdrohnen hat die BW schon länger. Und nur um die geht es hier.
dherr 16.09.2014
5. Interessant...
wäre ja zu wissen, was der Spaß monatlich kostet, je Station, je Drohne, das Personal usw.
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