Vorleben des Angreifers Ottawa-Attentäter überfiel McDonald's-Filiale mit Knüppel

Der Attentäter von Ottawa war drogenabhängig; er hoffte, im Gefängnis clean zu werden. Um dort zu landen, überfiel er einen Fast-Food-Laden und meldete sich mehrfach bei der Polizei.

Michael Z.-B. auf Bildern einer Überwachungskamera: "Er will einfach nur ins Gefängnis"
REUTERS

Michael Z.-B. auf Bildern einer Überwachungskamera: "Er will einfach nur ins Gefängnis"


Ottawa - Michael Z.-B. muss ziemlich verzweifelt gewesen sein; so verzweifelt, dass er freiwillig ins Gefängnis wollte. Dort hoffte er auf Hilfe, um mit seiner Abhängigkeit von der Droge Crack fertig zu werden.

Michael Z.-B. ist der Mann, der am Mittwoch das kanadische Parlament in Ottawa überfiel und bei seinem Anschlag einen Soldaten tötete. Nun werden durch Gerichtsunterlagen neue Details aus dem Leben des Attentäters bekannt, der bei dem Anschlag erschossen wurde.

Im Dezember 2011 überfiel Z.-B. eine McDonald's-Filiale in Vancouver. Um 1.45 Uhr in der Nacht stürmte er mit einem angespitzten Knüppel in den Fast-Food-Laden und verlangte Geld. Als ihn der Kassierer fragte, ob er das ernst meint, sagte der Räuber: "Ja, rück' das Geld raus, Kumpel." Daraufhin entgegnete der Angestellte: "Ich hab die Polizei gerufen. Hau ab!"

Dann wartete Z.-B. in aller Ruhe auf seine Festnahme. In der Gerichtsverhandlung sagte der Mann, er wolle seine Freiheit opfern, um ein besserer Mensch zu werden. "Mein Plan ist: Ich bin crackabhängig, aber ich bin gleichzeitig eine religiöse Person", sagte er wörtlich. "Wenn ich nach einem Jahr oder so draußen bin, werde ich das Leben besser zu schätzen wissen", sagte er. "Oder ich bekomme eine Therapie, wenn ihr mich zu einer schicken könntet."

Wenige Stunden vor dem Überfall auf McDonald's war Z.-B. in einer Polizeiwache in Vancouver aufgetaucht, um einen bewaffneten Raubüberfall zu gestehen, den er angeblich ein Jahrzehnt zuvor in der kanadischen Provinz Québec begangen hatte. Die Beamten fanden in den Unterlagen keinen Hinweis auf die Tat. Zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen tauchte Z.-B. mit einem vermeintlichen Geständnis bei der Polizei auf. "Ich warnte sie: Wenn ihr mich nicht ins Gefängnis werft, werde ich was tun, damit ich im Gefängnis lande", sagte der Mann später vor Gericht.

Ein Psychiater, der Z.-B. begutachtete, kam jedoch zu dem Schluss, dass er nicht psychisch krank ist. "Er will einfach nur ins Gefängnis, weil er dadurch hoffte, vom Crack wegzukommen." Schließlich durfte der Mann 66 Tage hinter Gittern verbringen, die Drogensucht konnte er nicht überwinden.

syd

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