Verstorbener US-Student Otto Warmbiers Eltern verklagen Nordkorea

Der US-Amerikaner Otto Warmbier soll in nordkoreanischer Gefangenschaft gefoltert worden sein - Pjöngjang dementiert die Vorwürfe. Nun verklagen die Eltern des 22-Jährigen das Regime wegen "brutaler Folter und Mordes".

Otto Warmbiers Eltern
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Otto Warmbiers Eltern


Die Familie des gestorbenen US-Studenten Otto Warmbier hat Nordkorea wegen "brutaler Folter und Mord" verklagt. Fred und Cindy Warmbier reichten am Donnerstag bei einem Bundesgericht in der Hauptstadt Washington eine Klage ein, wie es in einer Mitteilung der Familie hieß, aus der mehrere US-Medien zitieren. In ihr beschrieben sie detailliert, wie ihr Sohn in den 17 Monaten seiner Gefangenschaft vom "verbrecherischen" Regime des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un misshandelt worden sei.

Ende 2015 war der damals 21-jährige Otto Warmbier nach Nordkorea geflogen. Am letzten Tag seiner Gruppenreise, am 2, Januar 2016, wurde er festgenommen und später wegen "feindlicher Handlungen gegen den Staat" zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, ein Propagandaposter gestohlen zu haben.

Während seiner Haft fiel Warmbier ins Koma und wurde schließlich "aus humanitären Gründen" freigelassen. Wenige Tage nach seiner Rückkehr in die USA im Juni 2017 starb er - er hatte damals bereits 15 Monate lang im Koma gelegen. Er wurde 22 Jahre alt. Eine Chronologie der Ereignisse zum Fall Warmbier lesen Sie hier.

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Fred Warmbier teilte in der Erklärung mit, sein Sohn sei als Geisel genommen und wie ein politischer Gefangener gehalten worden. Er sei als Pfand benutzt worden und besonders brutal von Kim Jong Un misshandelt worden. Kim und sein Regime hätten sich als unschuldig dargestellt, während sie vorsätzlich das Leben ihres Sohns zerstört hätten. Die Klage sei ein weiterer Schritt dahin, Nordkorea für die barbarische Behandlung Ottos und seiner Familie zur Verantwortung zu ziehen. In der Klage bezeichnen die Eltern Nordkorea als Schurkenstaat, der ihren Sohn ermordet habe.

Kritischer Zeitpunkt

Der Zeitpunkt der Klage erfolgt nun während diplomatischer Annäherungsversuche zwischen den USA und Nordkorea: In wenigen Wochen könnte ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un stattfinden.

Zudem beginnt am Freitag der Gipfel der Staatschefs von Nord- und Südkorea, Kim Jong Un und Moon Jae In. Laut Regierungsvertretern Südkoreas wird der Schwerpunkt auf den Themen Frieden und Denuklearisierung liegen sowie auf einer Verbesserung der Beziehungen nicht nur zwischen den Nachbarn, sondern auch zu den USA und anderen Ländern.

US-Präsident Donald Trump hatte damals das "brutale Regime" in Pjöngjang für das Vorgehen im Fall Warmbier verurteilt und erklärt, er sei entschlossen, künftig "derartige Tragödien zu verhindern".

cop/Reuters/dpa



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